Berlin gibt jährlich rund eine Milliarde Euro für die Unterbringung und Versorgung Geflüchteter aus. Hotelplätze gehören dabei zu den teuersten Lösungen. Eine Auswertung von Senatsunterlagen zeigt ein erhebliches Sparpotenzial, wenn das Land stärker auf günstigere Unterkünfte setzt.
Hotelplätze kosten bis zu 60 Euro täglich
Für einen Platz in einem Berliner Hotel oder Hostel fallen nach Angaben des Senats täglich etwa 40 bis 60 Euro an. Verpflegung und weitere Dienstleistungen können zusätzliche Kosten verursachen. Die zehn teuersten Flüchtlingsunterkünfte der Stadt waren demnach Hotels.
Ende 2025 lebten rund 2.800 Geflüchtete in solchen Betrieben. Die gebuchten Zimmerkontingente waren zu diesem Zeitpunkt nahezu vollständig belegt.
Wohncontainer sind deutlich günstiger
Die reinen Unterbringungskosten in Wohncontainern lagen laut Senatsdaten durchschnittlich bei etwa fünf Euro pro Platz und Tag. Für modulare Unterkünfte wurden rund 14 Euro ausgewiesen. Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe bezifferte die Gesamtkosten eines Containerplatzes später auf ungefähr 20 Euro täglich.
Die Beträge sind nur eingeschränkt vergleichbar, weil Hotels, Container und feste Gebäude unterschiedliche Leistungen enthalten. Dennoch ergibt sich ein deutlicher Kostenunterschied. Nach Berechnungen des rbb könnte Berlin jährlich mindestens 50 Millionen Euro sparen, wenn mehr günstige Unterkünfte zur Verfügung stünden.
Berlin stoppte weitere Containerstandorte
Die schwarz-rote Koalition entschied, keine zusätzlichen Containerstandorte zu eröffnen. Von dem Stopp war ein Programm mit rund 3.300 vorgesehenen Plätzen betroffen. Besonders die CDU hatte sich gegen weitere Standorte ausgesprochen.
Kiziltepe wollte hingegen mehr dezentrale Unterkünfte schaffen und große Sammelunterkünfte verkleinern. Neben besseren Bedingungen für die Bewohner führte sie auch die deutlich geringeren Kosten an.
Tegel bindet weitere Millionen
Parallel setzt Berlin weiterhin auf große Standorte. Für ein neues Ankunftszentrum in Tegel mit rund 2.600 Plätzen wurde ein Vertrag über mehr als fünf Jahre geschlossen. Das vereinbarte Entgelt liegt bei rund 85,5 Millionen Euro.
Auch bei kleineren Einrichtungen schwanken die Kosten erheblich. Während für einen Standort in Lichtenberg etwa zehn Euro pro Platz und Tag angesetzt wurden, waren es in einer Unterkunft in Charlottenburg-Wilmersdorf fast 29 Euro. Hinzu kamen dort Sanierungskosten von rund neun Millionen Euro.
Kein Nachweis für Korruption
Die hohen Ausgaben und die Entscheidung gegen weitere Containerstandorte werfen Fragen nach Wirtschaftlichkeit und Transparenz auf. Ein Nachweis für Korruption, rechtswidrige Vergaben oder persönliche Bereicherung liegt jedoch nicht vor.
Auch die genannten 50 Millionen Euro sind kein festgestellter Schaden, sondern eine Schätzung des möglichen Sparpotenzials. Entscheidend ist nun, ob Senat und Abgeordnetenhaus die Gesamtkosten der verschiedenen Unterkunftsarten nach einheitlichen Kriterien prüfen.
Quelle: Unterlagen des Berliner Senats für das Abgeordnetenhaus; Senatsverwaltung für Soziales Berlin