Görlitz verzeichnet mehr Gäste, während Zittau zuletzt Rückgänge hinnehmen musste. Doch die niedrigeren Zahlen bedeuten nicht automatisch, dass Zittau touristisch unattraktiv ist. Entscheidend sind die Zahl der Unterkünfte, die Aufenthaltsdauer und die Abgrenzung zwischen Stadt und Zittauer Gebirge.
Görlitz wächst, Zittau verliert Gäste
Görlitz kam 2025 auf 146.609 Ankünfte und 340.851 Übernachtungen. Die Übernachtungszahl stieg gegenüber 2024 um 6,1 Prozent. Von Januar bis Mai 2026 wurden bereits 51.598 Ankünfte und 116.877 Übernachtungen registriert.
Zittau erreichte im gesamten Jahr 2025 dagegen 25.116 Ankünfte und 57.511 Übernachtungen. Die Ankünfte gingen um sieben Prozent zurück. Bei den Übernachtungen betrug das Minus 5,4 Prozent.
Damit zählte Görlitz 2025 fast sechsmal so viele Übernachtungen wie Zittau. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag in beiden Städten dennoch bei 2,3 Tagen.
Ein direkter Vergleich für die ersten fünf Monate 2026 ist derzeit nicht möglich. Während Görlitz eigene Monatszahlen veröffentlicht, liegt für Zittau öffentlich bislang keine entsprechende städtische Auswertung vor.
Zittau hat deutlich weniger Gästebetten
Der größte Unterschied zeigt sich beim Angebot. In Görlitz wurden Ende 2025 insgesamt 44 Beherbergungseinrichtungen und maximal 2.303 Gästebetten erfasst. In Zittau waren es nur elf Einrichtungen mit 514 Betten.
Görlitz verfügt damit über mehr als viermal so viele statistisch erfasste Betten. Die durchschnittliche Bettenauslastung unterschied sich dagegen kaum: Görlitz erreichte 41,3 Prozent, Zittau 40,1 Prozent.
Die niedrigen Gesamtzahlen Zittaus sprechen deshalb nicht in erster Linie für mangelnde Nachfrage. Sie zeigen vor allem, dass die Stadt wesentlich weniger Übernachtungskapazität besitzt. Bei lediglich elf erfassten Betrieben können Schließungen, Umbauten oder Änderungen bei einzelnen großen Anbietern die Statistik zudem deutlich beeinflussen.
Zittauer Gebirge ist nicht die Stadt Zittau
Häufig werden Zahlen für Zittau mit denen des gesamten Zittauer Gebirges vermischt. Die Touristische Gebietsgemeinschaft umfasst neben Zittau unter anderem Großschönau, Jonsdorf, Oybin, Olbersdorf, Bertsdorf-Hörnitz, Seifhennersdorf, Herrnhut, Ostritz und Löbau.
Für dieses Gebiet wurden 2023 insgesamt 168.006 Ankünfte und 530.424 gewerbliche Übernachtungen ausgewiesen. Auf die Stadt Zittau entfielen davon lediglich 26.486 Ankünfte und 61.995 Übernachtungen.
Zittau stellte somit nur knapp zwölf Prozent der Übernachtungen im Gebiet. Die deutlich höhere Regionalzahl ist daher kein Widerspruch. Sie umfasst zwölf Städte und Gemeinden sowie große Ferien-, Camping- und Freizeitanlagen.
Auch 2025 lagen mehrere Orte vor Zittau. Großschönau erreichte 133.460 Übernachtungen, Olbersdorf 81.177 und Jonsdorf 76.111. Zittau kam auf 57.511 Übernachtungen.
Urlauber schlafen häufiger im Gebirge
Das Zittauer Gebirge ist stärker auf klassische Urlaubsreisen ausgerichtet. In Jonsdorf blieben Gäste 2025 durchschnittlich 4,5 Tage, in Olbersdorf 4,8 Tage und in Großschönau 3,5 Tage. In Zittau waren es nur 2,3 Tage.
Viele Urlauber besuchen die Fastentücher, die historische Innenstadt oder den Tierpark, übernachten aber in Jonsdorf, Oybin, Olbersdorf oder Großschönau. Zittau profitiert dann von Tagesbesuchen, ohne dass diese in der städtischen Übernachtungsstatistik erscheinen.
Hinzu kommt eine statistische Lücke: Die amtliche Erhebung berücksichtigt grundsätzlich nur Betriebe mit mindestens zehn Schlafgelegenheiten sowie größere Campingplätze. Kleine Ferienwohnungen und Privatzimmer fehlen. Die Gästekarte Oberlausitz und das digitale Meldesystem sollen künftig auch Teile dieses sogenannten grauen Marktes sichtbar machen.
Welche Fragen Zittau beantworten muss
Trotz der unterschiedlichen Voraussetzungen bleibt der Rückgang in Zittau erklärungsbedürftig. Die Stadt sollte offenlegen, wie viele Gäste seit Einführung der Gästetaxe im Mai 2025 tatsächlich registriert wurden. Wichtig wären auch Angaben zu ausgegebenen Gästekarten, steuerpflichtigen Übernachtungen, beteiligten Vermietern und Unterkünften außerhalb der Landesstatistik.
Außerdem stellt sich die Frage, warum es Zittau bislang nicht besser gelingt, Besucher des Gebirges zu einer Übernachtung in der Stadt zu bewegen. Denkbar wären gemeinsame Angebote aus Stadtkultur, Schmalspurbahn und Naturerlebnissen.
Die Zahlen zeigen daher zwei Entwicklungen: Zittau besitzt ein vergleichsweise kleines Beherbergungsangebot, dessen Auslastung durchaus konkurrenzfähig ist. Gleichzeitig verliert die Stadt Gäste, während Görlitz seine Übernachtungszahlen steigert. Ohne aktuelle und einheitlich abgegrenzte Daten lässt sich jedoch nicht seriös beurteilen, wie groß das tatsächliche Problem ist.
Quelle: [Statistisches Landesamt Sachsen – Beherbergungsgewerbe](https://www.statistik.sachsen.de/html/beherbergung.html), [Tourismusverband Oberlausitz – Übernachtungszahlen 2025](https://oberlausitz.business/fileadmin/user_upload/Oberlausitz_1225-DS.pdf), [TGG Naturpark Zittauer Gebirge/Oberlausitz – Geschäftsbericht 2023](https://www.jonsdorf.de/wp/wp-content/uploads/2024/06/TGG-Geschaeftsbericht-2023.pdf), [Stadt Görlitz – Statistik Juli 2026](https://www.goerlitz.de/uploads/02-Buerger-Dokumente/Statistiken/Statistiken2026/Juli_072026.pdf), [Stadt Zittau – Einführung der Gästekarte Oberlausitz](https://zittau.de/news/auftaktveranstaltung-zur-gaestekarte-oberlausitz)