Hermsdorf, 8. September 2026. Die TRIDELTA Weichferrite GmbH begeht heute am traditionsreichen Industriestandort Hermsdorf ihr 80-jähriges Jubiläum. Das Unternehmen fertigt magnetische Werkstoffe und Bauteile, die unter anderem in Stromversorgungen, Ladetechnik, Windkraftanlagen und industrieller Elektronik eingesetzt werden.
Die Geschichte ist mehr als ein Firmenjubiläum. Sie zeigt, wie technisches Wissen aus einem früheren DDR-Kombinat nach 1990 erhalten und in ein international tätiges Unternehmen überführt werden konnte.
Von technischer Keramik zur Elektronik
Hermsdorf ist seit dem Ende des 19. Jahrhunderts eng mit Keramik und Elektrotechnik verbunden. Aus der Herstellung von Porzellan und technischen Isolatoren entwickelte sich ein spezialisierter Industriestandort.
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Produktion magnetischer Werkstoffe. Später wurde der Standort Teil der Keramischen Werke Hermsdorf, die in der DDR zu den bedeutenden Betrieben für technische Keramik und elektronische Bauteile gehörten.
Nach der Wiedervereinigung zerfielen viele Kombinatsstrukturen. In Hermsdorf gelang es jedoch, Teile der Fertigung, das Wissen der Beschäftigten und die Verbindung zur Materialforschung zu bewahren.
Die heutige TRIDELTA Weichferrite GmbH ging in den 1990er-Jahren aus diesen Strukturen hervor. Nach eigenen Angaben entwickelte sie sich zu einem der größeren europäischen Hersteller auf ihrem Spezialgebiet.
Kleine Bauteile mit großer Bedeutung
Weichferrite sind keramische, magnetisch leitende Werkstoffe. Sie werden dort eingesetzt, wo elektrische Energie umgewandelt, übertragen oder von unerwünschten Störungen gereinigt werden muss.
Aus dem Material entstehen beispielsweise Kerne für Transformatoren, Spulen und Filter. Solche Bauteile finden sich in Netzteilen, Ladegeräten, Wechselrichtern, Maschinensteuerungen und zahlreichen elektronischen Anlagen.
Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien und der Elektromobilität steigt ihre Bedeutung. Wind- und Solaranlagen benötigen Leistungselektronik, um erzeugten Strom für Netze und Verbraucher nutzbar zu machen. Elektrofahrzeuge und Ladesäulen sind ebenfalls auf leistungsfähige magnetische Komponenten angewiesen.
Hinzu kommen Anwendungen in Telekommunikation, industrieller Hochfrequenztechnik und Systemen zur elektromagnetischen Verträglichkeit. Ohne diese oft unscheinbaren Bauteile könnten viele moderne Geräte weder effizient noch störungsfrei arbeiten.
Ein Stück europäische Unabhängigkeit
Die Diskussion über technologische Souveränität konzentriert sich häufig auf Mikrochips, Batterien und Software. Magnetische Werkstoffe und andere elektronische Grundkomponenten erhalten deutlich weniger Aufmerksamkeit.
Gerade hier besitzt Europa jedoch gefährliche Abhängigkeiten. Wenn wichtige Bauteile nur noch aus wenigen asiatischen Lieferketten stammen, können Produktionsausfälle schnell ganze Industriezweige treffen.
Ein Hersteller wie TRIDELTA ist deshalb nicht nur für Thüringen interessant. Der Standort bewahrt Fertigungswissen, das sich nicht kurzfristig durch den Bau einer neuen Halle ersetzen lässt. Materialentwicklung, Werkzeugbau, Brennprozesse und Qualitätskontrolle beruhen auf jahrzehntelanger Erfahrung.
Diese Stärke bedeutet allerdings keinen Schutz vor wirtschaftlichem Druck. Hohe Energiepreise, schwankende Rohstoffkosten und internationale Konkurrenz treffen gerade mittelständische Produzenten. Hinzu kommt die schwierige Suche nach Fachkräften in einer alternden Region.
Ostdeutsche Erfahrung als Standortvorteil
Die Geschichte des Unternehmens widerspricht der Vorstellung, ostdeutsche Industrie habe nach 1990 vollständig neu begonnen. Ein erheblicher Teil des heutigen Erfolgs beruht auf Kenntnissen, die bereits vorher in Betrieben, Forschungsabteilungen und Berufsschulen entstanden waren.
Entscheidend war, dieses Wissen mit neuen Eigentumsstrukturen, internationalen Absatzmärkten und moderner Entwicklung zu verbinden. Hermsdorf zeigt damit, dass industrielle Tradition keine rückwärtsgewandte Erinnerung sein muss.
Der Standort profitiert zudem von der Nähe zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Jena und der umliegenden Technologieregion. Kooperationen bei neuen Werkstoffen können helfen, Anwendungen für höhere Frequenzen, geringere Energieverluste und kompaktere Systeme zu entwickeln.
Das Jubiläum braucht konkrete Antworten
Zum 80-jährigen Bestehen wird die Thüringer Landesregierung die Bedeutung des Unternehmens würdigen. Für eine wirtschaftliche Bewertung reichen Festreden jedoch nicht aus.
Interessant sind vor allem die Zukunftspläne: Welche Investitionen sind am Standort vorgesehen? Wie entwickelt sich die Beschäftigung? Welche Rohstoffe bereiten Schwierigkeiten? Und welchen Anteil der Produktion verkauft das Unternehmen außerhalb Deutschlands?
TRIDELTA steht für eine ostdeutsche Industriegeschichte, die nicht mit Werksschließungen endet. Wenn Thüringen solche Unternehmen halten will, braucht es wettbewerbsfähige Energiepreise, verlässliche Genehmigungen und eine Berufsausbildung, die industrielle Spezialkenntnisse weitergibt.
Das Jubiläum in Hermsdorf erzählt deshalb eine seltene Erfolgsgeschichte: Aus einem traditionsreichen Keramikstandort wurde ein Hersteller von Schlüsselbauteilen für die moderne Energiewelt.
Quellen
TRIDELTA Weichferrite, Unternehmensdarstellung
Thüringer Landesregierung, Termin zum 80-jährigen Firmenjubiläum