Mit einem symbolischen ersten Spatenstich hat in Dresden die Erweiterung und Sanierung des Sächsischen Landtags begonnen. Für die Bauarbeiten sind rund 320 Millionen Euro vorgesehen. Hinzu kommt eine Risikovorsorge von fast 130 Millionen Euro. Insgesamt könnte das Vorhaben damit etwa 450 Millionen Euro kosten.
Landtagspräsident Alexander Dierks und Finanzminister Christian Piwarz gaben am 9. September 2026 den offiziellen Startschuss. Die Arbeiten sollen sich über rund elf Jahre erstrecken. Nach der gegenwärtigen Planung wird der gesamte Gebäudekomplex 2037 fertiggestellt.
Der Landtag begründet das umfangreiche Projekt mit veralteter Gebäudetechnik, notwendigen Verbesserungen beim Brandschutz und fehlender Barrierefreiheit. Außerdem reichen die vorhandenen Räume für Abgeordnete, Beschäftigte, Ausschüsse und Besucher nicht mehr aus.
Neue Gebäude sollen bis 2030 entstehen
Auf der Elbseite ist zunächst ein zusätzlicher Bau mit Büros und einem neuen Technikzentrum vorgesehen. Ein weiterer Gebäudeteil soll im Innenhof entstehen. Die Neubauten sollen nach derzeitigem Zeitplan bis 2030 fertiggestellt werden.
Anschließend beginnt die schrittweise Sanierung der bestehenden Gebäude. Der parlamentarische Betrieb soll während der gesamten Bauzeit weiterlaufen. Sitzungen des Landtags und seiner Ausschüsse müssen deshalb mit den einzelnen Bauabschnitten abgestimmt werden.
Zum Projekt gehört außerdem ein neues Besucherzentrum. Weitere Räume sind für öffentliche Ausschusssitzungen geplant. Dadurch sollen mehr Bürgerinnen und Bürger parlamentarische Beratungen unmittelbar verfolgen können.
Viele Beschäftigte arbeiten derzeit in Mietobjekten
Ein großer Teil der Landtagsbeschäftigten ist gegenwärtig außerhalb des Parlamentsgebäudes untergebracht. Nach Angaben des Landtags arbeiten etwa zwei Drittel bis drei Viertel der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in zusätzlich angemieteten Räumen.
Mit der Erweiterung sollen diese Arbeitsplätze wieder am Landtag zusammengeführt werden. Abgeordnete, Fraktionen und Verwaltung könnten dadurch enger an einem Standort zusammenarbeiten. Zugleich sollen langfristig Ausgaben für angemietete Büroflächen sinken.
Wie hoch diese Einsparungen tatsächlich ausfallen werden, steht bislang nicht fest. Den laufenden Mietkosten stehen die hohen Investitionen für Neubau, Sanierung und moderne Gebäudetechnik gegenüber.
Bund der Steuerzahler hinterfragt den Umfang
Der Bund der Steuerzahler erkennt den grundsätzlichen Sanierungsbedarf an, stellt aber den Umfang des Bauvorhabens infrage. Besonders die zusätzlichen Gebäude und die daraus entstehenden Kosten müssten während der gesamten Bauzeit regelmäßig überprüft werden.
Die geplante Risikovorsorge von knapp 130 Millionen Euro soll mögliche Preissteigerungen, Verzögerungen und unerwartete Schwierigkeiten abdecken. Das Geld wird nicht automatisch vollständig ausgegeben, gehört jedoch zum finanziellen Rahmen des Projekts.
Landtagspräsident Dierks hält diese Vorsorge für notwendig, um bestehende Kostenrisiken von Anfang an transparent darzustellen. Er zeigte sich zugleich überzeugt, dass auch ein öffentliches Großprojekt wirtschaftlich umgesetzt werden könne.
Endgültige Kosten stehen erst 2037 fest
Wegen der langen Bauzeit ist die Kostenentwicklung nur schwer vorhersehbar. Preise für Baumaterialien, Löhne, technische Anforderungen und gesetzliche Vorgaben können sich bis 2037 erheblich verändern.
Landtag und Finanzministerium stehen deshalb vor der Aufgabe, Ausgaben und Baufortschritt kontinuierlich zu kontrollieren. Bei jeder Planungsänderung muss geprüft werden, ob zusätzliche Kosten tatsächlich notwendig sind.
Der Umbau gehört zu den größten öffentlichen Bauprojekten im Freistaat Sachsen. Neben der notwendigen Modernisierung wird daher vor allem die Frage im Mittelpunkt stehen, ob Kosten, Umfang und Nutzen dauerhaft in einem vertretbaren Verhältnis bleiben.
Quelle: Sächsischer Landtag; Sächsisches Staatsministerium der Finanzen