Mecklenburg-Vorpommerns Landesregierung und die Umweltorganisation Greenpeace fordern ein entschlosseneres Vorgehen gegen Tanker der sogenannten russischen Schattenflotte. Zahlreiche Schiffe sollen inzwischen eine südliche Route durch die Ostsee nutzen und dabei die deutsche Küste in der Nähe Rügens passieren.
Innenminister Christian Pegel erklärte, dass sich mögliche verschärfte Maßnahmen des Bundes besonders gegen technisch überalterte und unzureichend versicherte Öltanker richten sollten. Ein schweres Unglück könnte Natur, Fischerei und Tourismus an der Ostseeküste dauerhaft schädigen.
Als besonders problematisch gelten ältere Schiffe mit nur einer Außenhülle. Wird diese bei einer Kollision oder Grundberührung beschädigt, kann Öl unmittelbar ins Meer gelangen. Doppelhüllentanker besitzen dagegen eine zusätzliche Schutzschicht.
Deutlich mehr Tanker vor der deutschen Küste
Nach einer Auswertung von Greenpeace nutzten zwischen dem 6. März und dem 16. Juni 2026 insgesamt 42 von 136 untersuchten Schattentankern eine Route entlang der deutschen Ostseeküste. Im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres sei dort keines dieser Schiffe registriert worden.
Die Umweltorganisation führt die Entwicklung unter anderem auf strengere Kontrollen anderer Ostseeanrainer zurück. Nachdem Schweden seine Maßnahmen verstärkt habe, sollen mehr Tanker auf die südliche Route ausgewichen sein.
Dieser Seeweg führt durch oder nahe deutsche Gewässer und damit auch an Mecklenburg-Vorpommern vorbei. Besonders Rügen liegt in der Nähe wichtiger Schifffahrtsrouten zwischen der östlichen Ostsee, den dänischen Meerengen und der Nordsee.
Alte Schiffe und ungeklärter Versicherungsschutz
Als russische Schattenflotte wird eine große Zahl von Tankern bezeichnet, die trotz westlicher Sanktionen russisches Erdöl transportieren. Viele dieser Schiffe fahren unter wechselnden Flaggen und weisen schwer nachvollziehbare Eigentümerstrukturen auf.
Teilweise bestehen Zweifel, ob der angegebene Versicherungsschutz bei einem schweren Unfall tatsächlich ausreichen würde. Falls ein Betreiber oder Eigentümer nicht eindeutig ermittelt werden kann, drohen langwierige Auseinandersetzungen über die Kosten einer Bergung und die Beseitigung von Umweltschäden.
Ein größerer Ölunfall könnte Strände, Boddengewässer und geschützte Lebensräume erreichen. Seevögel, Fische und andere Meerestiere wären unmittelbar gefährdet. Wind und Strömung könnten ausgelaufenes Öl innerhalb kurzer Zeit über weite Teile der Küste verteilen.
Tourismus auf Rügen wäre unmittelbar betroffen
Neben den Folgen für die Natur wären auch erhebliche wirtschaftliche Schäden zu erwarten. Der Tourismus gehört zu den wichtigsten Einnahmequellen Mecklenburg-Vorpommerns. Gesperrte oder verschmutzte Strände könnten Hotels, Gaststätten, Hafenbetriebe und zahlreiche weitere Unternehmen treffen.
Die Bekämpfung einer Ölpest auf See ist aufwendig. Spezialschiffe und Ölsperren können die Ausbreitung begrenzen, eine vollständige Beseitigung der Schäden jedoch nicht garantieren. In der Ostsee kommt der begrenzte Wasseraustausch mit der Nordsee hinzu.
Deutschland überwacht verdächtige Schiffe bislang unter anderem aus der Luft und mit Einsatzfahrzeugen auf See. In bestimmten Fällen werden Tanker begleitet oder überprüft. Eine Festsetzung ist nur auf einer belastbaren rechtlichen Grundlage möglich.
Bund soll Kontrollen besser abstimmen
Pegel fordert eine engere Zusammenarbeit zwischen dem Bund, den Küstenländern und den übrigen Ostseeanrainern. Dabei müsse geklärt werden, welche Schiffe bei technischen Mängeln, fehlenden Papieren oder unzureichendem Versicherungsschutz an der Weiterfahrt gehindert werden können.
Greenpeace verlangt häufigere Kontrollen von Flagge, Eigentumsverhältnissen und Versicherungsnachweisen. Die Maßnahmen der Ostseeanrainer müssten aufeinander abgestimmt werden, damit verdächtige Tanker nicht einfach auf weniger kontrollierte Routen ausweichen.
Für Mecklenburg-Vorpommern geht es dabei sowohl um die Durchsetzung bestehender Sanktionen als auch um den Schutz der eigenen Küste. Die steigende Zahl der Tanker auf der südlichen Route erhöht den Druck auf Bund und Länder, zusätzliche Maßnahmen zu prüfen.
Quelle: Greenpeace, Auswertung der Tankerrouten in der Ostsee; Innenministerium Mecklenburg-Vorpommern