Schwedt, 7. September 2026. Mehr als eine halbe Milliarde Euro soll die geplante Anlage für synthetischen Flugkraftstoff am Industriestandort Schwedt kosten. Bund und Land haben dafür eine Förderung von 350 Millionen Euro bewilligt. Dennoch ist noch nicht endgültig entschieden, ob und wann das Werk gebaut wird.
Die abschließende Investitionsentscheidung soll nach Angaben des Projektentwicklers Zaffra erst Ende 2027 fallen. Der Produktionsbeginn ist für 2030 vorgesehen. Derzeit befindet sich das Projekt in der technischen Planungs- und Entwicklungsphase.
Mehr als 30.000 Tonnen Flugkraftstoff im Jahr
Geplant ist eine Produktionskapazität von mehr als 30.000 Tonnen sogenanntem eSAF pro Jahr. Die Abkürzung steht für „electro Sustainable Aviation Fuel“, also einen strombasierten nachhaltigen Flugkraftstoff.
Als Ausgangsstoffe sollen grüner Wasserstoff und biogenes Kohlendioxid verwendet werden. Das Kohlendioxid könnte unter anderem aus der benachbarten Papierproduktion von Leipa stammen. Die Nähe zur PCK-Raffinerie, zu Energieanlagen und vorhandenen Verkehrswegen gehört zu den wichtigsten Standortvorteilen.
Nach Angaben von Zaffra könnte die Anlage rund ein Viertel der für Deutschland erwarteten nationalen eSAF-Beimischungsmenge herstellen. Gegenüber herkömmlichem fossilem Kerosin sollen die Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus um mehr als 90 Prozent sinken. Dabei handelt es sich um eine Prognose des Projektentwicklers.
Förderung ist keine Baugarantie
Der Förderbescheid über 350 Millionen Euro wurde bereits im August 2025 erteilt. Der Bund trägt 70 Prozent, das Land Brandenburg 30 Prozent. Das Vorhaben war ursprünglich in Rüdersdorf vorgesehen und wurde später nach Schwedt verlegt.
Die Höhe der Unterstützung zeigt, welche industriepolitische Bedeutung Bund und Land dem Projekt beimessen. Gleichzeitig bleibt ein ungewöhnlich großer Teil des Gesamtvolumens von öffentlichen Mitteln abhängig.
Ein Förderbescheid bedeutet allerdings nicht, dass die gesamte Summe sofort ausgezahlt wird. Bei Industrieprojekten dieser Größenordnung ist die Auszahlung üblicherweise an Baufortschritt, Eigenmittel und weitere Bedingungen gebunden. Scheitert die endgültige Investitionsentscheidung, muss geprüft werden, welche vorbereitenden Kosten förderfähig waren und welche Mittel nicht abgerufen werden.
Wasserstoff und Abnehmer entscheiden über Erfolg
Zu den offenen Punkten gehört die Versorgung mit grünem Wasserstoff. Der Standort soll perspektivisch an das deutsche Wasserstoffkernnetz angeschlossen werden. Wann ausreichend Wasserstoff zu wettbewerbsfähigen Preisen verfügbar ist, bleibt jedoch eine zentrale wirtschaftliche Frage.
Auch der Absatz des synthetischen Kraftstoffs muss langfristig gesichert werden. Zaffra und der Energiehändler MB Energy haben dazu eine strategische Absichtserklärung geschlossen. Sie betrifft eine mögliche Abnahme und die Entwicklung einer Logistikkette. Ein langfristiger, verbindlicher Liefervertrag ist eine solche Vereinbarung noch nicht.
Gerade für eSAF-Anlagen ist dieser Unterschied entscheidend. Synthetischer Flugkraftstoff ist deutlich teurer als fossiles Kerosin. Investoren benötigen deshalb entweder langfristige Abnahmeverträge, verbindliche Beimischungsvorgaben oder weitere staatliche Absicherungen.
Bis zu 1.500 Arbeitsplätze während der Bauzeit
Die Projektpartner stellen bis zu 1.500 Arbeitsplätze während der Bauphase und rund 150 dauerhafte Stellen in Aussicht. Für Schwedt wäre das ein wichtiger Baustein beim Umbau des Industriestandortes nach dem Rückgang russischer Öllieferungen.
Das Projekt könnte zudem vorhandene Betriebe miteinander verbinden: Kohlendioxid aus der Papierproduktion, Wasserstoff aus erneuerbarer Energie, Raffinerieinfrastruktur und Kraftstofflogistik würden an einem Standort zusammengeführt.
Ob daraus tatsächlich eine neue industrielle Wertschöpfungskette entsteht, entscheidet sich jedoch erst in den kommenden Jahren. Bis Ende 2027 müssen Finanzierung, Wasserstoffversorgung, Abnahme und technische Planung so weit gesichert sein, dass die Projektgesellschaft den Bau verbindlich freigibt.
Die 350-Millionen-Euro-Förderung verschafft Schwedt eine große Chance. Sie ist aber noch kein Beleg dafür, dass 2030 tatsächlich synthetisches Kerosin aus der Uckermark geliefert wird.
Quelle:
Bundeswirtschaftsministerium: Förderung für den Standort Schwedt
Zaffra: Förderung und Planungsstand des eSAF-Projektes
Zaffra: Projektbeschreibung für Schwedt
MB Energy: Vereinbarung über Abnahme und Logistik