Mecklenburg-Vorpommern steht vor einer wachsenden Fachkräftelücke. Bis 2030 könnten im Land rund 51.000 qualifizierte Beschäftigte fehlen, weil zahlreiche Arbeitnehmer aus den geburtenstarken Jahrgängen in den Ruhestand gehen.

Fachkräftemangel bremst die Wirtschaft

Unternehmen benötigen ausreichend qualifizierte Beschäftigte, um neue Aufträge anzunehmen, ihre Produktion auszubauen und Investitionen umzusetzen. Der Mangel betrifft längst nicht nur einzelne Branchen. Handwerk, Bauwirtschaft, Pflege, Tourismus, Landwirtschaft, Logistik und Industrie konkurrieren zunehmend um geeignete Mitarbeiter.

Besonders kleinere Betriebe im ländlichen Raum stehen unter Druck. Sie können häufig nicht mit den Gehältern großer Unternehmen mithalten und haben Schwierigkeiten, junge Menschen dauerhaft in der Region zu halten.

Der Fachkräftemangel droht damit zu einem der größten Wachstumshemmnisse für Mecklenburg-Vorpommern zu werden. Neue Investitionen allein reichen nicht aus, wenn Unternehmen anschließend keine Beschäftigten für ihre Standorte finden.

Betriebe setzen auf eigene Ausbildung

Ein möglicher Ausweg liegt in der konsequenten Ausbildung junger Menschen. Das Schweriner Unternehmen Tief- und Kulturbau verfolgt diesen Weg seit mehr als 20 Jahren. Die Belegschaft wuchs in diesem Zeitraum von etwa 50 auf rund 100 Beschäftigte. Hinzu kommen derzeit 16 Auszubildende.

Unternehmen müssen Nachwuchskräfte jedoch nicht nur gewinnen, sondern auch langfristig halten. Neben einer angemessenen Bezahlung gewinnen ein gutes Betriebsklima, geregelte Arbeitszeiten, Urlaub, Weiterbildungen und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten an Bedeutung.

Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf spielt eine wichtige Rolle. Fehlende Wohnungen, lange Arbeitswege oder unzureichende Kinderbetreuung können die Suche nach Fachkräften zusätzlich erschweren.

Bauwirtschaft fordert mehr Investitionen

Thomas Maync, Präsident des Bauverbandes Mecklenburg-Vorpommern, fordert eine verlässliche Umsetzung der angekündigten Infrastrukturinvestitionen. Ohne Aufträge könnten Unternehmen weder neue Mitarbeiter einstellen noch zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen.

Vor allem bei Städten und Gemeinden sieht die Branche einen erheblichen Investitionsstau. Werden notwendige Sanierungen von Straßen, Schulen und öffentlichen Gebäuden weiter verschoben, drohen langfristig höhere Kosten und eine zunehmend marode Infrastruktur.

Ende 2025 lagen die Schulden des Landes und der Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern bei rund 12,6 Milliarden Euro. Trotz des Spardrucks warnt die Bauwirtschaft davor, ausgerechnet bei langfristig wichtigen Investitionen zu kürzen.

Mecklenburg-Vorpommern braucht Zuwanderung

Die Fachkräftelücke lässt sich voraussichtlich nicht allein durch Ausbildung schließen. Das Land benötigt zusätzlich Rückkehrer, Zuwanderer und Arbeitnehmer aus anderen Bundesländern. Dafür müssen Arbeitsplätze, Löhne und Lebensbedingungen konkurrenzfähig sein.

Entscheidend wird sein, ob Mecklenburg-Vorpommern junge Menschen nach der Ausbildung im Land halten kann. Ohne ausreichend Fachkräfte geraten wirtschaftliches Wachstum, öffentliche Dienstleistungen und die Versorgung im ländlichen Raum gleichermaßen unter Druck.

Quelle: Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit Mecklenburg-Vorpommern; Prognos AG