Zwei Wissenschaftler, zwei Fachgebiete und ein gemeinsamer Blick über disziplinäre Grenzen: Die Universitätsmedizin Rostock hat ihre Fortbildungsreihe am Donnerstag, 10. September 2026, mit dem Physik-Nobelpreisträger Prof. Dr. Reinhard Genzel und dem Virologen Prof. Dr. Christian Drosten fortgesetzt. Rund 350 Beschäftigte, Auszubildende und Studierende nahmen an der Veranstaltung teil.

Organisiert wurde die Fortbildung von der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie. Während Genzel über massereiche Schwarze Löcher und deren Entwicklung sprach, beschäftigte sich Drosten mit Pandemien und Epidemien nach COVID-19. Damit trafen zwei Forschungsfelder aufeinander, die zunächst kaum Gemeinsamkeiten erkennen lassen.

Rostocker Fortbildung setzt auf fachübergreifenden Austausch

Die ungewöhnliche Zusammenstellung der beiden Vorträge war nach Angaben der Universitätsmedizin bewusst gewählt. Verantwortlich für das Programm war Prof. Dr. Sebastian Haas, stellvertretender Direktor der Klinik und Leiter der Perioperativen Anästhesie.

Wissenschaft lebe auch davon, sich mit Fragen zu beschäftigen, die weit vom eigenen Arbeitsgebiet entfernt erscheinen, erklärte Haas. Die Beiträge von Genzel und Drosten hätten gezeigt, wie unterschiedlich wissenschaftliche Fragestellungen sein können. Zugleich könne der Blick über die eigene Disziplin hinaus neue Erkenntnisse ermöglichen.

Die Fortbildungsreihe richtet sich nicht ausschließlich an Ärztinnen und Ärzte. Unter den rund 350 Teilnehmern befanden sich Beschäftigte aus medizinischen und administrativen Bereichen sowie Auszubildende und Studierende der Universitätsmedizin Rostock. Die Klinik will damit fachliche Weiterbildung und den Austausch zwischen verschiedenen Bereichen der Universitätsmedizin verbinden.

Reinhard Genzel erläutert Forschung zu Schwarzen Löchern

Reinhard Genzel widmete sich in seinem Vortrag dem Thema „Massereiche Schwarze Löcher: Evidenz und kosmologische Evolution“. Der Astrophysiker leitet die Abteilung für Infrarot- und Submillimeter-Astronomie am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching.

Genzel und seine Forschungsgruppe trieben Beobachtungen voran, mit denen die Existenz des Schwarzen Lochs Sagittarius A* im Zentrum der Milchstraße nachgewiesen wurde. Für diese Forschungsleistung erhielt er 2020 gemeinsam mit Andrea Ghez und Roger Penrose den Nobelpreis für Physik.

Zu den Untersuchungen gehörten hochpräzise Beobachtungen von Helligkeitsausbrüchen des Gases in der unmittelbaren Umgebung des Schwarzen Lochs. Die Forschenden registrierten außerdem eine Gravitationsrotverschiebung im Licht eines Sterns, der an dem extrem massereichen Objekt vorbeizog. Dieses Phänomen wird durch die starke Gravitation des Schwarzen Lochs verursacht.

Genzel beschrieb die Astrophysik als Verbindung von präziser Messung, theoretischer Erklärung und wissenschaftlicher Neugier. Auf dieser Grundlage könnten Erkenntnisse über Vorgänge gewonnen werden, die sich der unmittelbaren menschlichen Erfahrung entzögen.

Christian Drosten spricht über die Zeit nach COVID-19

Anschließend wechselte der wissenschaftliche Blick vom Zentrum der Milchstraße zu den Ursachen und Folgen von Pandemien und Epidemien. Christian Drosten hielt einen Vortrag unter dem Titel „Pandemien und Epidemien: eine Perspektive nach COVID-19“.

Drosten ist Direktor des Instituts für Virologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Virusinfektionen und deren Diagnostik. Während der COVID-19-Pandemie wurde er auch außerhalb der Fachwelt zu einem der bekanntesten Ansprechpartner für virologische Fragen in Deutschland.

Welche konkreten Einschätzungen Drosten zur Vorbereitung auf künftige Pandemien oder zum Umgang mit neuen Epidemien vorstellte, führt die Pressemitteilung der Universitätsmedizin nicht näher aus. Im Mittelpunkt der Ankündigung steht die Verbindung seines virologischen Blicks mit Genzels astrophysikalischer Forschung.

Rund 350 Teilnehmer an der Universitätsmedizin Rostock

Die Veranstaltung brachte nicht nur unterschiedliche Forschungsrichtungen, sondern auch verschiedene Berufs- und Ausbildungsgruppen der Universitätsmedizin zusammen. Beschäftigte aus der Medizin und der Verwaltung saßen gemeinsam mit Auszubildenden und Studierenden im Hörsaal.

Zum Kreis der anwesenden Vertreter der Universitätsmedizin gehörten Klinikdirektor Prof. Dr. Daniel Reuter, Dekan und Wissenschaftlicher Vorstand Prof. Dr. Bernd Krause sowie die Vorstandsvorsitzende und Ärztliche Vorständin Dr. Christiane Stehle. Gemeinsam mit Sebastian Haas begrüßten sie die beiden Gastreferenten in Rostock.

Mit dem Aufeinandertreffen von Astrophysik und Virologie setzte die Klinik ihre fachübergreifende Fortbildungsreihe fort. Sie soll nach Angaben der Universitätsmedizin nicht nur medizinisches Fachwissen vermitteln, sondern auch den Austausch über die Grenzen einzelner Disziplinen hinweg fördern.

Quelle: Universitätsmedizin Rostock, Pressemitteilung „Universitätsmedizin Rostock verbindet Astrophysik und Virologie in Fortbildungsreihe“, September 2026