Potsdam, 8. September 2026. Brandenburgs Exporte sind im ersten Halbjahr 2026 um acht Prozent auf 13,1 Milliarden Euro gestiegen. Besonders kräftig entwickelte sich der Handel mit Polen, dessen Warenbezug aus Brandenburg um mehr als ein Viertel zunahm.

Die neuen Zahlen zeigen ein wirtschaftlich stärkeres Bild, als es die zahlreichen Meldungen über Insolvenzen und Stellenabbau vermuten lassen. Allerdings konzentriert sich ein erheblicher Teil des Wachstums auf wenige Branchen und große Produktionsstandorte.

Polen wird immer wichtiger

Mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union erzielten Brandenburger Unternehmen einen Exportwert von 9,3 Milliarden Euro. Das waren 15,6 Prozent mehr als im ersten Halbjahr des Vorjahres.

Polen nahm dabei Waren im Wert von 2,7 Milliarden Euro ab. Der Wert der Ausfuhren in das Nachbarland stieg um 25,7 Prozent. Damit wird die wirtschaftliche Verflechtung entlang der Oder zu einem der wichtigsten Wachstumstreiber Brandenburgs.

Auch die Exporte in die Niederlande und nach Belgien legten deutlich zu. Für ein Land ohne große Seehäfen sind diese Verbindungen besonders wichtig, weil beide Staaten zentrale europäische Handels- und Logistikdrehscheiben besitzen.

Die Zahlen sprechen dafür, Brandenburg nicht länger nur als verlängerte Werkbank Berlins zu betrachten. Das Land ist Teil eines grenzüberschreitenden Wirtschaftsraums, dessen Bedeutung von der Lausitz bis zur Uckermark reicht.

Autos bleiben wichtigstes Exportgut

Kraftwagen und Kraftwagenteile bildeten mit einem Wert von 4,1 Milliarden Euro die größte Ausfuhrgruppe. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stieg der Wert um 9,6 Prozent.

Die Statistik ordnet die Exporte allerdings keinen einzelnen Unternehmen zu. Deshalb lässt sich aus den Landeszahlen nicht unmittelbar ablesen, welcher Anteil auf bestimmte Großbetriebe wie die Fahrzeugproduktion in Grünheide entfällt.

Auffällig ist auch das Wachstum bei Kokerei- und Mineralölerzeugnissen. Deren Exportwert stieg um 61,2 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Metalle erreichten einen Wert von 939 Millionen Euro und legten um 10,1 Prozent zu.

Gerade diese Zusammensetzung zeigt die Stärken und Risiken des Brandenburger Außenhandels. Autos, Mineralölerzeugnisse und Metalle sorgen für hohe Umsätze, reagieren aber empfindlich auf Energiepreise, Handelskonflikte und konjunkturelle Schwankungen.

Importe liegen weiterhin höher

Brandenburg führte im ersten Halbjahr Waren im Wert von 13,9 Milliarden Euro ein. Das waren 5,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Importe lagen damit um rund 800 Millionen Euro über den Exporten.

Besonders stark stiegen die Einfuhren aus den Vereinigten Staaten. Ihr Wert nahm um 54,1 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro zu. Die Importe aus China gingen dagegen um 13,7 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro zurück.

Polen blieb auch auf der Importseite ein zentraler Partner. Brandenburg bezog von dort Waren im Wert von 2,3 Milliarden Euro. Das entsprach einem Anstieg um 6,4 Prozent.

Bei den eingeführten Gütern lagen elektrische Ausrüstungen mit 2,1 Milliarden Euro vorn. Erdöl und Erdgas erreichten trotz eines Rückgangs einen Wert von 1,9 Milliarden Euro. Die Einfuhr von Kraftwagen und Fahrzeugteilen stieg um 16 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro.

Wachstum erreicht nicht automatisch alle Regionen

Ein steigender Exportwert bedeutet nicht zwangsläufig, dass entsprechend mehr Waren hergestellt oder zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen wurden. Auch veränderte Preise können den Wert des Außenhandels erhöhen. Für eine genaue Bewertung werden deshalb Produktionsmengen und Beschäftigtenzahlen benötigt.

Hinzu kommt die regionale Konzentration. Die Stärke weniger großer Betriebe kann die Landesbilanz erheblich verbessern, ohne dass Handwerker, Händler und mittelständische Unternehmen in allen Landkreisen davon gleichermaßen profitieren.

Die Landesregierung sollte daher offenlegen, welche Wirtschaftszweige neue Arbeitsplätze geschaffen haben und welcher Anteil des Exportwachstums auf Preisänderungen zurückgeht. Ebenso wichtig ist die Frage, wie kleinere Unternehmen stärker an den Lieferketten der großen Exporteure beteiligt werden können.

Brandenburg kann selbstbewusster auftreten

Trotz dieser Einschränkungen bleibt die Entwicklung bemerkenswert. Brandenburg verkauft deutlich mehr Waren ins Ausland und baut seine Stellung im europäischen Binnenmarkt aus. Vor allem die Verbindung zu Polen erweist sich als wirtschaftlicher Vorteil.

Statt den Osten ausschließlich über Strukturprobleme zu beschreiben, zeigt die Handelsbilanz ein Land mit wettbewerbsfähigen Industrieprodukten und wachsender internationaler Reichweite. Die Aufgabe besteht nun darin, diesen Erfolg breiter abzusichern.

Dazu gehören leistungsfähige Grenzübergänge, verlässliche Bahnstrecken, schnellere Genehmigungen und eine Energieversorgung zu international konkurrenzfähigen Preisen. Dann könnte aus dem derzeitigen Exportplus ein langfristiger Wachstumspfad für mehr Brandenburger Regionen entstehen.

Quellen

Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Außenhandel im ersten Halbjahr 2026