Nach dem Stopp des Fregattenprojekts F126 benötigt die Peene-Werft in Wolgast neue Aufträge. Die Landesregierung will sich beim Bund für eine Beteiligung der Werft am Bau von MEKO-Fregatten oder eines vierten Flottendienstbootes einsetzen, damit die entstandene Lücke im Auftragsbestand geschlossen werden kann.
F126-Stopp hinterlässt Lücke auf der Peene-Werft
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig nahm am Montag, dem 25. August 2026, an einer Betriebsversammlung auf der Peene-Werft teil. Dort sprach sie mit Beschäftigten über die wirtschaftliche Lage und die Folgen des gestoppten Projekts Fregatte 126.
Während sich zahlreiche Werftstandorte in Mecklenburg-Vorpommern nach Einschätzung der Landesregierung positiv entwickeln, herrscht in Wolgast größere Unsicherheit. Der Wegfall des vorgesehenen Projekts hat eine Lücke in der Auftragsplanung entstehen lassen.
Für einen Schiffbaustandort ist eine solche Lücke besonders problematisch. Werften benötigen langfristige Aufträge, weil der Bau komplexer Schiffe mehrere Jahre dauert und hoch spezialisierte Beschäftigte bindet. Fehlen Anschlussprojekte, geraten nicht nur die Arbeitsplätze auf dem Werftgelände unter Druck. Auch Zulieferer und Dienstleister in der Region sind von einer kontinuierlichen Auslastung abhängig.
Die Landesregierung sieht deshalb den Bund in der Verantwortung. Sie will erreichen, dass frei werdende industrielle Kapazitäten bei künftigen Beschaffungen berücksichtigt werden.
Wolgast hofft auf MEKO-Fregatten und Flottendienstboot
Schwerin setzt sich konkret dafür ein, dass die Peene-Werft am Bau von Fregatten des Typs MEKO beteiligt wird. Eine weitere Möglichkeit sieht die Landesregierung beim geplanten vierten Flottendienstboot.
Eine Entscheidung über die tatsächliche Beteiligung der Werft liegt bislang nicht vor. Nach Angaben der Ministerpräsidentin führt die Landesregierung dazu Gespräche mit der Bundesregierung. Entscheidend wird sein, welche Aufträge der Bund vergibt und wie die Arbeiten auf die beteiligten Unternehmen und Werftstandorte verteilt werden.
Unterstützung erhofft sich Mecklenburg-Vorpommern von einem Beschluss des Haushaltsausschusses des Bundestages. Demnach sollen bei der Beschaffung der MEKO-Fregatten jene Kapazitäten berücksichtigt werden, die infolge des Stopps von F126 in der deutschen Industrie und an den Werftstandorten frei werden.
Die Landesregierung leitet daraus eine Chance für Wolgast ab. Ein automatischer Anspruch auf Aufträge entsteht aus dem Beschluss allerdings nicht. Die Peene-Werft muss im weiteren Verfahren tatsächlich als Produktionsstandort berücksichtigt werden.
Peene-Werft besitzt Erfahrung mit Behördenbooten
Schwesig verwies bei ihrem Besuch auf die Modernisierung des Wolgaster Standortes. Die Peene-Werft habe sich in den vergangenen Jahren zu einem leistungsfähigen Schiffbaubetrieb entwickelt.
Als Beleg nennt die Landesregierung den Bau von Zollbooten. Mit diesen Projekten habe die Werft gezeigt, dass sie technisch anspruchsvolle Schiffe in hoher Qualität fertigen könne. Diese Erfahrung soll nun bei der Suche nach neuen Aufträgen helfen.
Moderne Werftanlagen allein sichern jedoch noch keine dauerhafte Auslastung. Der Erhalt des Fachpersonals hängt wesentlich davon ab, ob rechtzeitig Anschlussaufträge folgen. Ein längerer Auftragseinbruch könnte dazu führen, dass qualifizierte Arbeitskräfte den Standort oder die gesamte Branche verlassen.
Gerade im Schiffbau lässt sich verlorenes Wissen später nur schwer ersetzen. Viele Beschäftigte verfügen über spezielle Kenntnisse in Konstruktion, Schweißtechnik, Elektronik und maritimer Ausrüstung.
Peene-Werft ist für Vorpommern wirtschaftlich wichtig
Die Bedeutung der Werft reicht über Wolgast hinaus. Der Schiffbau gehört zu den traditionellen Industriezweigen Mecklenburg-Vorpommerns und sichert Arbeitsplätze in einer Region mit vergleichsweise wenigen großen Industriebetrieben.
Von den Aufträgen profitieren auch Unternehmen der maritimen Zulieferindustrie. Sie liefern Bauteile, technische Systeme und Dienstleistungen. Eine gut ausgelastete Werft erzeugt deshalb zusätzliche wirtschaftliche Effekte in Vorpommern und anderen Teilen des Landes.
Die Landesregierung hat der Peene-Werft und ihren Beschäftigten weitere Unterstützung zugesichert. Nun kommt es darauf an, aus den politischen Gesprächen konkrete Aufträge zu entwickeln.
Der Beschluss des Haushaltsausschusses eröffnet Wolgast eine Perspektive. Solange keine verbindliche Vergabeentscheidung gefallen ist, bleibt die Zukunft der freien Kapazitäten jedoch offen. Für die Beschäftigten ist deshalb vor allem entscheidend, dass mögliche Bundesaufträge schnell konkretisiert werden.
Quelle: Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern, Pressemitteilung 205/2026 vom 25. August 2026