Die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem setzt seit Kurzem einen neuen Photon-Counting-Computertomografen ein. Das Gerät, das Röntgenphotonen direkt erfasst, soll feinere Bilder bei einer geringeren Strahlendosis ermöglichen.
Der Computertomograf vom Typ NAEOTOM Alpha.Prime des Herstellers Siemens Healthineers steht im Institut für Radiologie und Neuroradiologie der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem, kurz MUL – CT. Er soll das diagnostische Angebot des Cottbuser Universitätsklinikums vor allem bei komplexen und wiederkehrenden Untersuchungen erweitern.
Zum Anschaffungspreis des Gerätes machte die Universität in ihrer Pressemitteilung keine Angaben. Die Beschaffung ist Bestandteil einer seit 2024 bestehenden Innovationspartnerschaft zwischen der MUL – CT und Siemens Healthineers.
Detektor zählt einzelne Röntgenphotonen
Die neue Technik unterscheidet sich bei der Erfassung der Röntgenstrahlung von herkömmlichen Computertomografen. Der Detektor registriert die eintreffenden Röntgenphotonen direkt. Dadurch sollen feinere anatomische Strukturen deutlicher dargestellt und Unterschiede zwischen verschiedenen Gewebearten besser erkannt werden.
Neben der räumlichen Auflösung gehört die mögliche Verringerung der Strahlenbelastung zu den wichtigsten versprochenen Vorteilen. Siemens Healthineers nennt für bestimmte hochauflösende Untersuchungen eine Dosisreduktion von bis zu 45 Prozent gegenüber konventionellen CT-Detektoren.
Dieser Wert gilt jedoch nicht pauschal für jede Untersuchung. Wie hoch die tatsächliche Einsparung ausfällt, hängt unter anderem von der medizinischen Fragestellung und dem jeweils verwendeten Untersuchungsprotokoll ab. Die MUL spricht deshalb ausdrücklich von einer möglichen Reduzierung bei geeigneten Untersuchungen.
Kinder und mehrfach untersuchte Patienten profitieren
Eine niedrigere Strahlendosis ist insbesondere bei Kindern und bei Menschen von Bedeutung, die im Verlauf einer Erkrankung wiederholt untersucht werden müssen. Gleichzeitig soll die verbesserte Bildqualität die diagnostische Aussagekraft erhöhen.
Prof. Dr. Gero Wieners, Chefarzt der Radiologie an der MUL – CT, erwartet, dass sich feinste Strukturen klarer darstellen und Unterschiede im Gewebe genauer erkennen lassen. Das könne dazu beitragen, schneller zu einer sicheren Diagnose zu gelangen.
Auch die Geschwindigkeit der Untersuchungen zählt nach Angaben des Chefarztes zu den Vorteilen. Das ist vor allem in zeitkritischen Situationen wichtig, etwa bei der Behandlung schwer verletzter Patientinnen und Patienten in der Notaufnahme.
Bei Untersuchungen des Brustkorbs kann eine schnellere Aufnahme zudem die notwendige Atemhaltezeit verkürzen. Davon können Menschen profitieren, denen es aufgrund ihres Gesundheitszustandes schwerfällt, während einer Untersuchung länger die Luft anzuhalten.
Einsatz von der Notfallmedizin bis zur Onkologie
Der neue Computertomograf soll in mehreren medizinischen Fachgebieten eingesetzt werden. Dazu gehören die Notfallmedizin, die Traumatologie, die Gefäßdiagnostik, die Onkologie sowie Untersuchungen in der Inneren Medizin und Orthopädie.
In der Notfallmedizin kann die schnelle Bildgebung dabei helfen, schwere Verletzungen zu erkennen und die weitere Behandlung vorzubereiten. Die hohe Auflösung soll es ermöglichen, auch kleine Strukturen und feine Gefäße genauer zu beurteilen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Behandlung von Krebserkrankungen. Die spektrale Bildgebung des Photon-Counting-CT kann nach Angaben der Universität dazu beitragen, Tumoren und Metastasen genauer zu beurteilen. Auch Veränderungen während eines Krankheitsverlaufs sollen sich detaillierter darstellen lassen.
In der Neurologie erhoffen sich die Mediziner Vorteile bei der Untersuchung des Gehirns. Der verbesserte Bildkontrast und die hohe räumliche Auflösung sollen eine genauere Beurteilung kleiner anatomischer Strukturen und feiner Blutgefäße ermöglichen.
Welche Untersuchungen künftig vorrangig mit dem neuen Gerät durchgeführt werden und wie viele Patientinnen und Patienten jährlich davon profitieren können, teilte die MUL nicht mit.
Gerät gehört zu Partnerschaft mit Siemens
Die Anschaffung ist Teil einer langfristigen Zusammenarbeit zwischen der Medizinischen Universität und Siemens Healthineers. Die sogenannte Value Partnership besteht seit 2024 und umfasst die Beschaffung, das Management und die Wartung großer medizintechnischer Geräte für die bildgebende Diagnostik.
Hinzu kommen Beratungsleistungen zur Weiterentwicklung betrieblicher Strukturen und medizinischer Abläufe. Das neue Photon-Counting-CT ist damit nicht als Einzelanschaffung gedacht, sondern als Bestandteil einer umfassenderen Modernisierung.
Weitere Projekte innerhalb der Partnerschaft sollen die technische Ausstattung des Cottbuser Klinikums schrittweise erneuern. Konkrete Angaben zu den nächsten Geräten, den vereinbarten Investitionssummen oder der Laufzeit der Zusammenarbeit machte die Universität in der Mitteilung nicht.
Universitätsmedizin befindet sich im Aufbau
Die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem wurde am 1. Juli 2024 gegründet. Sie ist nach eigenen Angaben die erste und einzige staatliche Universitätsmedizin Brandenburgs.
Land und Bund wollen den Aufbau bis 2038 mit insgesamt 3,7 Milliarden Euro fördern. Das Vorhaben gehört zu den größten Strukturwandelprojekten im Zusammenhang mit dem Kohleausstieg in der Lausitz.
Die Universität beschäftigt derzeit rund 4.300 Menschen aus mehr als 60 Nationen. Zum Wintersemester 2026/2027 sollen die ersten 36 Studierenden den Modellstudiengang Humanmedizin aufnehmen. Ab 2028 sind zusätzlich drei Masterstudiengänge in den Bereichen Pflege, medizinische Daten und Gesundheitssystemwissenschaften geplant.
Quellen
Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem, Pressemitteilung Nr. 68/2026 vom 7. September 2026