Cottbus/Köln, 8. September 2026. Der wegen mutmaßlicher Sabotageakte an der deutschen Stromversorgung gesuchte Daniel V. ist festgenommen worden. Die Festnahme des 48-Jährigen wurde am Dienstagmittag bekannt. Weitere Einzelheiten wollen die Ermittlungsbehörden auf einer Pressekonferenz mitteilen.
Nach Daniel V. war seit mehreren Tagen öffentlich gesucht worden. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen Angriffen auf Umspannwerke und Hochspannungsleitungen in Brandenburg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen. Welche konkreten Taten dem Festgenommenen zugerechnet werden können, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
Für Daniel V. gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.
Festnahme beendet tagelange Fahndung
Noch am Dienstagmorgen suchten zahlreiche Polizeikräfte das Gelände rund um das Kraftwerk Weisweiler in Nordrhein-Westfalen ab. Dabei kamen auch eine Drohne mit Wärmebildkamera und Spezialisten für die Entschärfung gefährlicher Gegenstände zum Einsatz.
Am Montag waren in der Nähe von Hochspannungsleitungen mehrere Abschussvorrichtungen entdeckt worden. An einer dieser Vorrichtungen fanden die Ermittler ein weiteres Schreiben. Zu dessen Inhalt machten sie aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben.
Kurz nach 12 Uhr wurde schließlich die Festnahme von Daniel V. bekannt. Wo und unter welchen Umständen der Zugriff erfolgte, war zunächst nicht offiziell mitgeteilt worden. Ebenso blieb offen, ob der Mann bereits einem Haftrichter vorgeführt wurde.
Sabotage in Brandenburg löste Ermittlungen aus
Der Fall hat einen unmittelbaren Bezug zu Ostdeutschland. Am 1. September waren Stromleitungen nahe dem Umspannwerk Turnow-Preilack im Landkreis Spree-Neiße beschädigt worden. Die Anlage befindet sich in der Nähe des Kraftwerks Jänschwalde.
Nach den bisherigen Ermittlungen sollen selbst gebaute Vorrichtungen eingesetzt worden sein, um leitfähiges Material über Hochspannungsleitungen zu schießen. Dadurch sollten Kurzschlüsse ausgelöst werden. In zwei Fällen gelang dies offenbar. Ein Kraftwerksblock in Jänschwalde schaltete sich infolge der Störung ab.
Die allgemeine Stromversorgung blieb nach Angaben der Bundesnetzagentur stabil. Dennoch zeigte der Angriff, wie gezielte Eingriffe an wenigen Punkten Auswirkungen auf Kraftwerke und Stromnetze haben können.
Auch in Sachsen werden mögliche Zusammenhänge mit verdächtigen Funden an Anlagen der Energieversorgung untersucht. Welche sächsischen Vorfälle Daniel V. konkret zur Last gelegt werden könnten, haben die Behörden bislang nicht abschließend erklärt.
Bekennerschreiben führten zu Daniel V.
Auf die Spur des 48-Jährigen kamen die Ermittler durch mehrere Bekennerschreiben. Der mutmaßliche Verfasser hatte darin persönliche Angaben gemacht und technische Einzelheiten zu den Vorrichtungen beschrieben.
Die Behörden prüfen, ob die Schreiben tatsächlich von Daniel V. stammen und ob die darin enthaltenen Angaben mit den Spuren an den Tatorten übereinstimmen. Dass ein Schreiben mit einem Namen versehen ist, beweist für sich allein noch keine Täterschaft.
Am 4. September durchsuchten Einsatzkräfte ein Wohnhaus in Gevelsberg, an dem der Tatverdächtige gemeldet war. Dort trafen sie ihn nicht an. Später fanden Spezialkräfte im Kreis Düren einen zum Wohnmobil umgebauten Lastwagen, der dem Gesuchten zugeordnet wurde.
Bei der Durchsuchung des Fahrzeugs stellte die Polizei umfangreiche Beweismittel sicher, darunter Pyrotechnik. Der Lastwagen wurde anschließend kriminaltechnisch untersucht. Die Polizei ging zeitweise davon aus, dass Daniel V. zu Fuß oder mit einem Fahrrad unterwegs sein könnte.
Ermittlungsgruppe prüft weitere mögliche Tatorte
Eine rund 60 Personen umfassende Ermittlungsgruppe wertet Zeugenaussagen, Bildmaterial und sichergestellte Unterlagen aus. Geprüft wird, ob Daniel V. für weitere Vorfälle an Einrichtungen der kritischen Infrastruktur verantwortlich sein könnte.
Zu klären ist auch, ob der Tatverdächtige allein handelte oder Unterstützung erhielt. Bislang haben die Ermittler keine abschließenden Angaben zu möglichen Helfern oder Hintermännern gemacht.
Ebenfalls offen ist, welche Straftatbestände die Staatsanwaltschaft dem 48-Jährigen konkret vorwirft. Entscheidend wird sein, ob ihm einzelne Vorrichtungen, Schreiben und Tatorte zweifelsfrei zugeordnet werden können.
Schutz der Stromversorgung rückt in den Mittelpunkt
Unabhängig von der strafrechtlichen Verantwortung wirft die Serie grundsätzliche Sicherheitsfragen auf. Umspannwerke, Freileitungen und Kraftwerksanschlüsse liegen häufig außerhalb geschlossener Ortschaften. Eine lückenlose Bewachung sämtlicher Anlagen ist kaum möglich.
Der Fall zeigt zugleich, dass vergleichsweise einfache Vorrichtungen ausreichen können, um erhebliche Polizeieinsätze auszulösen und Teile der Energieversorgung zu beeinträchtigen. Neben der Aufklärung der Taten dürfte deshalb untersucht werden, wie besonders gefährdete Anlagen besser überwacht und geschützt werden können.
Mit der Festnahme ist die Fahndung nach Daniel V. beendet. Die Aufarbeitung der mutmaßlichen Sabotageserie beginnt jedoch erst.
Stand des Artikels: 8. September 2026, 12.30 Uhr
Quelle: PP Pressestelle