Der Sächsische Rechnungshof erhebt schwere Vorwürfe gegen das Finanzministerium. Millionenhilfen für die Mitteldeutsche Flughafen AG seien im Haushalt nicht ausreichend transparent dargestellt worden. Während in einem zentralen Haushaltskapitel 8,2 Millionen Euro mit Bezug zur Flughafengesellschaft vorgesehen waren, ermittelten die Prüfer für die Jahre 2018 bis 2024 tatsächlich geleistete Beträge von rund 51,6 Millionen Euro.

51,6 Millionen Euro für Sachsens Flughäfen

Der Freistaat Sachsen hält 77,29 Prozent der Mitteldeutschen Flughafen AG und ist damit deren Hauptgesellschafter. Zur Unternehmensgruppe gehören die Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden sowie der Bodenabfertiger PortGround.

Nach den Berechnungen des Rechnungshofs flossen zwischen 2018 und 2024 insgesamt rund 51,56 Millionen Euro im Zusammenhang mit der Unternehmensgruppe. Nicht berücksichtigt sind dabei Zahlungen aus dem Corona-Bewältigungsfonds.

Die Summe setzt sich aus Kapitalzuführungen, einem Darlehen über 15 Millionen Euro, der Umwandlung eines Darlehens in Eigenkapital über 18,97 Millionen Euro, Sicherheitsaufwendungen und sogenannten Umfeldmaßnahmen zusammen.

In dem zentralen Haushaltskapitel für Betriebe und Beteiligungen waren für diesen Zeitraum lediglich 8,2 Millionen Euro mit Bezug zur Flughafengesellschaft ausgewiesen. Weitere Zahlungen wurden über andere Haushaltsstellen abgewickelt.

Der Rechnungshof bemängelt deshalb, dass der Haushalt kein geschlossenes Bild des tatsächlichen Mitteleinsatzes vermittelt habe.

Flughafen Dresden nur zu 25 Prozent ausgelastet

Die beiden sächsischen Flughäfen können zusammen jährlich etwa sieben Millionen Passagiere abfertigen. Im Jahr 2024 war der Flughafen Leipzig/Halle gemessen an dieser Kapazität zu rund 63 Prozent ausgelastet. In Dresden lag die Auslastung dagegen lediglich bei etwa 25 Prozent.

Selbst vor der Corona-Pandemie erreichte der Flughafen Dresden nach Angaben der Prüfer höchstens rund die Hälfte seiner möglichen Passagierkapazität. Gleichzeitig schreibt die Unternehmensgruppe seit Jahren Verluste. Seit 2023 ist nach Darstellung des Rechnungshofs auch das operative Ergebnis negativ.

Der Wirtschaftsprüfer der Flughafengesellschaft warnte bereits im Jahresabschluss 2023, dass das Eigenkapital des dauerhaft defizitären Dresdner Flughafens innerhalb weniger Jahre aufgebraucht sein könnte.

Der Rechnungshof kritisiert, dass das Engagement des Freistaates für den Flughafen Dresden über Jahre nicht mit ausreichenden Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen und Bedarfsanalysen unterlegt worden sei.

Millionen zugesagt – Landtag später informiert

Besonders brisant ist eine Unterstützungserklärung aus dem Juni 2024. Sachsen und Sachsen-Anhalt sagten den kreditgebenden Banken darin ein weiteres finanzielles Engagement für die Mitteldeutsche Flughafen AG zu.

Sachsen stellte für August 2025 einen Zuschuss von 40 Millionen Euro und für Februar 2026 weitere 37 Millionen Euro in Aussicht. Der entsprechende Haushaltsentwurf wurde dem neu gewählten Landtag erst im März 2025 vorgelegt.

Nach Auffassung des Rechnungshofs hätte der Landtag bereits vor der Erklärung beteiligt werden sollen. Die Zusage habe faktisch die Entscheidungsfreiheit des später gewählten Parlaments eingeschränkt, obwohl allein der Landtag über Haushaltsmittel entscheiden darf.

Im Januar 2026 gaben Sachsen und Sachsen-Anhalt eine weitere Unterstützungserklärung über insgesamt 98 Millionen Euro ab. Davon sollen laut Rechnungshof rund 86,4 Millionen Euro durch den Freistaat Sachsen getragen werden.

Finanzministerium weist Kritik zurück

Das Sächsische Finanzministerium verteidigt sein Vorgehen. Die Entwicklung der Unternehmensstrategie sei Aufgabe des Vorstandes der Aktiengesellschaft. Eine stärkere Einflussnahme des Freistaates könne nach Ansicht des Ministeriums Haftungsrisiken auslösen.

Die sogenannten Umfeldmaßnahmen seien außerdem korrekt außerhalb des zentralen Beteiligungskapitels veranschlagt worden. Die Unterstützungserklärung aus dem Jahr 2024 habe weder eine rechtliche Bindung noch eine faktische Vorwirkung auf den späteren Doppelhaushalt entfaltet.

Für den Flughafen Dresden verweist das Ministerium auf eine Studie, die dem Standort eine wichtige Bedeutung für die internationale Anbindung der Region bescheinigt. Zudem untersucht Porsche Consulting Möglichkeiten für einen günstigeren und wirtschaftlicheren Betrieb.

Der Rechnungshof lässt diese Argumente nicht gelten. Die angeführte Studie sei von der Flughafengesellschaft selbst beauftragt worden und könne fehlende Untersuchungen der vergangenen Jahre nicht ersetzen.

Rechnungshof fordert neue Gesamtstrategie

Die Prüfer werfen dem Finanzministerium vor, sich im Wesentlichen auf die Rolle eines Kapitalgebers zurückgezogen zu haben. Dadurch sei ein Kontroll- und Steuerungsdefizit entstanden.

Sachsen benötige als Hauptgesellschafter eine nachvollziehbare Gesamtstrategie für die Flughafengruppe. Diese müsse wirtschaftliche Ziele, künftige Risiken und sämtliche Belastungen für den Staatshaushalt transparent darstellen.

Auch die Struktur der Unternehmensgruppe müsse überprüft werden. Angesichts hoher Überkapazitäten, gestrichener Flugverbindungen, rückläufiger Bevölkerungszahlen und weiterer Finanzhilfen dürfe das Land keine offenen Zahlungsverpflichtungen ohne klare Perspektive eingehen.

Quelle: Sächsischer Rechnungshof, Jahresbericht 2026, Band I