Prof. Dr.-Ing. John Nassour ist neuer Lehrstuhlinhaber für Intelligente Systeme in der Medizin an der Universitätsmedizin Rostock. Er wechselte zum 15. August von der Technischen Universität München nach Rostock. Die Professur ist die erste Brückenprofessur zwischen Universitätsmedizin und Fakultät für Informatik und Elektrotechnik, die medizinische und technische Forschung dauerhaft verbinden soll.
Rostock verbindet Medizin mit KI und Robotik
Nassour forscht an intelligenten Robotersystemen, Künstlicher Intelligenz und weichen Assistenzsystemen für medizinische Anwendungen. Im Mittelpunkt stehen Technologien, die menschliche Bewegungen erkennen, interpretieren und gezielt unterstützen.
Die neue Professur soll medizinische Fragestellungen mit Informatik und Ingenieurwissenschaften zusammenführen. Die Universitätsmedizin ordnet die Berufung ihrem Forschungsschwerpunkt „HealthTech Medicine“ zu. Dort arbeiten Fachleute aus mehreren Disziplinen an neuen Technologien für Diagnostik, Therapie und Rehabilitation.
Soft-Hand-Exoskelett unterstützt Menschen mit Lähmungen
Internationale Aufmerksamkeit erhielt Nassour mit einem mitentwickelten Soft-Hand-Exoskelett. Der textile Spezialhandschuh erkennt mithilfe intelligenter Sensorik beabsichtigte Greifbewegungen von Menschen mit Lähmungen und unterstützt anschließend die Bewegung.
Als mögliches Einsatzgebiet nennt die Universitätsmedizin unter anderem Menschen mit der neurodegenerativen Erkrankung ALS. Das in „Nature Machine Intelligence“ veröffentlichte System verbindet Künstliche Intelligenz, Robotik und Neurowissenschaften und soll Forschung stärker in konkrete Rehabilitationsanwendungen übertragen.
Forschung soll im klinischen Alltag ankommen
Nassour will technische Systeme nach eigenen Angaben eng an den Bedürfnissen von Patientinnen und Patienten ausrichten. Intelligente Assistenzsysteme könnten medizinisches Personal entlasten und Menschen mit Bewegungseinschränkungen dabei unterstützen, verloren gegangene Fähigkeiten zurückzugewinnen.
Vor seinem Wechsel nach Rostock leitete er an der Technischen Universität München eine Forschungsgruppe. Dort koordinierte er unter anderem das Innovationsnetzwerk „Exoskeleton and Wearables Enhanced Prevention and Treatment“ sowie das vom Europäischen Forschungsrat geförderte Projekt „STROLL“ zur Entwicklung intelligenter Soft-Exoskelette.
Brückenprofessur soll Zusammenarbeit ausbauen
Die neue Professur schafft nach Angaben der Universität zusätzliche Möglichkeiten für gemeinsame Forschungsprojekte und die interdisziplinäre Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses.
Prof. Dr. Oliver Staadt, Dekan der Fakultät für Informatik und Elektrotechnik, sieht darin eine stärkere Verbindung zwischen technischen und medizinischen Kompetenzen. Auch Prof. Dr. Bernd Krause, Dekan und Wissenschaftlicher Vorstand der Universitätsmedizin Rostock, erwartet neue Impulse für Forschung und klinische Anwendungen.
Quelle: Universitätsmedizin Rostock