Schelleis sieht eine „neue Qualität“ der Bedrohung

Der Präsident des Malteser Hilfsdienstes, Martin Schelleis, warnt vor einer veränderten Sicherheitslage in Deutschland.

Drohnenvorfälle, Anschläge auf Infrastruktur und großflächige Stromausfälle hätten aus seiner Sicht eine neue Qualität erreicht. Bürger sollten sich deshalb nicht allein darauf verlassen, dass Rettungsdienste oder Behörden in jeder Situation sofort helfen können.

Schelleis war 46 Jahre Soldat und zuletzt Generalleutnant der Bundeswehr. Seit Juni 2026 steht er an der Spitze des Malteser Hilfsdienstes.

Nur ein Teil der Bevölkerung sorgt vor

Nach seiner Einschätzung wissen zwar viele Menschen, dass private Krisenvorsorge wichtig ist. Tatsächlich vorbereitet sei aber nur ein vergleichsweise kleiner Teil.

Schelleis verweist darauf, dass bei einem länger andauernden Stromausfall schnell alltägliche Probleme entstehen können. Ohne stromunabhängige Lichtquelle, Radio, geladene Powerbank oder Vorräte seien viele Haushalte unmittelbar auf externe Hilfe angewiesen.

Auch ein Ausweichort bei Freunden oder Verwandten könne im Ernstfall wichtig sein.

80-Liter-Rucksack für den Ernstfall

Schelleis selbst hat nach eigenen Angaben Wasser und Konserven zu Hause.

Zusätzlich hält er einen gepackten 80-Liter-Rucksack bereit. Darin befinden sich unter anderem Kleidung, Wasser, ein Mobiltelefon, eine Powerbank, ein Kurbelradio sowie Lebensmittel für zwei Tage.

Jeder müsse selbst entscheiden, welche Ausrüstung im persönlichen Notfall sinnvoll sei. Entscheidend sei, überhaupt vorbereitet zu sein.

Lehren aus Flut und Pandemie

Der frühere Bundeswehr-General war während seiner aktiven Dienstzeit auch für Amtshilfeeinsätze in der Corona-Pandemie und während der Flutkatastrophe 2021 verantwortlich.

Aus seiner Sicht wurden seit der Katastrophe im Ahrtal zwar Verbesserungen vorgenommen. Dennoch gebe es weiterhin Defizite beim Katastrophenschutz.

Ein Problem seien Krisenstäbe, die teilweise zwar formal existierten, aber nicht ausreichend trainiert würden.

Ehrenamt trägt Bevölkerungsschutz

Eine zentrale Rolle spielen für Schelleis die ehrenamtlichen Helfer.

Allein die Malteser verfügen über rund 60.000 Ehrenamtliche. Auch Technisches Hilfswerk, Feuerwehren und andere Hilfsorganisationen stützen sich stark auf freiwilliges Engagement.

Schelleis fordert deshalb, diese Strukturen besser auszustatten. Wer seine Freizeit für den Bevölkerungsschutz opfere, brauche funktionierende Fahrzeuge, vernünftige Gebäude und zeitgemäße Ausrüstung.

Staat und Bürger müssen vorbereitet sein

Der Bund will Milliarden in den Bevölkerungsschutz investieren. Ein Teil davon soll in das Technische Hilfswerk und andere Strukturen fließen.

Schelleis hält zusätzlich Informationskampagnen für sinnvoll. Bürger sollten wissen, welche Vorräte und Ausrüstungsgegenstände sie zu Hause haben sollten und wie sie sich im Katastrophenfall verhalten müssen.

Sein Appell ist dabei klar: Krisenvorsorge sei nicht allein Aufgabe des Staates.