Die Schwarz-Gruppe investiert 5,6 Milliarden Euro in ein neues Rechenzentrum in Dummerstorf bei Rostock. Der Handelskonzern will den Standort bis 2033 auf eine Leistung von 240 Megawatt ausbauen, um seine digitale Infrastruktur und unabhängige Cloud-Angebote zu stärken.
Schwarz-Gruppe plant Großrechenzentrum in Dummerstorf
Das Rechenzentrum soll in einem Gewerbegebiet der Gemeinde Dummerstorf südlich von Rostock entstehen. Hinter dem Vorhaben steht die Schwarz-Gruppe, zu der die Handelsketten Lidl und Kaufland sowie die Digitalsparte Schwarz Digits gehören.
Der Konzern will nach eigenen Angaben bis zu 5,6 Milliarden Euro in den Standort investieren. Die Anlage soll bis 2033 eine Kapazität von 240 Megawatt erreichen.
Der Baubeginn ist ab 2027 vorgesehen. Langfristig könnte der Standort erheblich erweitert werden. Bis 2045 hält das Unternehmen eine Leistung von bis zu einem Gigawatt für möglich.
Damit würde in Mecklenburg-Vorpommern eines der leistungsfähigsten Rechenzentren Deutschlands entstehen. Für den Betrieb sind zunächst rund 120 hoch qualifizierte Arbeitsplätze geplant. Während der Bauphase dürften außerdem zahlreiche Unternehmen aus Bauwirtschaft, Anlagenbau und technischer Gebäudeausrüstung von dem Vorhaben profitieren.
Digitale Unabhängigkeit als strategisches Ziel
Die Schwarz-Gruppe benötigt große Rechenkapazitäten für ihre weltweiten Handelsgeschäfte. Dazu gehören Lieferketten, Bestellvorgänge, Bezahlprozesse, Warenwirtschaft und Kundenprogramme.
Die geplante Anlage soll zunächst den eigenen Bedarf des Konzerns abdecken. Sie soll zugleich den Ausbau der Cloud- und Sicherheitsangebote von Schwarz Digits ermöglichen.
Die Digitalsparte bietet mit STACKIT eine europäische Cloud-Infrastruktur an. Unternehmen und öffentliche Einrichtungen sollen Daten damit nach europäischen Sicherheits- und Datenschutzstandards verarbeiten können.
Konzernchef Gerd Chrzanowski bezeichnete eine verlässliche digitale Infrastruktur als Voraussetzung für digitale Souveränität. Deutschland und Europa wollen ihre Abhängigkeit von großen amerikanischen Cloud- und Rechenzentrumsanbietern verringern.
Das neue Rechenzentrum soll dafür zusätzliche Kapazitäten bereitstellen. Gleichzeitig dürfte es eine wichtige Rolle bei rechenintensiven Anwendungen der Künstlichen Intelligenz übernehmen.
Windenergie gab Ausschlag für Standort bei Rostock
Die große Verfügbarkeit erneuerbarer Energie war ein entscheidender Grund für die Wahl von Dummerstorf. Mecklenburg-Vorpommern erzeugt bereits erhebliche Mengen Strom aus Windenergie an Land und auf der Ostsee.
Das geplante Rechenzentrum soll ausschließlich mit erneuerbarer Energie betrieben werden. Ein vorhandener Anschluss an das Höchstspannungsnetz erleichtert die Versorgung der Anlage.
Rechenzentren benötigen große Strommengen, weil Tausende Server rund um die Uhr arbeiten. Hinzu kommt der Energiebedarf für Kühlung, Sicherheitstechnik und den Betrieb der Gebäude.
Die Schwarz-Gruppe plant deshalb ein geschlossenes System zur Wasserkühlung. Das Wasser soll im Kreislauf bleiben, um den Verbrauch zu begrenzen.
Auch das kühlere Klima an der Ostseeküste verbessert die Bedingungen für den Standort. Niedrigere Außentemperaturen können den technischen Aufwand für die Kühlung der Server verringern.
Rostock könnte Abwärme des Rechenzentrums nutzen
Die beim Betrieb entstehende Abwärme soll nicht ungenutzt an die Umgebung abgegeben werden. Die Schwarz-Gruppe prüft gemeinsam mit den Stadtwerken Rostock, wie sich die Wärme in das regionale Versorgungsnetz einspeisen lässt.
Beide Seiten haben dazu eine Absichtserklärung unterzeichnet. Die Abwärme könnte perspektivisch Wohnungen, öffentliche Gebäude oder Gewerbebetriebe in Rostock mit Wärme versorgen.
Bis zur praktischen Umsetzung müssen jedoch technische und wirtschaftliche Fragen geklärt werden. Entscheidend sind unter anderem der Ausbau des Wärmenetzes, die Entfernung zu den Abnehmern und die kontinuierlich verfügbare Temperatur.
Eine erfolgreiche Nutzung würde den ökologischen Nutzen des Projektes deutlich erhöhen. Gleichzeitig könnte die Region einen Teil ihrer Wärmeversorgung unabhängiger von fossilen Brennstoffen gestalten.
Mecklenburg-Vorpommern gewinnt neuen Wirtschaftszweig
Für Mecklenburg-Vorpommern gehört das Vorhaben zu den größten privaten Investitionen der Landesgeschichte. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig verbindet mit der Ansiedlung den Einstieg des Landes in einen neuen wirtschaftlichen Wachstumsbereich.
Dummerstorf könnte durch zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen erheblich profitieren. Auch für Rostock und den umliegenden Landkreis entstehen neue Chancen bei Energieversorgung, Forschung, Ausbildung und technischen Dienstleistungen.
Die unmittelbare Zahl der Dauerarbeitsplätze fällt bei Rechenzentren meist niedriger aus als bei großen Industrieanlagen. Die wirtschaftliche Bedeutung reicht dennoch über die Beschäftigten auf dem eigentlichen Gelände hinaus.
Wartungsfirmen, Sicherheitsunternehmen, Energieversorger und spezialisierte Dienstleister werden für den Betrieb benötigt. Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Rostock könnten außerdem neue Kooperationen in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Cloud-Technologie und Cybersicherheit entwickeln.
Die Schwarz-Gruppe verfolgt bereits ein ähnliches Großprojekt in Lübbenau im brandenburgischen Spreewald. Dort investiert der Konzern rund elf Milliarden Euro in ein weiteres Rechenzentrum.
Mit den Standorten in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern baut Schwarz Digits seine digitale Infrastruktur besonders stark in Ostdeutschland aus. Für die Region eröffnet das die Chance, sich dauerhaft als Standort für europäische Cloud- und KI-Technologie zu etablieren.
Quelle: Schwarz-Gruppe; Schwarz Digits; Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern; Stadtwerke Rostock