Die Gläubiger der insolventen Mauritius-Brauerei haben einem möglichen Verkauf des Zwickauer Traditionsunternehmens grundsätzlich zugestimmt. Damit kann der Insolvenzverwalter die Verhandlungen mit möglichen Investoren fortsetzen und eine Übernahme vorbereiten. Verkauft ist die Brauerei allerdings noch nicht.
Gläubiger geben Verkauf der Brauerei frei
Die Entscheidung fiel bei einer Gläubigerversammlung am Dienstag, dem 1. September 2026, im Amtsgericht Chemnitz. Nach Angaben des Insolvenzverwalters Henry Girbig stimmten die Gläubiger einer Veräußerung des Unternehmens grundsätzlich zu. Der Beschluss schafft die notwendige Grundlage für einen Verkauf im laufenden Insolvenzverfahren.
Die geplante Veräußerung soll den Brauereibetrieb, die Immobilien und die vorhandenen Produktionsanlagen umfassen. Als Mindestpreis stehen drei Millionen Euro im Raum. Welche Forderungen der Gläubiger damit erfüllt werden können, hängt vom weiteren Verlauf des Verfahrens und den endgültigen Vertragsbedingungen ab.
Noch ist nicht bekannt, wer die Mauritius-Brauerei übernehmen könnte. Auch ein verbindlicher Zeitpunkt für den Abschluss des Verkaufs wurde bisher nicht genannt. Nach Angaben aus dem Insolvenzverfahren gibt es mehrere Interessenten und laufende Gespräche. Namen werden während der Verhandlungen nicht veröffentlicht.
Produktion in Zwickau läuft weiter
Für die Beschäftigten und Kunden ändert sich zunächst nichts. Die Produktion am Standort in der Talstraße wird fortgesetzt. Auch der Verkauf der Zwickauer Bierspezialitäten läuft nach Angaben des Unternehmens ohne Einschränkungen weiter. Gegenwärtig beschäftigt die Mauritius-Brauerei 51 Mitarbeiter.
Das Unternehmen hatte bereits nach Beginn des Insolvenzverfahrens erklärt, den Geschäftsbetrieb vollständig aufrechterhalten zu wollen. Diese Fortführung ist für die Suche nach einem Käufer von großer Bedeutung. Eine arbeitende Brauerei mit bestehenden Lieferbeziehungen, bekannten Produkten und funktionsfähigen Anlagen lässt sich besser übertragen als ein stillgelegter Betrieb.
Die Zustimmung der Gläubiger ist deshalb ein wichtiger Schritt, aber noch keine endgültige Rettung. Erst wenn ein Investor einen verbindlichen Kaufvertrag unterzeichnet und die Finanzierung gesichert ist, kann von einer abgeschlossenen Übernahme gesprochen werden. Bis dahin bleibt offen, welche Pläne ein neuer Eigentümer für den Standort und die Belegschaft verfolgt.
Insolvenzverfahren läuft seit dem Frühjahr
Das Amtsgericht Chemnitz ordnete am 17. März 2026 die vorläufige Insolvenzverwaltung über das Vermögen der Mauritius Brauerei GmbH an. Das reguläre Insolvenzverfahren läuft seit Juni. Rechtsanwalt Henry Girbig von der Tiefenbacher Insolvenzverwaltung begleitet das Verfahren.
Die Brauerei geriet in einem schwierigen Marktumfeld unter wirtschaftlichen Druck. Steigende Kosten für Energie, Rohstoffe, Verpackungen und Logistik belasten zahlreiche Getränkehersteller. Gleichzeitig sinkt der Bierabsatz seit Jahren. Besonders kleinere und mittelständische Brauereien können höhere Kosten häufig nur begrenzt an den Handel und die Verbraucher weitergeben.
Trotz der finanziellen Schwierigkeiten gilt der Betrieb als grundsätzlich fortführungsfähig. Die vorhandenen Produktionsanlagen, die regional bekannte Marke und die Vertriebsbeziehungen erhöhen die Aussichten auf eine Übernahme. Der laufende Betrieb gibt einem möglichen Investor zudem die Möglichkeit, unmittelbar an bestehende Strukturen anzuknüpfen.
Traditionsmarke ist eng mit Zwickau verbunden
Die Brautradition am Standort reicht bis in das Jahr 1859 zurück. Der Name Mauritius verweist auf den Schutzpatron der Stadt Zwickau. Das Unternehmen versteht seine Biere deshalb nicht nur als Lebensmittel, sondern auch als Botschafter der Region.
Zum Sortiment gehören unter anderem Pilsener, Urtyp Export, Bock Dunkel, „Schwarzes Gold“, Winterbier und das „Trabi-Bier Deluxe“. Darüber hinaus produziert die Brauerei Getränke für Handelspartner. Diese Mischung aus eigenen Marken und Auftragsproduktion könnte für mögliche Käufer wirtschaftlich interessant sein.
Für Zwickau geht es bei der geplanten Übernahme nicht allein um 51 Arbeitsplätze. Die Brauerei gehört seit Jahrzehnten zum wirtschaftlichen und kulturellen Erscheinungsbild der Stadt. Sie unterstützt nach eigenen Angaben Vereine, Veranstaltungen, Sport und regionale Projekte. Ein dauerhafter Erhalt des Betriebs wäre deshalb auch für das gesellschaftliche Leben in der Region von Bedeutung.
Mit der Zustimmung der Gläubiger ist nun eine wesentliche Hürde genommen. Entscheidend bleibt jedoch, ob die laufenden Verhandlungen zu einem belastbaren Vertrag führen. Bis dahin produziert die Mauritius-Brauerei weiter und wartet auf eine Entscheidung über ihre künftige Eigentümerstruktur.
Quellen
Amtsgericht Chemnitz, Insolvenzverfahren über das Vermögen der Mauritius Brauerei GmbH Insolvenzverwalter Henry Girbig, Tiefenbacher Insolvenzverwaltung Mauritius Brauerei GmbH, Unternehmensinformationen und Mitteilung zur Betriebsfortführung