Rostock. Die Universität Rostock erhält knapp zwei Millionen Euro für ein neues Forschungsprojekt an ihrem Institut für Physik. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert dort in den kommenden sechs Jahren eine Emmy-Noether-Forschungsgruppe unter Leitung von Dr. Franziska Fennel.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich organische Molekülkristalle verhalten, wenn sie extrem starken Lichtfeldern ausgesetzt werden. Die Wissenschaftler wollen dabei Prozesse untersuchen, die innerhalb unvorstellbar kurzer Zeit ablaufen.

Das Projekt trägt den Titel „Zeitaufgelöste Hohe Harmonischen Spektroskopie an organischen Molekülkristallen“.

Molekülkristalle könnten für Elektronik der Zukunft wichtig werden

Organische Molekülkristalle bestehen aus regelmäßig angeordneten Molekülen. Durch diese geordnete Struktur können Eigenschaften entstehen, die einzelne Moleküle für sich allein nicht besitzen.

Solche Materialien gelten deshalb als interessant für verschiedene Zukunftstechnologien. Einsatzmöglichkeiten reichen von OLEDs über Solarzellen bis hin zu Sensoren.

Die Rostocker Forschungsgruppe will nun untersuchen, wie sich sogenannte Hohe Harmonische Strahlung in diesen Molekülkristallen erzeugen lässt.

Sie entsteht, wenn Materie mit extrem starken Laserfeldern wechselwirkt. Dabei wird Licht mit deutlich höheren Frequenzen ausgesendet.

In Gasen und anorganischen Festkörpern ist das Verfahren bereits bekannt. Bei organischen Molekülkristallen sind die zugrunde liegenden Mechanismen dagegen noch weitgehend ungeklärt.

Licht soll zum Fingerabdruck der Moleküle werden

Die Forscher wollen die entstehende Strahlung nutzen, um Vorgänge innerhalb der Molekülkristalle zu beobachten.

Das ausgesendete Licht funktioniert dabei vereinfacht gesagt wie ein Fingerabdruck des Materials. Aus seinen Eigenschaften können die Wissenschaftler Rückschlüsse darauf ziehen, was sich im Inneren des Kristalls innerhalb extrem kurzer Zeit verändert.

„Ich freue mich extrem, dass mein Team weiterwächst und wir diese spannenden Fragen zu den Starkfeldeffekten in den organischen Molekülkristallen untersuchen können“, sagt Forschungsgruppenleiterin Franziska Fennel.

Drei Promotionsstellen und eine Postdoc-Stelle entstehen

Mit der Förderung kann Fennel eine eigene Forschungsgruppe aufbauen. Vorgesehen sind drei Promotionsstellen und eine zusätzliche Postdoc-Stelle.

Bislang arbeitete die Physikerin als Postdoktorandin in der Arbeitsgruppe „Dynamik molekularer Systeme“ von Prof. Dr. Stefan Lochbrunner.

Die Experimente sollen in einem bereits ausgestatteten Laserlabor im Department Leben, Licht & Materie der Universität Rostock stattfinden.

Lochbrunner bezeichnet die erfolgreiche Förderung als wichtigen Meilenstein, der zugleich das Institut und bestehende Forschungsverbünde stärke.

Rostock baut Forschungsprofil weiter aus

Die neue Gruppe kann nach Angaben der Universität auf mehrere bestehende Forschungsnetzwerke zurückgreifen. Dazu gehören unter anderem der Sonderforschungsbereich LiMatI, das Internationale Graduiertenkolleg „Imaging Quantum Systems“, das Department Leben, Licht & Materie sowie weitere Forschungsverbünde in Mecklenburg-Vorpommern.

Das Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft richtet sich an besonders qualifizierte Wissenschaftler in einer frühen Karrierephase.

Geförderte Forscher erhalten die Möglichkeit, eine eigene Nachwuchsgruppe aufzubauen und sich damit auf eine spätere Universitätsprofessur vorzubereiten.

Für Franziska Fennel bedeutet die Förderung damit nicht nur den Aufbau eines eigenen Teams. Für die Universität Rostock eröffnet sie zugleich ein neues Forschungsfeld an der Schnittstelle von Molekülphysik, starken Lichtfeldern und ultraschnellen Prozessen.

Quelle: Universität Rostock, 8. September 2026.