Vor Rügen erreicht eines der wichtigsten Offshore-Energieprojekte in Mecklenburg-Vorpommern einen entscheidenden Punkt. Der Netzanschluss Ostwind 3 geht in Betrieb und soll den Strom des Windparks Windanker zum Festland transportieren. Sassnitz übernimmt bei Bau, Logistik und Wartung eine zentrale Funktion.

Ostwind 3 wird in Sassnitz in Betrieb genommen

Der Netzbetreiber 50Hertz beging die Inbetriebnahme am Donnerstag, dem 27. August 2026, mit einer Pressefahrt ab dem Sassnitzer Stadthafen. Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Wolfgang Blank nahm nach Angaben der Landesregierung an dem Termin teil.

Ostwind 3 ist das dritte große Anschlussprojekt für Offshore-Windparks nordöstlich von Rügen. Es folgt auf die bereits verwirklichten Systeme Ostwind 1 und Ostwind 2.

Der Netzanschluss und der eigentliche Windpark sind technisch miteinander verbunden, aber nicht identisch. Ostwind 3 transportiert die erzeugte Energie an Land. Der Windpark Windanker wird von Iberdrola errichtet und schrittweise für die Stromproduktion vorbereitet.

Netzanschluss kann 300 Megawatt übertragen

Das System ist für eine Übertragungsleistung von bis zu 300 Megawatt ausgelegt. Die Energie stammt künftig aus dem Windpark Windanker im Gebiet Westlich Adlergrund.

Das Windparkareal liegt nordöstlich der Insel Rügen. Windanker umfasst 21 leistungsstarke Windenergieanlagen und soll nach seiner vollständigen Inbetriebnahme eine installierte Leistung von rund 315 Megawatt erreichen.

Die Investition des Windparkbetreibers liegt nach Unternehmensangaben bei mehr als einer Milliarde Euro. Die vollständige Inbetriebnahme der Windenergieanlagen ist für das letzte Quartal 2026 vorgesehen.

Plattform Jasmund sammelt den Windstrom

Ein zentrales Bauteil ist die Offshore-Plattform Jasmund. Sie steht etwa 40 Kilometer nordöstlich von Rügen und sammelt den Strom der einzelnen Windenergieanlagen.

Transformatoren erhöhen dort die Spannung für den Weitertransport. Anschließend fließt die Energie über eine rund 100 Kilometer lange Kabelverbindung durch die Ostsee und über Land zum neuen Umspannwerk Stilow im Landkreis Vorpommern-Greifswald.

50Hertz übernimmt bei Ostwind 3 erstmals auch die vollständige Verantwortung für Bau und Betrieb der Offshore-Umspannplattform. Bei früheren Projekten hatten die Windparkbetreiber eine stärkere Rolle.

Sassnitz stärkt seine Rolle als Offshore-Standort

Der Hafenstandort Sassnitz-Mukran dient als wichtiger Ausgangspunkt für die Errichtung des Windparks. Dort werden Bauteile vorbereitet, gelagert und für die Installation auf See verladen.

Damit profitiert die Region nicht nur von der Stromerzeugung. Offshore-Projekte schaffen Aufträge für Hafenwirtschaft, Logistik, technische Dienstleistungen und spezialisierte Wartungsunternehmen.

Für Mecklenburg-Vorpommern besitzt der Ausbau zugleich industriepolitische Bedeutung. Die gesamte derzeit in der deutschen Ostsee installierte Offshore-Leistung wird über Netzanschlüsse im Land an das Stromsystem angebunden.

Ostwind 3 stärkt diese Position. Entscheidend bleibt jedoch, ob auch dauerhaft Arbeitsplätze, Wartungsaufträge und industrielle Wertschöpfung in Mecklenburg-Vorpommern entstehen.

Quelle: [Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern – Inbetriebnahme Ostwind 3/Windanker](https://www.regierung-mv.de/Termine/?id=55053&processor=processor.sa.termin), [50Hertz – Offshore-Netzanschluss Ostwind 3](https://www.50hertz.com/en/Grid/Griddevelopement/Offshoreprojects/Ostwind3), [Iberdrola – Offshore-Windpark Windanker](https://www.iberdrola.com/about-us/power/offshore-wind-energy/windanker-offshore-wind-farm)