Ermittler haben nach dem vereitelten Drohnen-Anschlag auf den Flughafen Leipzig/Halle offenbar zwei Tatverdächtige identifiziert. Nach übereinstimmenden Medienberichten handelt es sich um einen gebürtigen Russen und einen aus Belarus stammenden Mann, die lettische beziehungsweise russische Pässe besitzen sollen.

Zwei Verdächtige nach Drohnen-Anschlag

Die Ermittlungsbehörden gehen nach Recherchen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR inzwischen konkreten Hinweisen auf zwei Männer nach. Einer der Tatverdächtigen soll in Russland geboren worden sein und einen lettischen Pass besitzen. Der zweite Mann soll aus Belarus stammen und über einen russischen Pass verfügen.

Namen, Alter und derzeitige Aufenthaltsorte der Männer wurden bislang nicht veröffentlicht. Unklar ist außerdem, ob bereits Haftbefehle vorliegen oder die Verdächtigen festgenommen wurden. Die Bundesanwaltschaft und das Bundeskriminalamt haben die Angaben zu den Personalien bisher nicht öffentlich bestätigt.

Die Ermittlungen werden im Auftrag des Generalbundesanwalts geführt. Die Behörden prüfen den Verdacht des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr.

DNA-Spuren führen offenbar zu Verdächtigen

Bei der Aufklärung spielt forensisches Material eine wichtige Rolle. Ermittler fanden an der Sprengvorrichtung und an weiteren Gegenständen DNA-Spuren unterschiedlicher Qualität. Eine dieser Spuren konnte Berichten zufolge einer bestimmten Person zugeordnet werden.

Ein weiterer sogenannter Spur-zu-Spur-Treffer soll eine Verbindung zu einem anderen Ermittlungsverfahren hergestellt haben. Eine zusätzliche DNA-Spur führte nach Informationen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung offenbar nach Litauen.

Die Täter hinterließen außerdem technische Spuren. An der Drohne befanden sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen ein Mobilfunkrouter und zwei SIM-Karten. Dadurch konnte das Fluggerät möglicherweise über das Mobilfunknetz gesteuert werden.

In einem Baum bei Kursdorf entdeckten Ermittler zudem eine Antenne. Sie könnte der Verstärkung des Steuersignals gedient haben. In der Umgebung fanden die Einsatzkräfte weitere Metallteile und Hinweise auf eine Explosion.

Sprengstoffdrohne traf Antonow-Flugzeug

Der Anschlagsversuch ereignete sich am Abend des 4. August 2026. Eine mit Sprengstoff beladene Drohne flog auf eine geparkte ukrainische Antonow-Frachtmaschine zu und traf nach der Auswertung von Überwachungsaufnahmen deren Tragfläche.

Der Sprengsatz löste sich beim Aufprall von der Drohne und fiel zu Boden. Er bestand den Ermittlungen zufolge aus einer mit rund 600 Gramm Semtex gefüllten Metalldose. Ein defekter Zünder verhinderte offenbar die Explosion.

Die Tragfläche des Frachtflugzeugs war mit Treibstoff gefüllt. Eine Detonation hätte deshalb erhebliche Schäden verursachen und Menschenleben gefährden können. Flughafenmitarbeiter entdeckten die beschädigte Drohne mehrere Stunden nach dem Aufprall im Sicherheitsbereich.

Zehn Tage später fanden Ermittler auf einem Feld in Kabelsketal weitere Teile einer Drohne. In unmittelbarer Nähe wurde eine kleinere Menge eines hochexplosiven Sprengstoffs entdeckt. Die Behörden gehen deshalb davon aus, dass mindestens zwei präparierte Fluggeräte zum Einsatz kamen.

Ein zunächst vermuteter Zusammenstoß zwischen einer weiteren Drohne und einem DHL-Frachtflugzeug hat sich dagegen nicht bestätigt. Nach dem aktuellen Ermittlungsstand dürfte das Flugzeug mit einem Vogel kollidiert sein.

Bundesregierung macht Russland verantwortlich

Die Bundesregierung sieht Russland hinter dem versuchten Anschlag. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt erklärte, polizeiliche Ermittlungen, bekannte Tatmuster und nachrichtendienstliche Erkenntnisse belegten zusammengenommen eine russische Verantwortung.

Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden könnten russische Geheimdienste sogenannte Wegwerfagenten eingesetzt haben. Dabei erhalten angeworbene Personen begrenzte Einzelaufträge, ohne unmittelbar in eine geheimdienstliche Organisation eingebunden zu sein.

Die Ermittler gehen von einer professionell vorbereiteten und arbeitsteilig ausgeführten Operation aus. Die technische Ausstattung der Drohnen, die verwendeten Sprengstoffe und die hinterlassenen Spuren sollen bekannten Mustern russischer Sabotageaktionen entsprechen.

Die Bundesregierung betrachtet den Vorfall nicht als isoliertes Ereignis. Dobrindt warnte vor weiteren hybriden Angriffen auf deutsche Infrastruktur. Flughäfen, Bahnstrecken, Rüstungsbetriebe und Energieanlagen gelten als mögliche Ziele solcher Operationen.

Russland weist Anschuldigungen zurück

Als Reaktion auf den Anschlagsversuch will die Bundesregierung das russische Generalkonsulat in Bonn schließen. Auch der Vertrag für das Russische Haus in Berlin soll beendet werden. Geplant sind zudem strengere Einreisekontrollen und weitere Maßnahmen gegen die russische Schattenflotte.

Deutschland will sich auf europäischer Ebene für zusätzliche Sanktionen gegen russische Verantwortliche einsetzen. Außerdem bestellte das Auswärtige Amt den russischen Botschafter ein.

Russland weist jede Beteiligung zurück. Vertreter Moskaus bezeichneten die deutschen Anschuldigungen als unbegründet und kündigten Gegenmaßnahmen an.

Die Identifizierung der beiden Tatverdächtigen könnte den Ermittlern nun weitere Erkenntnisse über die Vorbereitung des Angriffs und mögliche Auftraggeber liefern. Solange die Bundesanwaltschaft keine Einzelheiten veröffentlicht, gelten die Männer als tatverdächtig und damit als unschuldig.

Quelle: Süddeutsche Zeitung, NDR, WDR, ARD-Hauptstadtstudio, ZDF, Die Zeit