Bachforellen im Erzgebirge geraten durch wärmere Bäche zunehmend unter Druck. Ein deutsch-tschechisches Forschungsprojekt untersucht deshalb 80 Gewässerstandorte, weil hohe Wassertemperaturen Krankheiten und Sauerstoffmangel begünstigen können.
Bachforelle im Erzgebirge leidet unter steigenden Wassertemperaturen
Die Bachforelle ist auf kalte und sauerstoffreiche Fließgewässer angewiesen. Steigen die Temperaturen über längere Zeit, verschlechtern sich ihre Lebensbedingungen.
Besonders problematisch sind warme Phasen bei gleichzeitigem Niedrigwasser. Warmes Wasser enthält weniger Sauerstoff und kann die Tiere dazu zwingen, geeignetere Bereiche flussaufwärts oder flussabwärts zu suchen.
Die Folgen des Klimawandels treffen damit eine Fischart, die für die kalten Bäche des Erzgebirges besonders charakteristisch ist.
Nierenkrankheit PKD kann Bachforellen im Erzgebirge töten
Im Mittelpunkt der Untersuchungen steht auch die proliferative Nierenkrankheit PKD. Forscher wollen herausfinden, wie stark der Erreger die Bachforellenbestände im Erzgebirge bereits betrifft.
Entscheidend ist dabei die Wassertemperatur. Symptome der Krankheit treten nach Angaben der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt auf, wenn die Temperatur eines Gewässers mehrere Wochen am Stück über 15 Grad Celsius liegt.
Die Erkrankung kann für befallene Bachforellen tödlich enden. Längere Wärmeperioden könnten das Risiko deshalb künftig erhöhen.
Forscher untersuchen 80 Gewässer im Erzgebirge
Das Forschungsprojekt OREaqua läuft über drei Jahre und umfasst Gewässer auf deutscher sowie tschechischer Seite des Erzgebirges. An insgesamt 80 Standorten sollen Fischgemeinschaften und ihre Parasiten untersucht werden.
Die Wissenschaftler erfassen die gefangenen Fische, bestimmen ihre Art und messen sowie wiegen die Tiere. Anschließend werden sie wieder in das jeweilige Gewässer zurückgesetzt.
Bei einer Stichprobe von Bachforellen folgen zusätzlich parasitologische Untersuchungen. Genetische Verfahren und Umwelt-DNA sollen weitere Erkenntnisse über die Fischbestände liefern.
Klimawandel verändert Bäche im Erzgebirge
Die Forscher wollen nicht allein einzelne Fischbestände zählen. Sie untersuchen auch, welche Populationen durch steigende Temperaturen und Parasiten besonders gefährdet sind.
Das Erzgebirge eignet sich dafür als grenzüberschreitender Untersuchungsraum. Die Gewässer wurden in vergangenen Jahrzehnten durch industrielle Belastungen, Renaturierungen und zunehmend auch durch klimatische Veränderungen geprägt.
Aus den Ergebnissen sollen konkrete Maßnahmen für bessere Uferstrukturen und Flussbetten entstehen. Wissenschaft, Naturschutz und Gewässerbewirtschaftung arbeiten dabei zusammen.
OREaqua startet mit Auftakt in Markneukirchen
Die offizielle Auftaktveranstaltung des Projekts findet am 25. August 2026 in der Naturschutzstation Riedelhof in Eubabrunn bei Markneukirchen statt.
Beteiligt sind das Biologische Zentrum der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik, die Südböhmische Universität České Budějovice, die Technische Universität Dresden und die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt.
Das Projekt wird über das Kooperationsprogramm Interreg Sachsen–Tschechien 2021–2027 mit Mitteln der Europäischen Union gefördert. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, die empfindlichen Fließgewässer und ihre Fischbestände langfristig besser zu schützen.
Quelle: Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt; Technische Universität Dresden; Biologisches Zentrum der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik; Südböhmische Universität České Budějovice