Für die Autohaus Gotthard König GmbH und ihre Tochtergesellschaft wurde ein vorläufiges Insolvenzverfahren angeordnet. Rund 1.200 Arbeitsplätze an etwa 84 Standorten sind davon betroffen, während der Geschäftsbetrieb zunächst vollständig weiterläuft.
Autohaus König meldet Insolvenz an
Das Amtsgericht Charlottenburg hat für die Autohaus Gotthard König GmbH in Berlin und ihre Tochtergesellschaft Autohaus König GmbH in Teltow jeweils ein vorläufiges Insolvenzverfahren angeordnet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Berliner Rechtsanwalt Rainer Eckert bestellt.
Der Antrag für die Berliner Gesellschaft ging nach Medienberichten bereits am 26. August 2026 beim Gericht ein. Am 1. September bestellte das Amtsgericht den vorläufigen Insolvenzverwalter und setzte einen vorläufigen Gläubigerausschuss ein. Die gerichtliche Bekanntmachung folgte am 2. September.
Nach Angaben der Geschäftsführung wurde bis zuletzt nach einer außergerichtlichen Lösung gesucht. Diese Bemühungen führten jedoch nicht zu einem tragfähigen Ergebnis. Das Verfahren soll nun eine geordnete Restrukturierung ermöglichen.
Die Autohausgruppe gehört zu den größten Fahrzeughändlern Deutschlands. Sie bezeichnet sich als größten deutschen Renault-Vertragshändler und als ersten deutschen Händler der Marke Dacia.
Rund 1.200 Beschäftigte sind betroffen
Die Unternehmensgruppe beschäftigt rund 1.200 Mitarbeiter an etwa 84 Standorten. Das Filialnetz erstreckt sich über Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Mehr als 20 Standorte liegen allein in Sachsen-Anhalt und Thüringen. In Sachsen-Anhalt betreibt die Gruppe Autohäuser in Halle, Magdeburg, Dessau-Roßlau, Haldensleben, Heyrothsberge, Merseburg, Schönebeck und Zerbst.
In Thüringen gehören zehn Standorte zum Unternehmen. Dazu zählen drei Autohäuser in Erfurt sowie Niederlassungen in Jena, Gera und Suhl. In Sachsen ist Autohaus König unter anderem im Raum Leipzig vertreten.
Die Beschäftigten wurden nach Unternehmensangaben über den Insolvenzantrag informiert. Ihre Gehälter sind während des vorläufigen Verfahrens gesetzlich abgesichert. Die August-Löhne sollen rückwirkend über das Insolvenzgeld ausgezahlt werden.
Welche Standorte langfristig erhalten bleiben, steht noch nicht fest. Geschäftsführung, Gesellschafterfamilie und Insolvenzverwalter arbeiten gemeinsam mit Herstellern und Banken an einem Fortführungskonzept. Ziel ist es, möglichst viele Filialen und Arbeitsplätze zu sichern.
Verkauf und Werkstätten laufen weiter
Für Kunden soll sich zunächst nichts ändern. Verkauf, Werkstätten, Ersatzteilversorgung und Serviceleistungen werden nach Angaben des Insolvenzverwalters an allen Standorten im gewohnten Umfang fortgeführt.
Bereits erteilte Reparaturaufträge und laufende Fahrzeugbestellungen sollen planmäßig bearbeitet werden. Das gilt auch für Wartungsarbeiten und die Versorgung mit Ersatzteilen.
Besondere Aufmerksamkeit gilt Kunden, die bereits Anzahlungen für Fahrzeuge geleistet haben. Die Geschäftsführung und der Insolvenzverwalter wollen gemeinsam mit den Herstellerpartnern nach individuellen Lösungen suchen.
Renault erklärte, Kunden könnten weiterhin auf das bundesweite Renault- und Dacia-Händlernetz zurückgreifen. Service-, Wartungs- und Reparaturarbeiten seien grundsätzlich auch bei anderen autorisierten Partnerbetrieben möglich.
Die Autohausgruppe führt Fahrzeuge von 18 Marken. Zum Angebot gehören unter anderem Renault, Dacia, Opel, Fiat, Jeep, Citroën, Kia, BYD und Suzuki. Der Fahrzeugbestand umfasst nach Unternehmensangaben rund 12.000 Autos.
Wandel im Autohandel belastet König
Als Ursache der Zahlungsunfähigkeit nennt der Insolvenzverwalter den tiefgreifenden Strukturwandel im Automobilhandel. Die Umstellung vom Verbrennungsmotor auf den Elektroantrieb verändert Geschäftsmodelle, Werkstätten und Vertriebsstrukturen.
Hinzu kommen ein wachsender Wettbewerb durch neue Anbieter und ein stagnierender Markt für Neuwagen. Diese Entwicklung belastet viele Händler, weil hohe Kosten für Standorte, Personal und Fahrzeugbestände finanziert werden müssen.
Der Präsident des Thüringer Kfz-Landesverbandes, Helmut Peter, sieht außerdem das schnelle Wachstum der König-Gruppe als möglichen Grund für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Mit neuen Standorten müssten auch die Beziehungen zu Herstellern und Importeuren professionell weiterentwickelt werden.
Renault und der Mehrmarkenkonzern Stellantis hatten nach eigenen Angaben gemeinsam mit der Geschäftsführung und weiteren Finanzierungspartnern nach einer Lösung außerhalb der Insolvenz gesucht. Eine nachhaltige Gesamtlösung kam jedoch nicht zustande.
Beide Hersteller wollen die Restrukturierung begleiten. Dabei geht es um die Fortsetzung der Händlerverträge, die Finanzierung des Fahrzeugbestandes und die langfristige Zukunft der einzelnen Standorte.
Berliner Werkstatt wurde zum Großunternehmen
Die Geschichte von Autohaus König begann 1966. Gotthard König eröffnete damals eine freie Werkstatt in West-Berlin. Seit 1980 arbeitet das Unternehmen als Vertragspartner von Renault.
Aus dem kleinen Reparaturbetrieb entwickelte sich innerhalb von sechs Jahrzehnten eine der größten deutschen Autohandelsgruppen. Durch Übernahmen und neue Filialen wuchs das Unternehmen besonders in Ostdeutschland.
Autohaus König engagiert sich zudem als Sponsor regionaler Sportvereine. In Thüringen ist die Gruppe Hauptsponsor des Fußball-Regionalligisten FC Carl Zeiss Jena. Der Vertrag läuft nach Vereinsangaben bis zum Sommer 2028. Ob das Engagement während der Sanierung fortgesetzt wird, ist offen.
Der vorläufige Insolvenzverwalter sieht trotz der wirtschaftlichen Probleme eine Perspektive für das Unternehmen. Die große Zahl an Standorten, die Herstellerpartnerschaften und die erfahrene Belegschaft sollen als Grundlage für die Restrukturierung dienen.
Ob alle rund 84 Filialen erhalten bleiben können, wird sich erst im weiteren Verlauf des Verfahrens zeigen. Bis ein Fortführungskonzept vorliegt, bleiben die Arbeitsplätze und die langfristige Zukunft der Standorte unsicher.
Quelle: Amtsgericht Charlottenburg, Autohaus König, vorläufiger Insolvenzverwalter Rainer Eckert