Ein 59-Jähriger hat vor dem Landgericht Rostock einen spektakulären Kokainschmuggel über den Atlantik gestanden. Rund 264 Kilogramm Kokain lagen auf seiner Segeljacht, während seine 67 Jahre alte Ehefrau nach seiner Darstellung nichts von der millionenschweren Fracht wusste.

Kokain auf Segeljacht: 263,73 Kilogramm sollten nach Europa

Die Dimension des Falls ist außergewöhnlich. Laut Landgericht Rostock wirft die Staatsanwaltschaft dem Ehepaar vor, bereits im Frühjahr 2024 einen Kokaintransport im dreistelligen Kilogrammbereich von Kolumbien nach Deutschland geplant zu haben.

Am 4. Juli 2025 brachen die beiden demnach mit 263,73 Kilogramm Kokain an Bord von Kolumbien in Richtung Europa auf. Portugiesische Ermittler stoppten die Jacht am 8. August 2025 nahe den Azoren und stellten die Drogen sicher. Seitdem befinden sich die Angeklagten in Untersuchungshaft.

Der geschätzte Verkaufswert der Ladung lag laut Staatsanwaltschaft bei fast 16 Millionen Euro.

Landgericht Rostock: 59-Jähriger gesteht Drogenschmuggel

Am Freitag, 21. August, erhielt der Prozess eine entscheidende Wendung. Der 59-Jährige bestätigte vor Gericht frühere Aussagen und räumte ein, das Kokain für ein kriminelles Netzwerk transportiert zu haben.

Nach seiner Darstellung sollte ihm der Schmuggel helfen, Schulden im fünfstelligen Bereich loszuwerden. Mitglieder des Netzwerkes sollten das Rauschgift später in Deutschland übernehmen.

Der Mann schilderte dabei zahlreiche Einzelheiten. Ein Kontaktmann namens „Héctor“ soll eine zentrale Rolle gespielt haben. In Cartagena hätten Kontaktpersonen das Kokain in Einkaufstüten zur Jacht gebracht. Die Pakete seien wasserdicht verpackt und an mehreren Stellen des Schiffes versteckt worden, unter anderem unter einem Kajütenbett.

Segeljacht „Target“ für 200.000 Euro gekauft

Das Paar war mit der Jacht „Target“ nach Lateinamerika gesegelt. Nach der Aussage des Angeklagten hatte er das Schiff zuvor für 200.000 Euro gekauft und dafür Geld aus dem Verkauf eines Hauses seines verstorbenen Vaters verwendet.

Seine kriminellen Auftraggeber sollten ihm diese Investition später erstatten. Der 59-Jährige verfügte nach eigener Aussage erst seit 2020 oder 2021 über einen Segelschein. Seine Frau hatte keine Segelerfahrung.

Der Drogentransport von 2025 soll zudem nicht sein erster gewesen sein. Vor Gericht erklärte der Angeklagte, bereits 2024 Kokain aus Kolumbien transportiert zu haben. Wegen technischer Probleme habe er damals jedoch Spanien anlaufen müssen und das Rauschgift zuvor aus Angst vor einer Kontrolle ins Meer geworfen.

Seine Auftraggeber hätten ihm diese Darstellung nicht geglaubt. Dadurch seien seine Schulden gegenüber dem Netzwerk weiter gestiegen. Diese Angaben stammen aus dem Geständnis des Angeklagten und sind noch keine rechtskräftig festgestellten Tatsachen.

Kokain-Schmuggel gerät auf dem Atlantik außer Kontrolle

Auch die zweite Reise verlief nach den Schilderungen des Mannes alles andere als planmäßig. Stürme beschädigten wichtige Teile der Segelausrüstung. Die Vorsegelanlage fiel aus, später funktionierte auch der Autopilot nicht mehr.

Trotz der Probleme habe der Angeklagte keinen SOS-Ruf abgesetzt. Stattdessen informierte er nach eigener Aussage seine Auftraggeber. Diese hätten ein Motorboot mit vier Männern geschickt, das die Jacht jedoch nie erreichte.

Ursprünglich sollte das Kokain laut seiner Aussage auf Jamaika übernommen werden. Wegen der Wetterlage sei die Übergabe schließlich nach Cartagena verlegt worden.

Auf der Rückfahrt lief die Jacht dann an einem Atoll bei den Bahamas auf ein Riff und saß mehrere Tage fest. Auch die US-Küstenwache wurde nach den Angaben aus dem Prozess auf das havarierte Schiff aufmerksam. Später konnte die Jacht freigeschleppt werden.

Ehefrau bestreitet Wissen von 16-Millionen-Euro-Kokain

Eine zentrale Frage des Rostocker Prozesses bleibt die Rolle der 67-jährigen Ehefrau. Ihr Mann behauptet, sie habe von den Drogen nichts gewusst.

Nach Aussagen von Zollbeamten soll die Frau erklärt haben, sie sei auf dem langen Törn mitgefahren, weil sie sicherstellen wollte, dass ihr Mann in Lateinamerika keine Affäre habe. Die Beamten äußerten vor Gericht Zweifel an dieser Darstellung.

Auch die Staatsanwaltschaft hält es für fraglich, dass die Mitangeklagte die große Menge Kokain nicht bemerkt haben soll. Die Drogen waren demnach an zahlreichen Stellen der Jacht untergebracht. Zudem soll die Frau nach ihrer Festnahme versucht haben, E-Mails löschen zu lassen.

Ob sie tatsächlich vom Schmuggel wusste, muss das Gericht klären. Für beide Angeklagten gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung hinsichtlich der noch nicht festgestellten Vorwürfe.

Kokain-Prozess in Rostock läuft unter hohen Sicherheitsvorkehrungen

Der Prozess findet unter außergewöhnlichen Sicherheitsmaßnahmen statt. Maskierte Polizeibeamte sichern die Angeklagten, der 59-Jährige trägt eine schusssichere Weste. Als Grund für die Schutzmaßnahmen wurde eine hohe Gefährdung der Angeklagten genannt; der Mann selbst soll Angst geäußert haben.

Deutsche Ermittler hatten ihn bereits vor dem Kokaintransport im Blick. Nach den bisherigen Prozessangaben lief im Mai 2025 eine Telefonüberwachung. Rund drei Monate später beendete der Zugriff portugiesischer Ermittler nahe den Azoren die Fahrt der „Target“.

Der Prozess wird am Montag, 24. August 2026, um 9.30 Uhr fortgesetzt. Weitere Verhandlungstage sind bis zum 16. Oktober angesetzt.

Quelle: Landgericht Rostock; NDR-Berichterstattung aus dem laufenden Verfahren; dpa-Prozessberichterstattung.