Aus Kinderbuchfigur wird Internet-Horror

Eine Figur mit Katzenmaske, übergroßem rot-weißem Hut und bedrohlicher Körpersprache steht nachts vor Häusern, läuft durch Straßen oder taucht angeblich vor Schulen auf.

Was aussieht wie eine Szene aus einem Horrorfilm, gehört zu einem Social-Media-Trend, der sich derzeit auch in Deutschland ausbreitet.

Unter dem Namen „Cat in the Hat“ werden auf TikTok, Instagram und in WhatsApp-Gruppen Videos, Bilder und Warnungen verbreitet.

Die Figur stammt ursprünglich aus dem Kinderbuchklassiker „The Cat in the Hat“ von Dr. Seuss. Mit Horror hatte der Kater ursprünglich nichts zu tun.

Im Netz hat sich das inzwischen grundlegend verändert.

Ortsnamen und vermeintliche „Ziele“

Viele der Videos arbeiten nach demselben Muster.

Eine unheimliche Katzenfigur wird gezeigt, dazu erscheinen Ortsnamen, Schulnamen oder Namen einzelner Personen.

Teilweise wird behauptet, bestimmte Städte seien „als Nächstes dran“.

In Hessen kursierten beispielsweise Videos mit Ortsnamen wie Gedern, Büdingen oder Nidda.

Andere Clips enthalten direkte Drohungen.

Teilweise werden Jugendliche namentlich angesprochen oder markiert.

Dadurch entsteht bei Kindern und Jugendlichen schnell der Eindruck, hinter den Videos stecke eine reale Gefahr.

Viele Videos sind gefälscht

Ein großer Teil der kursierenden Aufnahmen ist nach bisherigen Erkenntnissen jedoch nicht echt.

Einige Bilder und Videos wurden mit künstlicher Intelligenz erzeugt.

Andere Aufnahmen werden einfach mit wechselnden Ortsangaben erneut veröffentlicht.

Ein Video, das angeblich in Völklingen im Saarland entstanden sein soll, kursierte nahezu identisch auch mit Hinweisen auf Dessau und Wittenberg.

Ob die Figur dort tatsächlich unterwegs war, ließ sich nicht bestätigen.

Genau dieses Prinzip macht den Trend so wirksam.

Dasselbe Video kann innerhalb weniger Stunden in zahlreichen Städten auftauchen.

Jedes Mal mit einer neuen Behauptung.

Aus Fake wird reale Nachahmung

Problematisch wird der Trend dort, wo Menschen beginnen, die Videos nachzustellen.

In Coswig in Sachsen-Anhalt soll eine Person im Katzenkostüm nachts vor einem Wohnhaus gestanden und eine Anwohnerin bedroht haben.

Die Polizei ermittelt.

Auch an einer Schule in Zerbst rückten Einsatzkräfte wegen des Trends aus.

Damit zeigt sich das typische Muster vieler Internet-Hypes:

Aus erfundenen Bildern können reale Nachahmer entstehen.

Was zunächst nur als KI-Bild oder Gruselvideo beginnt, wird plötzlich auf der Straße nachgespielt.

Polizei warnt vor vermeintlichen Streichen

Auch in Nordrhein-Westfalen beschäftigt sich die Polizei inzwischen mit dem Trend.

In Krefeld meldeten sich besorgte Eltern, nachdem ihre Kinder entsprechende Videos erhalten hatten.

Darin wurden teilweise sogar Gewalttaten an Schulen angekündigt.

Die Polizei betont zwar, dass bislang keine konkrete ernsthafte Gefahr festgestellt worden sei.

Gleichzeitig stellt sie klar:

Drohungen und Einschüchterungen sind kein harmloser Internetstreich.

Je nach Inhalt können sie strafrechtliche Konsequenzen haben.

Besonders Kinder reagieren mit Angst

Der Trend verbreitet sich inzwischen stark über Klassenchats.

Damit erreicht er genau jene Altersgruppe, die besonders empfänglich für solche Geschichten ist.

Jugendschutzstellen warnen deshalb vor den psychologischen Folgen.

Die Videos arbeiten gezielt mit Angst, Gruppendruck und dem Gefühl, dass etwas unmittelbar bevorsteht.

Vor allem jüngere Kinder können oft kaum unterscheiden, ob eine Aufnahme echt, inszeniert oder vollständig künstlich erzeugt wurde.

Wenn dann zusätzlich der eigene Wohnort oder sogar die eigene Schule genannt wird, steigt die Wirkung erheblich.

Neuer Horror-Clown-Trend?

Das Phänomen erinnert stark an die Horror-Clowns, die vor einigen Jahren durch soziale Netzwerke bekannt wurden.

Auch damals verkleideten sich Menschen, lauerten Passanten auf oder jagten ihnen Angst ein.

Einige Fälle waren inszeniert.

Andere wurden tatsächlich auf der Straße nachgeahmt.

Beim „Cat in the Hat“-Trend passiert derzeit etwas Ähnliches – mit einem entscheidenden Unterschied:

Durch KI lassen sich heute innerhalb weniger Sekunden täuschend echt wirkende Bilder erzeugen.

Dadurch kann praktisch jeder Ort scheinbar zum Schauplatz werden.

Nicht jedes Video glauben

Für Eltern und Schulen ist deshalb entscheidend, nicht jede Meldung ungeprüft weiterzuverbreiten.

Taucht ein angebliches Video aus der eigenen Stadt auf, sollte zunächst geprüft werden, ob dieselbe Aufnahme bereits mit anderen Ortsnamen veröffentlicht wurde.

Genau das ist derzeit häufig der Fall.

Das Weiterleiten solcher Videos kann den Hype zusätzlich verstärken.

Polizei und Jugendschutzstellen raten deshalb dazu, entsprechende Inhalte nicht ungeprüft zu teilen.

Aus einem Meme wird ein reales Problem

Der eigentliche „Cat in the Hat“-Trend ist damit weniger eine Geschichte über eine Gruselfigur als über die Mechanismen moderner sozialer Netzwerke.

Ein KI-Bild erzeugt Aufmerksamkeit.

Andere Nutzer kopieren es.

Ortsnamen werden ergänzt.

Gerüchte entstehen.

Kinder bekommen Angst.

Und irgendwann steht tatsächlich jemand im Kostüm auf der Straße.

Aus einer erfundenen Figur wird so ein reales gesellschaftliches Problem.

Genau deshalb sollte der Trend nicht dramatisiert werden – aber auch nicht als harmloser Internetspaß abgetan werden.