In Baruth/Mark prallen wirtschaftliche Hoffnungen und Sorgen um das Grundwasser aufeinander. Red Bull und Rauch Fruchtsäfte wollen den bestehenden Produktionsstandort deutlich erweitern, während Bürger und Umweltverbände angesichts der Trockenheit aktuelle Untersuchungen und mehr Transparenz verlangen.

Die Auseinandersetzung gewinnt nach einem außergewöhnlich warmen und trockenen Sommer zusätzliche Brisanz. Brandenburg erhielt nach vorläufigen Angaben des Deutschen Wetterdienstes nur etwa 78 Prozent der sonst üblichen Niederschlagsmenge. Gleichzeitig wurden im Land neue Hitzerekorde gemessen.

Produktionscampus soll Hunderte Stellen schaffen

Red Bull und Rauch übernahmen 2022 das frühere Werk der Brandenburger Urstromquelle. Rund 200 Arbeitsplätze blieben nach Angaben der Unternehmen erhalten. Nun soll aus dem Abfüllbetrieb ein größerer Produktionscampus mit zusätzlichen Abfüllanlagen, einem Dosenwerk und erweiterten Logistikflächen entstehen.

Die Unternehmen stellen bis zu 400 neue Arbeitsplätze in Aussicht. Damit könnte die Beschäftigtenzahl am Standort auf ungefähr 600 steigen. Außerdem sollen kürzere Transportwege jährlich Tausende Lastwagenfahrten vermeiden. Für das Gesamtprojekt ist eine Investition in dreistelliger Millionenhöhe vorgesehen.

Für die Erweiterung sollen rund 17 Hektar Wald gerodet und bebaut werden. Die Unternehmen kündigen als Ausgleich neue Wald- und Grünflächen auf mehr als 100 Hektar an. Ein großer Teil davon soll im unmittelbaren Umfeld des Standortes entstehen.

Kritiker verlangen aktuelle Wasserdaten

Im Mittelpunkt des Widerstands steht die Frage, wie viel Grundwasser dauerhaft entnommen werden kann. Nach Angaben des Rundfunks Berlin-Brandenburg darf die Getränkeindustrie jährlich bis zu zwei Millionen Kubikmeter Wasser aus einer mehr als 100 Meter tief liegenden Quelle nutzen. Diese Menge entspreche 92 Prozent des jährlichen Entnahmevolumens am betreffenden Wasserwerk.

Das Ressourcen-Bündnis Baruth hält die bisherige Datengrundlage für unzureichend. Kritiker verweisen darauf, dass ein wesentliches Gutachten zum Grundwasserbestand aus dem Jahr 2006 stammt. Es könne die Folgen des Klimawandels, längere Trockenperioden und den steigenden Nutzungsdruck nicht angemessen abbilden. Mehr als 27.000 Menschen unterstützten bereits eine Petition gegen die Erweiterung in der bislang geplanten Form.

Unternehmen widersprechen den Warnungen

Die Betreiber erklären dagegen, dass der Ausbau keine Erhöhung der bereits genehmigten Wasserentnahme erfordere. Durch modernere Anlagen solle die Produktionsmenge steigen, ohne mehr Grundwasser als beim früheren Betrieb der Brandenburger Urstromquelle zu fördern.

Nach Unternehmensangaben liegt die derzeitige Entnahme unter der genehmigten Menge von 6.500 Kubikmetern am Tag. Auch bei voller Auslastung solle lediglich das frühere Entnahmeniveau erreicht werden. Eine neue kommunale Kläranlage soll zudem aufbereitetes Wasser für industrielle Abläufe nutzbar machen. Ihre Inbetriebnahme ist für 2028 vorgesehen.

Das Landesamt für Umwelt sieht nach derzeitigem Stand keine Übernutzung. Die Vorräte im Einzugsgebiet seien stabil und ausreichend. Nach Darstellung der Betreiber werde das genutzte Tiefengrundwasser zudem durch eine wasserhemmende Schicht vom oberflächennahen Grundwasser getrennt. Kritiker bezweifeln jedoch, dass diese Einschätzung ohne eine umfassende Aktualisierung der Daten langfristig trägt.

Gericht stoppte den ersten Bebauungsplan

Der erste Bebauungsplan für die Erweiterung wurde im Februar 2026 vom Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg vorläufig außer Vollzug gesetzt. Entscheidend war dabei kein Urteil über den Wasserverbrauch, sondern ein Fehler bei der Festsetzung des Industriegebietes. Der Plan enthielt keine Fläche ohne Lärmbeschränkung und entsprach deshalb nach Ansicht des Gerichts nicht den gesetzlichen Vorgaben für ein Industriegebiet.

Die Stadt begann daraufhin ein neues Verfahren. Das Areal soll nun als Sondergebiet „Produktionscampus Getränke“ ausgewiesen werden. Dort wären die Herstellung und Abfüllung von Getränken sowie die Produktion von Verpackungen, Lagerung und Logistik zulässig. Eine Entscheidung der Stadtverordneten könnte im September fallen.

Entscheidung reicht über Baruth hinaus

Der Streit berührt eine grundsätzliche Frage für den Industriestandort Brandenburg: Wie lassen sich neue Arbeitsplätze und Investitionen sichern, wenn Wasser durch Hitze und geringe Niederschläge zu einer immer wertvolleren Ressource wird?

Eine tragfähige Entscheidung benötigt deshalb nachvollziehbare Entnahmemengen, aktuelle hydrologische Daten und verbindliche Schutzmechanismen für die Bevölkerung. Erst wenn diese Grundlagen öffentlich überprüfbar sind, kann aus dem Konflikt zwischen Wasser und Wirtschaft ein belastbarer Kompromiss entstehen.

Quelle: Stadt Baruth/Mark, Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg, Landesamt für Umwelt Brandenburg, Produktionscampus Baruth, Ressourcen-Bündnis Baruth, BUND Brandenburg, Rundfunk Berlin-Brandenburg, Deutscher Wetterdienst