In Dresden beginnt ein neues Kapitel für die internationale Luftfahrt: Die Elbe-Flugzeugwerke statten erstmals weltweit einen Airbus A330 mit einer künstlichen Haifischhaut aus. Die hauchdünne AeroSHARK-Folie soll den Luftwiderstand verringern und dadurch auf jedem Flug Kerosin sowie Kohlendioxid einsparen.
Bei der Maschine handelt es sich um einen Airbus A330-300 der Lufthansa-Tochter Discover Airlines. Das Flugzeug dient zunächst der abschließenden Erprobung und Zertifizierung der Technologie.
Vor und nach dem Umbau bei den Elbe-Flugzeugwerken sind über mehrere Wochen Testflüge vorgesehen. Mit den Ergebnissen will Lufthansa Technik die Zulassung für die Airbus-Modelle A330-200 und A330-300 erreichen.
Mikroskopische Rillen verändern den Luftstrom
Das Vorbild für die Technologie stammt aus der Natur. Haifischhaut besitzt feine Rillen, die in Strömungsrichtung verlaufen. Sie verringern den Reibungswiderstand und sorgen dafür, dass Wasser günstiger am Körper des Tieres vorbeiströmt.
AeroSHARK überträgt dieses Prinzip auf Flugzeuge. Auf der Folie befinden sich nur ungefähr 50 Mikrometer hohe Rillen. Sie werden exakt in Richtung des Luftstroms ausgerichtet.
Die Spezialfolie wird auf Teilen des Rumpfes und auf den Verkleidungen der Triebwerke angebracht. Dadurch soll der Luftwiderstand während des Fluges sinken.
Entwickelt wurde die Technologie von Lufthansa Technik und dem Oberflächenspezialisten Surventis, der früher zu BASF Coatings gehörte.
Rund ein Prozent weniger Treibstoff
Nach Angaben von Lufthansa Technik senkt die bisherige Ausführung den Treibstoffverbrauch und den CO₂-Ausstoß um ungefähr ein Prozent. Bei einem einzelnen Flug wirkt dieser Wert zunächst gering. Über Tausende Langstreckenflüge summiert sich die Einsparung jedoch erheblich.
Bis August 2026 hatte die Lufthansa Group bereits 22 Flugzeuge mit AeroSHARK ausgerüstet. Dabei handelt es sich bislang um verschiedene Varianten der Boeing 777.
Nach Unternehmensangaben spart diese Flotte täglich rund 19 Tonnen Kerosin und etwa 60 Tonnen Kohlendioxid. Die Angaben stammen vom Unternehmen und sind Teil der eigenen Berechnungen zur Technologie.
Künftig soll die Folie auch auf weiteren Bereichen wie Tragflächen und Leitwerken eingesetzt werden. Dadurch könnte sich das bisherige Einsparpotenzial nach Einschätzung der Entwickler verdoppeln.
Dresden übernimmt entscheidenden Umbau
Dass der weltweit erste entsprechend ausgerüstete Airbus A330 in Dresden entsteht, stärkt die Bedeutung der Elbe-Flugzeugwerke für die internationale Luftfahrtindustrie.
Das Unternehmen verfügt über Erfahrung bei der Wartung und Umrüstung großer Passagierflugzeuge. Die Installation der Folie verlangt hohe Präzision, da die feinen Rillen exakt zum jeweiligen Luftstrom ausgerichtet werden müssen.
Der Umbau ist zudem Teil eines aufwendigen Zulassungsverfahrens. Veränderungen an einem Verkehrsflugzeug müssen umfangreich dokumentiert und unter realen Bedingungen geprüft werden.
Die Europäische Agentur für Flugsicherheit muss bestätigen, dass die Technik alle Anforderungen an Betriebssicherheit, Haltbarkeit und Leistung erfüllt. Erst danach kann AeroSHARK regulär für weitere Airbus-Flugzeuge angeboten werden.
Technologie ersetzt keine klimaneutralen Treibstoffe
Die Spezialfolie kann den Verbrauch bestehender Flugzeuge reduzieren, macht den Luftverkehr aber nicht klimaneutral. Langfristig setzt die Branche zusätzlich auf effizientere Triebwerke, leichtere Flugzeuge und alternative Kraftstoffe.
AeroSHARK besitzt dennoch einen praktischen Vorteil: Die Folie kann auch auf Flugzeuge aufgebracht werden, die bereits seit Jahren im Einsatz sind. Fluggesellschaften müssen nicht auf eine vollständig neue Flugzeuggeneration warten.
Verläuft die Zertifizierung erfolgreich, könnten zahlreiche Airbus A330 nachgerüstet werden. Das Modell gehört weltweit zu den am häufigsten eingesetzten Langstreckenflugzeugen. Die Dresdner Weltpremiere könnte damit der Beginn eines deutlich größeren Marktes werden.
Quelle: Lufthansa Technik, Presseinformation vom 9. September 2026