Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern wollen sich einen Platz in einem der technologisch ambitioniertesten Forschungsfelder der kommenden Jahrzehnte sichern. Beide Länder gehören zur bundesweiten Fusionsallianz und sind an den neuen Fusionshubs beteiligt, die Forschung, Start-ups und Hightech-Industrie bei Magnetfusion, Laserfusion sowie Brennstoffen und Materialien zusammenführen sollen. Für die erste Förderphase stellt das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt rund 125 Millionen Euro bereit.
Drei Fusionshubs sollen Forschung bündeln
Die neuen Strukturen entstehen im Rahmen der Hightech Agenda Deutschland.
Nach Angaben der beteiligten Länder wurden drei Hubs für Magnetfusion, Laserfusion sowie den Querschnittsbereich Brennstoffe und Materialien ausgewählt. Ziel ist es, wissenschaftliche Einrichtungen, junge Technologieunternehmen und etablierte Industriepartner stärker miteinander zu vernetzen.
Die Forschung soll damit schneller aus dem Labor in industrielle Anwendungen gelangen.
Gerade bei der Kernfusion ist dieser Transfer entscheidend, weil ein späteres Kraftwerk nicht nur physikalische Durchbrüche benötigt, sondern auch neue Materialien, Hochleistungslaser, Magneten, Brennstoffkreisläufe und industrielle Fertigungsverfahren.
Erste Förderphase startet im August
Der Start der ersten Förderphase ist bereits für August 2026 vorgesehen.
Zunächst sollen belastbare Organisations- und Entscheidungsstrukturen aufgebaut werden. Anschließend sollen erste gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte beginnen. Bis 2029 soll das Programm in insgesamt sechs Ausbaustufen erweitert werden.
Für diese erste Phase stellt der Bund rund 125 Millionen Euro zur Verfügung.
Das Geld fließt dabei nicht ausschließlich nach Sachsen oder Mecklenburg-Vorpommern. Die Summe gilt für das gesamte bundesweite Hub-Programm mit mehreren beteiligten Ländern und Forschungsstandorten.
Mecklenburg-Vorpommern erhält direkten Zugang
Für Mecklenburg-Vorpommern ist die Entscheidung besonders relevant.
Das Wissenschaftsministerium des Landes bestätigt, dass gleich mehrere vom Land unterstützte Forschungseinrichtungen Partner der neuen Fusionshubs sind. Wissenschaftsministerin Bettina Martin bezeichnet die Entscheidung als Meilenstein für die Fusionsforschung des Landes.
Die Bundesregierung zählt Fusion inzwischen zu sechs Schlüsseltechnologien ihrer Hightech Agenda.
Nach Angaben Mecklenburg-Vorpommerns sollen in den kommenden Jahren bundesweit insgesamt rund 2,4 Milliarden Euro für die Fusionsforschung zur Verfügung stehen.
Damit geht es langfristig um erheblich mehr als die zunächst bereitgestellten 125 Millionen Euro.
Rostock und Dresden arbeiten bereits zusammen
Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern haben ihre Zusammenarbeit auf diesem Gebiet schon vor der Entscheidung über die Hubs vertieft.
Im Juni wurde in Rostock die High Energy Density Initiative, kurz HEDI, gegründet. Dabei bündeln die Universität Rostock und das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf ihre Kompetenzen in der Hochenergiedichtephysik.
Bund und beide Länder unterstützen den Aufbau der Initiative.
Die Zusammenarbeit zeigt, dass sich zwischen Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern bereits ein ostdeutsches Forschungsnetzwerk entwickelt, das bei künftigen Fusionstechnologien eine Rolle spielen soll.
Warum Kernfusion so attraktiv ist
Das politische Interesse an der Technologie ist enorm.
Bei der Kernfusion werden leichte Atomkerne miteinander verschmolzen. Dabei soll Energie nach einem ähnlichen Grundprinzip freigesetzt werden, wie es im Inneren der Sonne geschieht.
Ziel der aktuellen Forschung ist ein Kraftwerk, das diesen Prozess dauerhaft und technisch kontrolliert zur Energiegewinnung nutzen kann.
Die Bundesregierung verbindet damit die Perspektive einer neuen klimaneutralen Energiequelle und verfolgt nach Angaben Mecklenburg-Vorpommerns das Ziel, dass Deutschland beim Bau eines ersten Fusionsreaktors international eine führende Rolle übernimmt.
Ein kommerzielles Fusionskraftwerk steht allerdings noch nicht unmittelbar bevor. Die Hubs sind zunächst Forschungs- und Entwicklungsstrukturen, keine Bauprogramme für fertige Kraftwerke.
Sachsen sieht wirtschaftliche Chancen
Für Sachsen ist die Beteiligung nicht nur wissenschaftspolitisch interessant.
Das Land verfügt mit Forschungseinrichtungen wie dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf über Kompetenzen in Hochenergiephysik und angrenzenden Technologien. Gleichzeitig besitzt Sachsen eine ausgeprägte Hightech-Industrie mit Halbleiter-, Maschinenbau- und Materialkompetenzen.
Die Fusionsallianz verfolgt ausdrücklich das Ziel, neben der Forschung auch eine leistungsfähige deutsche Fusionsindustrie aufzubauen und entsprechende Liefer- und Wertschöpfungsketten zu entwickeln.
Damit könnte Fusion langfristig nicht nur ein Energiethema, sondern auch ein industriepolitisches Geschäftsfeld werden.
Der Osten will früh dabei sein
Genau darin liegt die Bedeutung für Ostdeutschland.
Bei früheren industriellen Umbrüchen mussten Regionen häufig auf bereits bestehende Technologien reagieren. Bei der Fusionsforschung versuchen Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern dagegen, bereits in einer frühen Entwicklungsphase eigene wissenschaftliche und industrielle Kompetenzen aufzubauen.
Ob daraus später tatsächlich Kraftwerke, neue Unternehmen und größere Wertschöpfung entstehen, ist offen.
Die politischen Weichen werden aber schon jetzt gestellt.
Mit dem Start der Fusionshubs im August beginnt der Versuch, Deutschland bei einer möglichen Energieform der Zukunft technologisch an die Spitze zu bringen – und Sachsen sowie Mecklenburg-Vorpommern wollen dabei nicht Zuschauer, sondern Teil der Entwicklung sein.
Quelle:
Medienservice Sachsen, gemeinsame Pressemitteilung der Länder zur Fusionsallianz vom 29. Juli 2026; Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten Mecklenburg-Vorpommern; Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern zur High Energy Density Initiative.