Nobitz, 7. September 2026. Der wochenlange Arbeitskampf beim Wärmetauscherhersteller Kelvion ist beendet. Die Beschäftigten des Werkes im Nobitzer Ortsteil Wilchwitz haben einem Sozialtarifvertrag zugestimmt. Die geplante Verlagerung der Produktion nach Sarstedt in Niedersachsen konnte die IG Metall jedoch nicht verhindern.
Nach Angaben der Gewerkschaft stimmten 80 Prozent der rund 230 gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten für das Verhandlungsergebnis. Vorausgegangen war ein knapp vierwöchiger unbefristeter Streik. Die IG Metall bezeichnet ihn als den ersten Arbeitskampf dieser Art in Ostthüringen seit 35 Jahren.
Abfindungen und Transferprogramm vereinbart
Der Sozialtarifvertrag sieht Abfindungen vor, die sich nach dem Lebensalter und der Dauer der Betriebszugehörigkeit richten. Beschäftigte bis zum Alter von 59 Jahren können nach Gewerkschaftsangaben bis zu 1,5 Monatsentgelte pro Beschäftigungsjahr erhalten. Für ältere Mitarbeiter gelten abgestufte Regelungen.
Hinzu kommen ein Transferprogramm, Zuschüsse zum Einkommen und ein Budget für Weiterbildungen. Betriebsbedingte Kündigungen sollen bis zum 31. Dezember 2026 ausgeschlossen bleiben. Auch das Streikgeld wurde im Rahmen der Einigung erhöht.
Damit werden die finanziellen Folgen der Werksschließung abgemildert. Eine dauerhafte industrielle Perspektive für den Standort ist mit dem Abschluss jedoch noch nicht gesichert.
IG Metall spricht von profitablem Werk
Besonders brisant ist die wirtschaftliche Begründung der Verlagerung. Nach Darstellung der IG Metall arbeitet das Werk in Wilchwitz profitabel. Zudem seien die Auftragsbücher bis in das kommende Jahr gefüllt. Eine nachvollziehbare Begründung für die Schließungsentscheidung sei der Belegschaft nicht vorgelegt worden.
In Wilchwitz entstehen Plattenwärmetauscher, die unter anderem in Wärmepumpen, Klimaanlagen, Windkraftanlagen und Rechenzentren verwendet werden. Kelvion produziert damit Komponenten für Märkte, denen angesichts von Energiewende, Digitalisierung und wachsendem Kühlbedarf grundsätzlich eine steigende Nachfrage vorausgesagt wird.
Auch das Argument niedrigerer Personalkosten erklärt den Schritt nach Darstellung der Gewerkschaft nicht. Die Entgelte am niedersächsischen Standort Sarstedt lägen teilweise deutlich über denen in Thüringen. Sollte diese Darstellung zutreffen, wäre die Verlagerung nicht mit einem einfachen Ost-West-Gefälle bei den Löhnen zu erklären.
Teilübernahme könnte Arbeitsplätze retten
Hoffnung gibt es durch Gespräche mit einem möglichen Industrieinvestor. Dieser soll nach Angaben der IG Metall Interesse daran haben, zumindest einen Teil des Standortes zu übernehmen. Wie viele Arbeitsplätze dadurch erhalten werden könnten, ist bislang offen. Auch der Name des Interessenten und die wirtschaftlichen Bedingungen einer möglichen Übernahme wurden nicht veröffentlicht.
Für die Region Altenburger Land ist diese Frage entscheidend. Ein vollständiger Produktionsabzug würde nicht nur Arbeitsplätze kosten. Verloren gingen auch technisches Wissen, regionale Wertschöpfung und Aufträge für örtliche Dienstleister und Zulieferer.
Der Sozialtarifvertrag verschafft den Beschäftigten eine finanzielle Absicherung. Er ersetzt jedoch keine industriepolitische Lösung. Ob in Wilchwitz auch 2027 noch Wärmetauscher produziert werden, hängt nun vor allem von den laufenden Investorengesprächen ab.
Quellen:
IG Metall: Arbeitskampf bei Kelvion
IG Metall Leipzig: Streik gegen die Verlagerung