Die Lausitzer Fischwochen stellen Karsten Tusche als Teichwirt des Jahres 2026 vor. Der Geschäftsführer der Fischzucht Rietschen verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischer Teichwirtschaft, nachdem er sich bewusst gegen eine Laufbahn in der Forschung entschieden hatte.
Karsten Tusche kehrte an die Teiche zurück
Karsten Tusche wuchs zwischen Fischen, Teichen und den täglichen Aufgaben eines Familienbetriebes auf. Seine Eltern stammen aus Viereichen in der Oberlausitz. Im Jahr 1980 zogen sie nach Frankfurt an der Oder, wo sein Vater Helmut Tusche in der damaligen Satzfischproduktion arbeitete.
Nach der politischen Wende machte sich der Vater selbstständig und pachtete zunächst die Teichgruppe Hammersstadt. Karsten Tusche erlebte schon als Kind, wie viel Arbeit hinter einem verkaufsfertigen Karpfen steckt. Er lernte auch die wirtschaftlichen Risiken kennen, die Krankheiten, Hitzeperioden und schwankende Wasserstände mit sich bringen.
Trotzdem entschied er sich zunächst für die Wissenschaft. Nach dem Abitur begann Tusche 2001 ein Studium der Agrar- und Fischereiwissenschaften in Berlin. Anschließend promovierte er über Fischernährung. Am Fischereiforschungsinstitut in Büsum untersuchte er unter anderem, wie Forellen mit Kartoffelprotein gefüttert werden können.
Eine dauerhafte Forschungskarriere kam für ihn jedoch nicht infrage. Die Abhängigkeit von befristeten Projekten und wechselnden Finanzierungen entsprach nicht seinen Vorstellungen. Im Jahr 2011 kehrte er nach Rietschen zurück und stieg wenig später vollständig in den Familienbetrieb ein.
Fischzucht Rietschen bewirtschaftet 42 Teiche
Aus der Teichgruppe Hammersstadt entwickelte sich ein Betrieb mit mehreren Standorten. Später kamen Anlagen in Rietschen und Dauban hinzu. Seit 2017 gehört auch Reichwalde mit einer Fläche von rund 30 Hektar dazu.
Heute bewirtschaftet die Fischzucht Rietschen insgesamt 42 Teiche auf etwa 260 Hektar. In den Gewässern wachsen unter anderem Schleien, Barsche, Plötzen und Zander heran. Der wichtigste Fisch des Betriebes bleibt der Spiegelkarpfen.
Ein Karpfen benötigt drei bis vier Jahre, bevor er verkauft werden kann. Nach Angaben des Unternehmens produziert das Team jährlich rund 130 Tonnen Fisch. Seit 2024 ist Karsten Tusche Gesellschafter und Geschäftsführer der Fischzucht Rietschen. Sein Vater betreut weiterhin den Firmenteil bei Frankfurt an der Oder.
Zum Berufsalltag gehören nicht nur Fischbesatz, Fütterung und Abfischen. Auch die Pflege der Gewässer, Ufer und angrenzenden Landschaften nimmt viel Zeit in Anspruch. Zusätzliche Probleme bereiten Nutrias und Biber, die Vegetation fressen oder Uferbefestigungen beschädigen können.
Wassermangel belastet die Lausitzer Teiche
Besonders große Sorgen bereiten Tusche die Folgen des Klimawandels. Im Frühjahr 2026 lag der Wasserstand in den Teichen nach seinen Angaben teilweise etwa einen halben Meter unter dem üblichen Niveau. Solche Veränderungen könnten die Bewirtschaftung der Anlagen in den kommenden Jahren erschweren.
Für eine gesunde Teichlandschaft ist nach Einschätzung des Fischwirtes ein ausreichender Schilfgürtel notwendig. Er bietet Fischen und Wasservögeln Schutz. In einigen Anlagen liege der Anteil des Schilfs jedoch nur noch bei weniger als drei Prozent der Teichfläche.
Tusche fordert deshalb einen ausgewogeneren Umgang mit geschützten Tierarten. Den Schutz des Bibers stellt er nicht grundsätzlich infrage. Er warnt jedoch davor, Schäden an Teichen und Lebensräumen anderer Arten zu unterschätzen.
Hofladen verkauft Karpfen und Räucherfisch
Einen Teil ihrer Produktion verkauft die Fischzucht Rietschen im eigenen Hofladen. Dort steht das gesamte Team regelmäßig hinter der Verkaufstheke. Neben frischem Fisch bietet der Betrieb auch Räucherfisch an.
Der direkte Kontakt zu den Kunden ist für Tusche ein wichtiger Teil seiner Arbeit. Dabei geht es häufig um die Bewirtschaftung der Teiche, die Herkunft der Fische oder die Zubereitung eines Karpfens. Ein Teil des Fangs wird eingefroren, sodass das Angebot bis kurz vor Beginn des Sommers reicht. Anschließend beginnt die Wartezeit bis zum nächsten Abfischen im Herbst.
Weitere Lieferungen gehen nach Mecklenburg-Vorpommern. Tusche weist mit einem Augenzwinkern darauf hin, dass sich hinter einem dort angebotenen Müritz-Fisch deshalb mitunter ein Fisch aus der Oberlausitz verbergen könne.
Lausitzer Fischwochen würdigen Lebenswerk
Karsten Tusche trägt den Titel Teichwirt des Jahres im Rahmen der Lausitzer Fischwochen. Die Veranstaltungsreihe findet 2026 vom 26. September bis zum 1. November statt und rückt die regionale Fischwirtschaft sowie die Lausitzer Teichlandschaften in den Mittelpunkt.
Der ausgezeichnete Fischwirt sieht seinen Beruf trotz der wachsenden Herausforderungen weiterhin als Traumberuf. Ob seine sieben und 13 Jahre alten Kinder den Familienbetrieb später übernehmen, lässt er offen. Sie sollen selbst entscheiden, welchen beruflichen Weg sie einschlagen möchten.
Für Tusche steht fest, dass eine Übergabe nur dann sinnvoll wäre, wenn die Fischzucht auch langfristig eine wirtschaftliche Perspektive besitzt. Sinkende Wasserstände, steigende Anforderungen und Schäden an den Teichanlagen werden deshalb darüber mitentscheiden, wie die traditionsreiche Fischwirtschaft in der Oberlausitz fortgeführt werden kann.
Quelle: Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien mbH / Lausitzer Fischwochen