Rostock. Schussverletzungen, Explosionstraumata und massive Blutungen gehören in deutschen Kliniken nicht zum Alltag. Genau deshalb trainieren Ärzte an der Universitätsmedizin Rostock gezielt für solche Ausnahmesituationen.
Beim internationalen Acute Care in Trauma-Kurs, kurz ACT, wurden Chirurginnen und Chirurgen verschiedener Fachrichtungen vom 24. bis 26. September auf die Versorgung schwerster Verletzungen vorbereitet. Dazu gehörten ausdrücklich auch Verletzungsmuster, wie sie nach Schusswaffengebrauch oder Explosionen auftreten können. PM Innenminister Christian Pege…
Innenminister Christian Pegel besuchte die Fortbildung im Rudolf-Zenker-Institut für Experimentelle Chirurgie und informierte sich über die praktischen Übungen.
Seltene Verletzungen gezielt trainieren
Der Kern des Kurses liegt darin, Situationen zu üben, die im normalen Klinikbetrieb nur selten vorkommen.
Pegel betonte bei seinem Besuch, dass medizinisches Fachpersonal auf außergewöhnliche Gefahren- und Krisenlagen vorbereitet sein müsse. Der ACT-Kurs ermögliche es, Verletzungsmuster zu trainieren, die sich im täglichen Klinikbetrieb kaum realistisch darstellen lassen. PM Innenminister Christian Pege…
Dabei geht es nicht allein um chirurgische Techniken, sondern auch um Entscheidungen unter extremem Zeitdruck.
Training an Körperspendern und Tiermodellen
Die Ausbildung ist in mehrere praktische Phasen gegliedert.
Zunächst trainierten die Teilnehmer an Körperspendern chirurgische Zugänge zu Blutgefäßen. Diese Techniken können bei starken Blutungen entscheidend sein.
Anschließend folgte ein sogenanntes Live-Tissue-Training an narkotisierten Tiermodellen. Unter fachlicher Anleitung wurden dabei realitätsnahe Verletzungen behandelt. Die Szenarien reichten von einzelnen schweren Verletzungen bis hin zu komplexen Mehrfachtraumata. PM Innenminister Christian Pege…
Das Training soll Abläufe simulieren, die in einem normalen Operationssaal nur schwer oder gar nicht unter realistischen Bedingungen geübt werden können.
Kliniken müssen auf viele Verletzte vorbereitet sein
Prof. Dr. Sven Märdian, Direktor der Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, sieht darin einen wichtigen Bestandteil moderner Notfallmedizin.
Nach seiner Einschätzung müssen Kliniken nicht nur einzelne Schwerverletzte versorgen können. Auch Situationen mit einer größeren Zahl schwer verletzter Menschen müssen organisatorisch und medizinisch vorbereitet werden.
Dabei spielt auch das sogenannte Berliner Notfallsieb eine Rolle. Das Konzept wurde nach dem Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz entwickelt und soll ermöglichen, Verletzte unter hohem Zeitdruck möglichst effektiv und ressourcenschonend zu operieren. Märdian war an der Entwicklung beteiligt. PM Innenminister Christian Pege…
Nicht nur der einzelne Arzt zählt
Ein weiterer Schwerpunkt des ACT-Kurses liegt auf der Zusammenarbeit im gesamten Behandlungsteam.
Prof. Dr. Brigitte Vollmar, Direktorin des Rudolf-Zenker-Instituts für Experimentelle Chirurgie, verwies darauf, dass bei der Versorgung Schwerverletzter nicht nur einzelne medizinische Handgriffe sicher sitzen müssen.
Entscheidend sei, dass die Abläufe im gesamten Team funktionieren. Die Übungen waren deshalb so aufgebaut, dass medizinische Entscheidungen und operative Maßnahmen unter erheblichem Zeitdruck getroffen werden mussten. PM Innenminister Christian Pege…
Mehrere Kliniken arbeiten zusammen
An dem Training waren mehrere Einrichtungen der Universitätsmedizin Rostock beteiligt.
Unterstützt wurde der Kurs unter anderem vom Institut für Anatomie, vom Institut für Rechtsmedizin sowie von der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie.
Auch Anästhesie- und Operationstechnische Assistentinnen und Assistenten wirkten an der Fortbildung mit. PM Innenminister Christian Pege…
Damit bildet der Kurs nicht nur die chirurgische Versorgung ab, sondern das Zusammenspiel verschiedener medizinischer Fachbereiche.
Vorbereitung auf außergewöhnliche Lagen
Der ACT-Kurs zeigt, wie sich die medizinische Notfallvorsorge verändert.
Kliniken müssen heute nicht nur für klassische Verkehrsunfälle oder einzelne schwere Verletzungen gerüstet sein. Auch Anschläge, Explosionen oder andere außergewöhnliche Schadenslagen gehören zur Vorbereitung moderner Traumazentren.
Gerade weil solche Fälle selten auftreten, müssen Abläufe vorher trainiert werden.
In Rostock wird deshalb nicht erst im Ernstfall improvisiert. Das Personal soll bereits vorher wissen, welche Entscheidungen in wenigen Minuten getroffen werden müssen und wie verschiedene medizinische Teams gemeinsam handeln.