Die Verteidigung sieht in einem Social-Media-Video ein möglicherweise entlastendes Indiz. Die Nebenklage bezweifelt die Aussagekraft des Clips, weil er aus mehreren Ausschnitten zusammengesetzt worden sein soll.

Video wird im Gerichtssaal gezeigt

Das Video wurde am Freitag im Landgericht Rostock abgespielt. Darin bittet eine Frau mögliche Zeugen um Hinweise zum Verschwinden des achtjährigen Fabian aus Güstrow.

Der Aufruf nennt unter anderem die Orte Klein Upahl und Groß Upahl. In der Nähe von Klein Upahl war Fabian später tot gefunden worden.

Verteidigung sieht mögliche Erklärung

Nach Ansicht der Verteidigung könnte der Clip erklären, weshalb die Angeklagte Gina H. am Abend des 13. Oktober 2025 mit einem Bekannten in der Umgebung von Klein Upahl nach Fabian suchte.

Die Verteidiger gehen davon aus, dass der Aufruf bereits während der Suche nach dem Kind im Internet zu sehen war. Mehrere Zeugen könnten dies nach ihrer Darstellung bestätigen.

Nebenklage bezweifelt Zeitpunkt

Die Anwältin von Fabians Mutter hält den gezeigten Clip nicht für verlässlich. Er sei offenbar nachträglich aus Teilen eines ursprünglichen Videos zusammengeschnitten worden.

Die Verfasserin des ursprünglichen Aufrufs erklärte am Rande des Prozesses, dass sie ihr Video erst am 18. Oktober veröffentlicht habe. Eine technische Untersuchung soll den Veröffentlichungszeitpunkt klären.

Gericht hat Video noch nicht bewertet

Die Strafkammer äußerte sich zunächst nicht zur Beweiskraft des Videos. Gina H. beantwortete an diesem Verhandlungstag keine weiteren Fragen zu ihrer zuvor abgegebenen Aussage.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten vor, Fabian im Oktober 2025 getötet zu haben. Gina H. bestreitet die Tat. Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung gilt die Unschuldsvermutung. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

Quelle: NDR Mecklenburg-Vorpommern