Für viele Berliner Auszubildende beginnt das neue Ausbildungsjahr mit einer schwierigen Wohnungssuche. Niedrige Vergütungen treffen auf hohe Mieten, sodass selbst ein einfaches Zimmer oft kaum bezahlbar ist.

Nach Angaben der Berliner Industrie- und Handelskammer suchen zwei von drei Ausbildungsanfängern eine eigene Wohnung. Im Jahr 2024 betraf das rund 9.300 junge Menschen. Neben dem geringen Einkommen erschweren befristete Ausbildungsverträge die Suche, weil manche Vermieter diese als finanzielles Risiko betrachten.

WG-Zimmer kostet häufig mindestens 600 Euro

Die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung liegt im ersten Ausbildungsjahr bei knapp 800 Euro. Für ein Berliner WG-Zimmer werden nach Angaben der Arbeitsverwaltung jedoch häufig mindestens 600 Euro verlangt.

Für Lebensmittel, Fahrkarten und andere Lebenshaltungskosten bleibt damit nur wenig Geld. Besonders schwierig ist die Situation für junge Menschen, deren Eltern nicht in Berlin oder im unmittelbaren Umland wohnen.

Neues Wohnheim bietet 154 Plätze

Ein neues kommunales Azubiwohnheim in Lichtenberg soll erste Entlastung bringen. Dort stehen 154 Plätze zur Verfügung. Die Miete beträgt 340 Euro pro Person.

Der Bedarf übersteigt das Angebot deutlich. Auf jeden Wohnplatz kamen acht Bewerber. Die Vergabe erfolgte deshalb durch ein Losverfahren.

Berlin plant außerdem die Gründung eines Azubiwerks nach dem Vorbild des Studierendenwerks. Es soll bezahlbaren Wohnraum vermitteln und Auszubildende bei beruflichen sowie privaten Problemen beraten. Für das Azubiwerk und weitere Wohnheime sind rund 14 Millionen Euro vorgesehen.

Unternehmen fürchten Nachteile im Wettbewerb

Auch Berliner Unternehmen warnen vor den wirtschaftlichen Folgen. Bettina von Streit, Standortleiterin des Pharmakonzerns Bayer, bezeichnete die angespannte Wohnsituation als mögliches Standort-Risiko.

Unternehmen könnten derzeit vor allem Auszubildende gewinnen, die noch bei ihren Eltern wohnen oder aus dem Umland pendeln. Die Suche nach Nachwuchskräften aus anderen Regionen werde dagegen erschwert.

Neben weiteren Wohnheimen werden deshalb auch Werkswohnungen als mögliche Lösung diskutiert. Schnelle Entlastung ist jedoch kaum zu erwarten, da neue Unterkünfte zunächst geplant und gebaut werden müssen.

Quelle: [rbb24, 31. August 2026](https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2026/08/azubis-wohnen-berlin-teuer-azubiwerk-wohnheim.html?utm_source=chatgpt.com)