Cottbus soll zu einem wichtigen Forschungsstandort für Künstliche Intelligenz und Mikroelektronik ausgebaut werden. Am Samstag, 12. September 2026, wird das erste Modul einer neuen Forschungs- und Innovationsfabrik offiziell gestartet. Der Bund unterstützt das Projekt AI-DISCO mit 15 Millionen Euro.

KI soll direkt an der Datenquelle arbeiten

AI-DISCO steht für „Edge Cloud AI for Distributed Sensing and Computing“. Ziel ist es, Anwendungen zu entwickeln, bei denen Daten möglichst nah an ihrem Entstehungsort verarbeitet werden.

Bisher werden große Datenmengen häufig an zentrale Rechenzentren übertragen. Das benötigt Zeit, Übertragungskapazität und Energie. Sogenannte Edge-Systeme übernehmen einen Teil der Berechnungen unmittelbar in Sensoren, Maschinen oder lokalen Geräten.

Solche Lösungen sind für Anwendungen wichtig, bei denen schnelle Reaktionen erforderlich sind. Dazu gehören industrielle Anlagen, Energieversorgung, intelligente Verkehrssysteme, medizinische Geräte und der Schutz kritischer Infrastruktur.

Forschungsinstitute und Unternehmen arbeiten zusammen

Die Leitung des Projekts übernimmt das Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik IHP. Beteiligt sind außerdem die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, das Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme und das Leibniz-Institut für Neurobiologie.

Auch Unternehmen wirken an dem Vorhaben mit. Zu den Industriepartnern gehören ABB, Enertrag und Perinet. Dadurch sollen wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in konkrete Anwendungen und marktfähige Produkte übertragen werden.

Die offene Plattform richtet sich nicht nur an große Konzerne. Auch regionale Unternehmen sollen neue Technologien erproben und für eigene Produkte oder Produktionsprozesse nutzen können.

Energieeffiziente Chips für neue Anwendungen

Ein Schwerpunkt liegt auf besonders energieeffizienter Hardware. Künstliche Intelligenz benötigt erhebliche Rechenleistung. Werden Daten dauerhaft an entfernte Rechenzentren übertragen, steigen Energieverbrauch und Anforderungen an die Netze.

Kompakte KI-Beschleuniger sollen Berechnungen direkt in Geräten ermöglichen. Dazu können Sensoren gehören, die Maschinen überwachen, Obst auf seinen Reifegrad untersuchen oder Unregelmäßigkeiten in technischen Anlagen erkennen.

Auch die Verbindung von Sensorik und Kommunikation spielt eine Rolle. Künftige Anwendungen im Bereich 6G könnten Daten erfassen, übertragen und gleichzeitig auswerten. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten für Industrie, Mobilität und Energieversorgung.

Erstes Modul einer größeren Forschungsfabrik

AI-DISCO ist als erstes Modul einer langfristig angelegten Forschungs- und Innovationsfabrik konzipiert. Weitere Bausteine sollen später zusätzliche Themen an der Schnittstelle zwischen KI und Mikroelektronik bearbeiten.

Denkbar sind unter anderem Künstliche Intelligenz für die Chipfertigung, neue Verfahren für den Entwurf von Schaltungen und Algorithmen sowie besonders leistungsfähige Systeme für zeitkritische Anwendungen.

Die modulare Struktur ermöglicht es, das Vorhaben schrittweise zu erweitern. Neue Forschungspartner und Unternehmen können je nach Aufgabenstellung eingebunden werden.

Cottbus soll vom Strukturwandel profitieren

Das Projekt ist zugleich Teil des Strukturwandels in der Lausitz. Neben neuen Behörden und Verkehrsinvestitionen sollen Forschung, Technologie und Unternehmensansiedlungen langfristige Arbeitsplätze schaffen.

Cottbus verfügt mit der BTU und mehreren Forschungseinrichtungen bereits über wichtige Grundlagen. Die neue Fabrik soll diese Kompetenzen bündeln und die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft vereinfachen.

Zur offiziellen Auftaktveranstaltung am Samstag wird Brandenburgs Wissenschaftsministerin Manja Schüle erwartet. Der Start des ersten Moduls markiert den Übergang von der Planung in die konkrete Forschungsarbeit.

Für die Region besteht die Chance, nicht nur einzelne Projekte anzusiedeln, sondern ein dauerhaftes Netzwerk für KI und Mikroelektronik aufzubauen. Entscheidend wird sein, ob aus den Forschungsergebnissen neue Produkte, Unternehmensgründungen und zusätzliche qualifizierte Arbeitsplätze in der Lausitz entstehen.

Quellen

Fraunhofer IPMS, Pressemitteilung zur Forschungs- und Innovationsfabrik, 9. März 2026; IHP – Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik; Landesregierung Brandenburg, Termininformation vom 11. September 2026