Die Universitätsmedizin Greifswald ist der einzige deutsche Partner im europäischen Projekt MOMENTUM. Forschende untersuchen den Einfluss chronischer Nierenerkrankungen auf das Gehirn, weil Betroffene häufig kognitive Einschränkungen entwickeln.
Nierenerkrankungen treffen MV besonders
Chronische Nierenerkrankungen betreffen weltweit rund 850 Millionen Menschen. In Mecklenburg-Vorpommern liegt ihr Anteil nach Angaben der Landesregierung bei 17 Prozent. Der Wert übersteigt den Bundesdurchschnitt um sieben Prozentpunkte.
Bis zu 60 Prozent der Betroffenen zeigen laut Projektangaben kognitive Beeinträchtigungen. Dazu gehören Probleme mit der Aufmerksamkeit und Konzentration. Menschen mit einer chronischen Nierenerkrankung tragen zudem ein erhöhtes Demenzrisiko.
Das Forschungsprojekt MOMENTUM soll klären, warum eine geschädigte Niere die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen kann. Insgesamt beteiligen sich 13 Einrichtungen aus neun europäischen Ländern.
Urämische Toxine stehen im Mittelpunkt
Die Forschenden untersuchen vor allem sogenannte urämische Toxine. Gesunde Nieren scheiden diese Stoffwechselprodukte aus dem Körper aus. Bei einer eingeschränkten Nierenfunktion können sich die Substanzen jedoch anreichern.
Das Projektteam will herausfinden, ob die Toxine das Gehirn und das Nervensystem beeinflussen. Die Ergebnisse sollen den Weg von der gestörten Nierenfunktion bis zur kognitiven Beeinträchtigung genauer erklären.
Professorin Nicole Endlich leitet das Institut für Anatomie und Zellbiologie der Universitätsmedizin Greifswald. Sie sieht in der Erforschung der Giftstoffe einen entscheidenden Ansatz, um das erhöhte Demenzrisiko der Betroffenen besser zu verstehen.
Zebrafischmodell liefert Hinweise
Das Greifswalder Team untersucht ausgewählte urämische Toxine an Zebrafischlarven. Dafür nutzt das Institut ein etabliertes Nierenmodell. Gemeinsam mit einem italienischen Projektpartner analysieren die Forschenden auch das Verhalten der Tiere.
Veränderte Bewegungsmuster können Hinweise auf Auswirkungen der Giftstoffe auf das Nervensystem liefern. Das Modell soll zeigen, welche biologischen Abläufe eine Verbindung zwischen Niere und Gehirn herstellen.
Ein weiteres Ziel ist die Suche nach geeigneten Biomarkern. Mit ihnen könnten Ärzte kognitive Einschränkungen bei Menschen mit chronischen Nierenerkrankungen früher erkennen und den weiteren Verlauf besser einschätzen.
Langfristig sollen besonders gefährdete Patienten schneller eine gezielte Behandlung erhalten. Die Forschung verbindet deshalb grundlegende Laborarbeit mit einem möglichen medizinischen Nutzen.
EU fördert MOMENTUM bis 2030
Das Projekt startete am 1. Juni 2026 und läuft bis zum 31. Mai 2030. Die Europäische Union stellt über das Programm Horizon Europe knapp sechs Millionen Euro bereit. Die Universitätsmedizin Greifswald erhält davon 444.750 Euro.
Forschungsdekanin Agnes Flöel wertet die Beteiligung als Zeichen für die internationale Sichtbarkeit der Greifswalder Nierenforschung. Die Zusammenarbeit soll neue Erkenntnisse schneller für Patienten nutzbar machen.
Horizon Europe ist das zentrale Forschungs- und Innovationsprogramm der Europäischen Union. Für die Förderperiode von 2021 bis 2027 steht ein Gesamtbudget von rund 95,5 Milliarden Euro zur Verfügung.
Quelle: Universitätsmedizin Greifswald