Die norddeutschen Werften sind so gut ausgelastet wie seit Jahren nicht mehr. Bis Mitte 2027 sollen rund 1.700 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen, obwohl viele Betriebe weiterhin nur schwer Fachkräfte finden.

Schiffbau beschäftigt mehr als 17.000 Menschen

Für ihre aktuelle Untersuchung befragte die IG Metall Küste die Betriebsräte von 41 Schiffbauunternehmen. Diese Betriebe beschäftigen zusammen 17.141 Menschen. Bei der vorherigen Erhebung waren es 14.754 Beschäftigte.

Seit September 2025 stellten die beteiligten Unternehmen bereits 1.125 Mitarbeiter ein. Gleichzeitig erwarten die Betriebsräte bis Mitte 2027 einen weiteren Aufbau von rund 1.700 Stellen. Etwa 350 Beschäftigte werden in diesem Zeitraum altersbedingt ausscheiden.

Werften erreichen vollständige Auslastung

Die durchschnittliche Auslastung der befragten Unternehmen liegt 2026 bei rund 90 Prozent. Für 2027 werden 94 Prozent erwartet. Im Jahr 2028 könnten die vorhandenen Kapazitäten rechnerisch vollständig ausgelastet sein.

Bereits jetzt arbeitet etwa die Hälfte der Betriebe an ihrer Kapazitätsgrenze oder darüber. Kein befragtes Unternehmen erwartet in den kommenden Jahren einen Rückgang der Auftragslage.

Auch Werften und maritime Zulieferer in Mecklenburg-Vorpommern können von dieser Entwicklung profitieren. Rostock-Warnemünde gehört zu den Standorten, an denen neue Offshore-Technik und Komponenten für maritime Großprojekte entstehen.

Marineschiffbau treibt das Wachstum

Militärische Aufträge machen inzwischen durchschnittlich 54 Prozent des Umsatzes der untersuchten Unternehmen aus. Auf den zivilen Schiffbau entfallen 43 Prozent, während Offshore-Plattformen drei Prozent erreichen.

Die Aufträge für Fregatten, Korvetten, U-Boote und andere Marineschiffe sichern den Werften langfristige Arbeit. Die starke Abhängigkeit vom militärischen Bereich birgt jedoch Risiken. Bleiben zivile Schiffe und Offshore-Projekte zurück, könnte die Branche einseitig von staatlichen Rüstungsaufträgen abhängig werden.

Werften suchen Fachkräfte und Auszubildende

Mehr als die Hälfte der befragten Betriebe hat weiterhin Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Gesucht werden vor allem Mitarbeiter für Produktion, Konstruktion und technische Entwicklung.

Rund 900 junge Menschen absolvieren derzeit eine Ausbildung in den untersuchten Unternehmen. Die Ausbildungsquote stieg von 5,2 auf 5,9 Prozent. Von den ausgelernten Nachwuchskräften werden 94 Prozent übernommen.

Gleichzeitig arbeiten noch rund 1.100 Leihbeschäftigte in den Betrieben. Seit September 2025 erhielten lediglich etwa 100 von ihnen eine feste Anstellung. Der langfristige Erfolg des Aufschwungs hängt daher auch davon ab, ob die Werften sichere Arbeitsplätze schaffen und mehr Nachwuchs ausbilden.

Quelle: IG Metall Küste; Schiffbauumfrage 2026