Dresden, 6. September 2026. Waschbären breiten sich in Sachsen weiter aus. Im Landtag prallen unterschiedliche Konzepte aufeinander, weil die bisherige Bejagung den Bestand offenbar nicht verringert hat.
Die aus Nordamerika stammenden Tiere haben längst auch sächsische Städte und Dörfer erobert. Sie öffnen Mülltonnen, dringen in Dachböden ein und plündern Gärten. In der freien Natur können sie Nester ausräumen und damit regional zur Gefahr für Vögel und Amphibien werden.
Im Ausschuss für Umwelt und Landwirtschaft des Sächsischen Landtags haben Sachverständige über den Umgang mit der wachsenden Waschbärpopulation beraten. Zur Diskussion stehen eine stärkere Bejagung, Sterilisationen sowie vorbeugende Maßnahmen an Gebäuden und Müllplätzen.
Waschbären verursachen Schäden an Gebäuden
Für Hauseigentümer beginnt das Problem häufig auf dem Dach. Waschbären sind gute Kletterer und nutzen beschädigte Dachziegel, offene Luken oder andere Zugänge. Haben sie sich auf einem Dachboden eingerichtet, können sie Dämmmaterial zerstören und erhebliche Verunreinigungen hinterlassen.
Auch leicht zugängliche Mülltonnen, Komposthaufen und Futterstellen ziehen die Tiere an. Waschbären merken sich ergiebige Futterplätze und kehren regelmäßig zurück. Fachleute empfehlen deshalb, Abfallbehälter zu sichern, Fallobst schnell zu entfernen und Tierfutter nicht über Nacht im Freien stehen zu lassen.
Einzelne Tiere zu vertreiben, löst das Problem nur vorübergehend. Bleiben Zugänge und Nahrungsquellen bestehen, können andere Waschbären den frei gewordenen Lebensraum übernehmen.
Jagd hat den Bestand bislang nicht verringert
Die AfD-Fraktion fordert ein wirksameres Bestandsmanagement und finanzielle Anreize für Jäger. Besonders der Einsatz von Fallen sei aufwendig und teuer. Nach Auffassung der Fraktion müsse das Land die Bejagung stärker unterstützen und deren Erfolg genauer kontrollieren.
Nach den in der Anhörung genannten Zahlen wurden in Sachsen in den 1990er-Jahren teilweise nur sechs Waschbären im Jahr erlegt. Zuletzt waren es etwa 27.000 Tiere. Trotzdem ist keine Verringerung des Bestandes erkennbar.
Mehrere Sachverständige erklärten deshalb, dass die bisherige Jagd nicht ausreiche, um die Population dauerhaft einzudämmen. Waschbären könnten Verluste durch Nachwuchs ausgleichen. Eine flächendeckende Berufsjagd wäre nach Einschätzung der Experten zudem teuer.
Grüne schlagen Sterilisationen vor
Bündnis 90/Die Grünen will gefangene Waschbären sterilisieren und anschließend wieder aussetzen lassen. Dadurch könnten Tiere weiterhin ihre Reviere besetzen, ohne sich zu vermehren. Die Fraktion verbindet diesen Vorschlag mit Modellprojekten und einer stärkeren Beratung der Bevölkerung.
Die Regionalbeauftragte des Deutschen Tierschutzbundes, Vanessa Homann, sprach sich in der Anhörung für ein Maßnahmenbündel aus. Neben möglichen Sterilisationen gehe es darum, Mülltonnen, Dachböden, Nistplätze und andere gefährdete Bereiche besser zu sichern.
Sachsens Umwelt- und Landwirtschaftsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch von der CDU bezweifelt dagegen, dass Sterilisationen flächendeckend umsetzbar sind. Aus seiner Sicht sind sowohl die praktische Durchführung als auch Fragen des Tierwohls ungeklärt. Bis auf Weiteres setzt der Minister deshalb auf die Bejagung.
Sachsen braucht ein überprüfbares Konzept
Die Anhörung zeigt, dass eine einzelne Maßnahme kaum ausreichen wird. Abschüsse haben den Bestand bislang nicht erkennbar gesenkt. Eine groß angelegte Sterilisation wäre aufwendig, teuer und müsste zunächst wissenschaftlich begleitet werden.
Kurzfristig können vor allem vorbeugende Maßnahmen helfen. Städte, Vermieter und Hauseigentümer können Zugänge zu Gebäuden schließen und vermeidbare Nahrungsquellen beseitigen. Für Naturschutzgebiete kommen zusätzlich gesicherte Nisthilfen und ein gezielter Schutz gefährdeter Arten infrage.
Offen bleibt, welches Konzept der Sächsische Landtag aus der Expertenanhörung entwickelt. Entscheidend wird sein, Ziele festzulegen und die Wirkung der Maßnahmen regelmäßig zu prüfen. Ohne verlässliche Daten lässt sich weder die Jagd noch eine Sterilisationsstrategie seriös bewerten.
Quelle: Anhörung im Ausschuss für Umwelt und Landwirtschaft des Sächsischen Landtags