Die Zahl der Verfahren wegen einer möglichen Gefährdung des Kindeswohls ist in Brandenburg stark gestiegen. Im Jahr 2025 prüften die Jugendämter insgesamt 10.857 Verdachtsfälle. Das waren 27,7 Prozent mehr als im Vorjahr und damit ein deutlich stärkerer Zuwachs als im bundesweiten Durchschnitt.

Deutschlandweit nahm die Zahl der entsprechenden Prüfverfahren um rund zwölf Prozent zu. Fachleute führen den besonders deutlichen Anstieg in Brandenburg nicht ausschließlich auf mehr Gewalt oder Vernachlässigung zurück.

Bianka Klug, Expertin für Kinderschutz, sieht auch eine gewachsene Aufmerksamkeit in der Bevölkerung und bei beteiligten Einrichtungen als möglichen Grund. Hinweise würden heute möglicherweise schneller weitergegeben und konsequenter geprüft.

Jeder dritte Verdacht bestätigt sich

In ungefähr einem Drittel der untersuchten Fälle stellten die Jugendämter tatsächlich eine akute oder latente Kindeswohlgefährdung fest. Bei rund zwei Dritteln bestätigte sich der ursprüngliche Verdacht nicht.

Die hohe Zahl der nicht bestätigten Meldungen bedeutet aus Sicht von Fachleuten nicht, dass unnötig geprüft wurde. Jugendämter müssen Hinweisen nachgehen, um mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen und Kinder wirksam zu schützen.

Auffällig ist der Anteil anonymer Meldungen. In Brandenburg gingen etwa 16 Prozent der Verfahren auf Hinweise zurück, bei denen die meldende Person nicht bekannt war. In Berlin lag dieser Anteil bei ungefähr sechs Prozent.

Als mögliche Erklärung gelten Unterschiede zwischen ländlichen und städtischen Regionen. In kleineren Orten könnten Menschen aus Sorge vor persönlichen Konflikten eher anonym auf mögliche Probleme hinweisen.

Neues Landesgesetz stärkt Netzwerke

Seit August 2024 gilt in Brandenburg ein neues Kinder- und Jugendgesetz, das zum Jahresbeginn 2025 vollständig wirksam wurde. Es stärkt unter anderem Schutzkonzepte, die Zusammenarbeit verschiedener Stellen und regionale Netzwerke.

Auch diese Veränderungen könnten dazu beigetragen haben, dass mehr Verdachtsfälle gemeldet und erfasst wurden. Ob tatsächlich deutlich mehr Kinder gefährdet sind oder vor allem das Meldesystem besser funktioniert, lässt sich aus den Fallzahlen allein nicht ableiten.

Entscheidend bleibt, dass Jugendämter ausreichend Personal und Zeit für die Prüfungen besitzen. Denn hinter jeder Meldung steht die Aufgabe, eine mögliche Gefahr sorgfältig einzuschätzen und zugleich Familien nicht vorschnell zu verurteilen.

Quelle: Bericht vom 7. September 2026; Angaben zu den Prüfverfahren der brandenburgischen Jugendämter