Der nächste Jahrhundertsommer könnte kühl beginnen, und später könnte er Europa mit lang anhaltender Extremhitze treffen, weil trockene Böden weniger Energie durch Verdunstung aufnehmen.
Forschende der Universität Leipzig haben untersucht, wie ein außergewöhnlich heißer Sommer im heutigen Klima aussehen könnte. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal „Earth’s Future“.
Der Begriff Jahrhundertsommer beschreibt ein statistisch seltenes Extremereignis. Die Studie sagt keinen konkreten Sommer voraus.
Heiße Sommer waren bisher nicht ungewöhnlich
Die heißen Sommer der vergangenen Jahre waren aus meteorologischer Sicht nicht außergewöhnlich. Ein echter Jahrhundertsommer könnte die bisherigen Erfahrungen jedoch deutlich übertreffen.
Im vorindustriellen Klima zwischen 1850 und 1900 verteilte sich die außergewöhnliche Wärme stärker über die gesamte Jahreszeit. Im heutigen Klima könnte ein extremer Sommer vergleichsweise kühl starten und anschließend über Wochen sehr heiß bleiben.
Die Forschenden erwarten zudem eine stärkere Häufung heißer Tage. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit langer Hitzewellen.
Spätsommer erwärmt sich besonders stark
Der Spätsommer erwärmt sich nach den Ergebnissen stärker als der Frühsommer. Gleichzeitig sind die Böden tendenziell trockener als in früheren Jahrzehnten.
Diese Kombination verlängert den Zeitraum, in dem stabile Wetterlagen extreme Temperaturen auslösen können. Besonders der Hoch- und Spätsommer rückt damit in den Mittelpunkt der Hitzevorsorge.
Europa erwärmt sich im Sommer außerdem stärker als viele andere Regionen der Erde. Seltene Extremereignisse verschärfen die allgemein erwarteten Veränderungen zusätzlich.
Trockene Böden verstärken die Extremhitze
Feuchte Böden dämpfen hohe Temperaturen. Ein Teil der Sonnenenergie wird für die Verdunstung des gespeicherten Wassers benötigt.
Bei ausgetrockneten Böden fällt dieser kühlende Effekt weitgehend weg. Die verfügbare Energie erwärmt dann verstärkt die bodennahe Luft.
Die Forschenden sehen darin einen wichtigen Grund für besonders hohe Temperaturen. Trockene Böden können eine bestehende Hitzewelle verlängern und intensivieren.
Neue Methode simuliert seltene Sommer
Gewöhnliche Klimasimulationen enthalten nur wenige extreme Sommer. Das erschwert eine zuverlässige Untersuchung statistisch seltener Ereignisse.
Das Leipziger Team nutzte deshalb eine sogenannte Rare-event-sampling-Methode. Viele Simulationen starteten jeweils am Anfang des Sommers. Berechnungen ohne erkennbare Entwicklung zu extremer Hitze wurden frühzeitig beendet.
Dieses Verfahren sparte Rechenzeit und ermöglichte eine größere Zahl außergewöhnlich heißer Sommersimulationen. Die Forschenden verglichen dabei das heutige Klima mit den vorindustriellen Bedingungen.
Kommunen müssen sich auf späte Hitze einstellen
Die Ergebnisse sind für den Gesundheits- und Katastrophenschutz relevant. Kommunen müssen Hitzeaktionspläne stärker auf lange Belastungsphasen im Hoch- und Spätsommer ausrichten.
Besonders gefährdet sind ältere Menschen, chronisch Kranke, Kleinkinder und Personen ohne ausreichend kühle Wohnräume. Auch Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Schulen und Arbeitgeber benötigen belastbare Pläne für mehrtägige Hitzewellen.
Das Forschungsteam will nun die atmosphärische Zirkulation genauer untersuchen. Weitere Analysen sollen zeigen, welche Faktoren extreme Sommer im Mittelmeerraum und in Osteuropa bestimmen.
Quelle: Universität Leipzig, Pressemitteilung 2026/066 vom 18. August 2026; Fachjournal „Earth’s Future“