Babys riechen für viele Eltern besonders angenehm, und dieser Geruchsbonus nimmt bis zur Pubertät deutlich ab, wie ein internationales Forschungsteam in mehreren Studien gezeigt hat.

Eltern bevorzugen den Geruch ihrer Babys

Für eine erste Studie aus dem Jahr 2017 befragten die Wissenschaftler 255 Mütter und Väter. Sie sollten den Körpergeruch ihres Kindes sowie den Geruch ihres Partners bewerten.

Der Geruch von Babys und Kleinkindern wurde von einer großen Mehrheit der Eltern als besonders angenehm wahrgenommen. In vielen Fällen fiel die Bewertung sogar positiver aus als beim Körpergeruch des Partners. Mit zunehmendem Alter des Kindes nahm diese Vorliebe jedoch deutlich ab.

Wie eng Eltern ihre Beziehung zum Kind einschätzten, hatte auf diesen Effekt keinen erkennbaren Einfluss. Die Wissenschaftler vermuten deshalb, dass die Wahrnehmung auch auf biologischen Mechanismen beruht.

Babygeruch aktiviert das Belohnungssystem

In weiteren Experimenten sammelte das Team Körpergerüche von mehr als 300 Kindern verschiedener Altersgruppen. Die Proben wurden Eltern und Menschen ohne eigene Kinder präsentiert. Einige Untersuchungen fanden während einer Messung im Magnetresonanztomografen statt.

Dabei zeigte sich, dass Babygeruch wichtige Bereiche des Belohnungssystems im Gehirn aktiviert. Der angenehme Geruch könnte somit dazu beitragen, Fürsorgeverhalten auszulösen und die Bindung zwischen Erwachsenen und kleinen Kindern zu stärken.

Die Ergebnisse erweitern das Konzept des sogenannten Kindchenschemas. Dieses beschrieb ursprünglich äußerliche Merkmale wie große Augen, runde Gesichter und kindliche Proportionen. Nach Ansicht der Forscher gehört auch der Körpergeruch zu den Signalen, die Babys besonders schutzbedürftig und anziehend erscheinen lassen.

Pubertät verändert die Wahrnehmung

Eltern erkennen und bevorzugen vor allem den Geruch ihres eigenen Kindes. Während der Pubertät verändert sich diese Wahrnehmung jedoch erheblich. In den Untersuchungen bewerteten Mütter den Geruch ihrer Söhne und Väter den Geruch ihrer Töchter teilweise besonders ablehnend.

Nach der Pubertät schwächt sich dieser Effekt wieder ab. Eltern gewöhnen sich erneut an den veränderten Körpergeruch ihrer Kinder und können ihn wieder bevorzugen.

Körpergerüche transportieren nach Einschätzung des Forschungsteams biologische und soziale Informationen. Diese Signale könnten Nähe, Bindung und familiäres Verhalten beeinflussen, ohne dass sie den Beteiligten bewusst sind.

Ig-Nobelpreis wird erstmals in Europa verliehen

Für die ungewöhnliche Forschungsreihe erhalten Ilona Croy von der Universität Jena, Tomasz Frackowiak, Thomas Hummel und Agnieszka Sorokowska den Ig-Nobelpreis. Beteiligt sind Forschende aus Jena, Dresden und Wrocław.

Der Preis würdigt wissenschaftliche Arbeiten, die zunächst unterhalten und anschließend zum Nachdenken anregen. Jedes Jahr werden zehn Forschungsprojekte aus Tausenden Vorschlägen ausgewählt.

Die Preisverleihung fand am 3. September 2026 im Kongresshaus Zürich statt. Erstmals in der Geschichte des Ig-Nobelpreises wurde die Veranstaltung in Europa ausgerichtet. Zuvor hatte sie 35 Jahre lang in Cambridge oder Boston in den USA stattgefunden.

Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena