Sachsens Landwirtschaft zieht eine durchwachsene Erntebilanz für das Jahr 2026. Während die Wintergerste deutlich über dem langjährigen Mittel liegt, haben Hitze und Schädlingsbefall beim Winterweizen und beim Raps erhebliche Spuren hinterlassen. Zugleich kämpfen viele Betriebe mit steigenden Kosten und wirtschaftlicher Unsicherheit.

Nach der vorläufigen Ernteschätzung erreicht Getreide insgesamt einen durchschnittlichen Ertrag von 70,3 Dezitonnen je Hektar. Damit liegt das Ergebnis 0,8 Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen sechs Jahre.

Der Gesamtwert verdeckt jedoch große Unterschiede zwischen den einzelnen Getreidearten und Regionen. Besonders die Hitzeperiode Ende Juni traf zahlreiche Bestände während der entscheidenden Kornfüllungsphase.

Winterweizen sechs Prozent unter dem Durchschnitt

Beim Winterweizen wird ein Ertrag von 71,2 Dezitonnen je Hektar erwartet. Das sind sechs Prozent weniger als im sechsjährigen Mittel.

Die hohen Temperaturen führten nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums zu einer verfrühten Abreife. In mehreren Regionen wurden geringere Hektolitergewichte und eine verstärkte Bildung von Kümmerkorn festgestellt.

Ein erheblicher Teil des ursprünglich als Qualitätsgetreide angebauten Weizens erreicht deshalb voraussichtlich nur die Anforderungen für Futtergetreide. Für die betroffenen Betriebe können damit niedrigere Verkaufserlöse verbunden sein.

Auch Roggen bleibt hinter den Erwartungen zurück. Mit 50,7 Dezitonnen je Hektar liegt der Ertrag 5,9 Prozent unter dem langjährigen Vergleichswert.

Wintergerste liefert überdurchschnittliches Ergebnis

Deutlich besser fällt die Bilanz bei der Wintergerste aus. Mit 85,6 Dezitonnen je Hektar liegt ihr Ertrag 13,8 Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen sechs Jahre.

Damit gehört die Wintergerste zu den wenigen Kulturen, die von den Witterungsbedingungen des Jahres profitieren konnten. Die Erntebilanz fällt deshalb nicht in allen Teilen Sachsens und nicht bei allen Pflanzen gleichermaßen schlecht aus.

Die Werte beruhen auf einer vorläufigen Einschätzung mit Stand vom 2. September. Endgültige Ergebnisse können sich nach Abschluss der Ernte und der statistischen Auswertung noch verändern.

Rapsernte besonders stark betroffen

Angespannt ist die Lage beim Winterraps. Der durchschnittliche Ertrag wird mit 30,1 Dezitonnen je Hektar angegeben. Damit bleibt das Ergebnis 11,6 Prozent unter dem sechsjährigen Mittel.

Neben der Hitze verursachte vor allem der Befall mit dem Rapserdfloh Schäden. Der Schädling kann Blätter, Stängel und junge Pflanzen angreifen und dadurch die Entwicklung der Bestände erheblich beeinträchtigen.

Landwirtschaftsstaatssekretär Ulrich Menke sieht neben den Witterungseinflüssen auch politische Rahmenbedingungen als Ursache der schwierigen Lage. Fehlende Zulassungen wirksamer Pflanzenschutzmittel schränkten die Handlungsmöglichkeiten der Betriebe ein.

Betriebe brauchen wirtschaftliche Planungssicherheit

Der Freistaat fordert unter anderem Änderungen bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln, eine stärkere Unterstützung bei Düngemittelkosten und die Aufnahme einer Mehrgefahrenversicherung in die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz.

Zudem wendet sich Sachsen gegen eine Kürzung größerer EU-Direktzahlungen. Nach Ansicht des Ministeriums benötigen besonders investierende und produzierende Betriebe verlässliche Rahmenbedingungen.

Für viele Landwirte entscheidet nicht allein die Erntemenge über das wirtschaftliche Ergebnis. Auch Qualität, Betriebsmittelpreise, Energieausgaben und erzielbare Marktpreise beeinflussen, ob die Ernte kostendeckend verkauft werden kann.

Quelle: Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft sowie Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, Erntebilanz vom 10. September 2026