Am Kraftwerksstandort Boxberg hat der Bau der GigaBattery Boxberg 400 begonnen. Der Großspeicher soll Strom aus Wind- und Solaranlagen aufnehmen und bei Bedarf wieder in das Netz einspeisen, wodurch die Lausitz eine zentrale Rolle im Energiesystem der Zukunft übernehmen könnte.

GigaBattery entsteht auf ehemaligem Kraftwerksgelände

Die LEAG Clean Power GmbH, der Speicherhersteller HyperStrong und Siemens Energy haben mit einem symbolischen ersten Spatenstich den Bau des Großprojekts gestartet. Die Anlage entsteht auf einer sechs Hektar großen, sanierten Fläche des ehemaligen Werks II am Kraftwerksstandort Boxberg.

Auf dem Gelände standen früher Kühltürme des stillgelegten Altkraftwerks. Nach deren Rückbau und der vollständigen Beräumung der Fläche entsteht dort nun eine neue energiewirtschaftliche Infrastruktur.

Die GigaBattery erhält eine Anschlussleistung von 400 Megawatt und eine Speicherkapazität von 1.600 Megawattstunden. Diese Energiemenge entspricht rechnerisch dem Strombedarf von rund 640.000 Haushalten für einen Zeitraum von vier Stunden.

Batteriespeicher gleicht Schwankungen aus

Der Speicher soll überschüssigen Strom aufnehmen, wenn Windkraft- und Solaranlagen mehr Energie erzeugen als unmittelbar benötigt wird. Steigt der Verbrauch oder sinkt die Stromerzeugung, kann die gespeicherte Energie wieder in das Netz eingespeist werden.

Große Batteriespeicher reagieren innerhalb weniger Sekunden auf Schwankungen im Stromnetz. Sie können dadurch Regelenergie bereitstellen, Lastspitzen ausgleichen und dazu beitragen, erneuerbaren Strom effizienter zu nutzen.

Als Speichertechnik sind Lithium-Eisenphosphat-Batteriezellen vorgesehen. HyperStrong übernimmt die Lieferung der Batteriesysteme, die technische Integration und die schlüsselfertige Errichtung der Anlage.

Siemens Energy errichtet neue Schaltanlage

Parallel zum Batteriespeicher baut Siemens Energy eine gasisolierte 380-Kilovolt-Schaltanlage. Sie stellt die Verbindung zum Übertragungsnetz des Betreibers 50Hertz her.

Über diese Anlage sollen künftig sowohl der Batteriespeicher als auch weitere Windkraft- und Solaranlagen im Umfeld des Kraftwerksstandortes angebunden werden. Die vorhandenen leistungsfähigen Netzanschlüsse waren ein wesentlicher Grund für die Wahl des Standortes Boxberg.

Ein Teil des Speichervorhabens wird mit Mitteln aus dem europäischen Fonds für einen gerechten Übergang unterstützt. Die Inbetriebnahme ist nach bisheriger Planung zwischen Ende 2027 und Anfang 2028 vorgesehen.

LEAG plant Milliardeninvestitionen in der Lausitz

Die GigaBattery ist Bestandteil der sogenannten GigawattFactory der LEAG. Das Unternehmen will erneuerbare Stromerzeugung, Großspeicher und künftig auch wasserstofffähige Kraftwerke miteinander verbinden.

Bis 2030 sollen auf ehemaligen Bergbauflächen Windkraft- und Solaranlagen sowie flexible Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von etwa sieben Gigawatt entstehen. Für den Umbau der Lausitzer Energiewirtschaft stellt die LEAG Investitionen von mehr als zehn Milliarden Euro in Aussicht.

Nach Angaben des Unternehmens könnten durch neue Energieprojekte, Unternehmensansiedlungen und industrielle Folgeinvestitionen bis zu 3.000 zusätzliche Arbeitsplätze in der Lausitz entstehen. Ob sich diese Erwartungen vollständig erfüllen, hängt auch vom weiteren Ausbau der Stromnetze und von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab.

Boxberg bleibt bedeutender Energiestandort

Der Bau des Batteriespeichers zeigt, wie sich der traditionsreiche Kraftwerksstandort verändern soll. Wo über Jahrzehnte Braunkohle für die Stromversorgung genutzt wurde, sollen künftig auch erneuerbare Energien gespeichert und bedarfsgerecht bereitgestellt werden.

Neben Boxberg plant die LEAG in Jänschwalde einen noch größeren Batteriespeicher mit 1.000 Megawatt Leistung und 4.000 Megawattstunden Kapazität. Beide Standorte sollen gemeinsam ein großes Speicherzentrum für die Lausitz bilden und neue wirtschaftliche Perspektiven nach dem Kohleausstieg eröffnen.

Quelle: LEAG Clean Power GmbH, MDR Sachsen

Bildvorschlag: Visualisierung oder Baustellenaufnahme der GigaBattery Boxberg 400 auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände ohne erkennbare Personen und Firmenlogos.