Die gute Nachricht zuerst: Der BAFA-Standort in Weißwasser soll dauerhaft erhalten bleiben. Rund 240 Beschäftigte haben damit eine Perspektive. Neue Aufgaben wie die Bearbeitung der E-Auto-Förderung und eine bundesweite Energieeffizienz-Hotline sollen die Außenstelle stabilisieren. Vollständig eingelöst ist das frühere Strukturwandelversprechen damit aber nicht: Statt der angekündigten 350 Stellen sind derzeit rund 110 weniger besetzt, und der geplante Neubau wurde gestrichen.
Rund 240 Beschäftigte arbeiten in Weißwasser
Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle betreibt seit 2020 eine Außenstelle in Weißwasser. Nach Angaben der Stadt arbeiten dort aktuell rund 240 Menschen. Damit zählt die Behörde zu den größten Arbeitgebern der Region. Oberbürgermeisterin Katja Dietrich und BAFA-Präsidentin Mandy Pastohr bekräftigten im März 2026 den dauerhaften Verbleib des Standorts.
Die Außenstelle bearbeitet unter anderem Programme aus dem Bereich Energie und Gebäudeförderung. Für Weißwasser ist sie mehr als ein Verwaltungsstandort: Sie gilt als eines der sichtbarsten Projekte, mit denen der Bund den Verlust von Arbeitsplätzen durch den Kohleausstieg ausgleichen wollte.
Ursprünglich waren 350 Stellen zugesagt
Im Rahmen des Investitionsgesetzes Kohleregionen war nach Angaben von Landkreis und Bundestagsabgeordneten die Ansiedlung von insgesamt 350 Stellen vorgesehen. Ende 2025 waren demnach etwa 250 Beschäftigte tätig – 34 weniger als ein Jahr zuvor. Als Ursache wurde vor allem das Auslaufen befristeter Stellen genannt.
Mit derzeit rund 240 Beschäftigten fehlen gegenüber dem ursprünglichen Ziel rechnerisch etwa 110 Stellen.
Damit ergibt sich folgende Bilanz:
- zugesagt: 350 Stellen,
- aktuell vorhanden: rund 240 Stellen,
- Differenz: rund 110 Stellen,
- Erfüllungsquote: knapp 69 Prozent.
Die Sicherung der bestehenden Arbeitsplätze ist deshalb wichtig, ersetzt aber nicht automatisch die vollständige Umsetzung der früheren Zusage.
Neubau wurde abgesagt
Zusätzlich zu den Arbeitsplätzen sollte in Weißwasser ein eigenes Hauptgebäude für die Außenstelle entstehen. Die Beschäftigten arbeiten bislang verteilt auf mehrere Standorte in der Stadt. Im Februar 2026 wurde bekannt, dass das Bundeswirtschaftsministerium den geplanten Neubau nicht weiterverfolgt.
Die Absage trifft Weißwasser gleich mehrfach. Der Neubau sollte nicht nur moderne Arbeitsplätze bündeln, sondern auch eine innerstädtische Fläche entwickeln und die Bundesbehörde dauerhaft sichtbar in der Stadt verankern.
Landrat Stephan Meyer und Bundestagsabgeordneter Florian Oest warnten deshalb vor einem Vertrauensverlust. Aus ihrer Sicht gehören sowohl die 350 Stellen als auch der Neubau zum ursprünglichen Versprechen des Bundes.
Zwei neue Aufgaben sollen den Standort stabilisieren
Ende April kündigte das Bundeswirtschaftsministerium neue Zuständigkeiten für Weißwasser an. Die Außenstelle soll die Verwaltung eines neuen Förderprogramms für Elektrofahrzeuge übernehmen. Zusätzlich ist ab Januar 2027 die Betreuung einer bundesweiten Energieeffizienz-Hotline vorgesehen.
Diese Aufgaben sind wichtig, weil bisherige Förderprogramme schwanken können und einzelne Arbeitsverträge zeitweise befristet waren. Dauerhafte Zuständigkeiten schaffen eine bessere Grundlage für langfristige Beschäftigung.
Offen bleibt jedoch:
- Wie viele zusätzliche Stellen entstehen durch die neuen Aufgaben?
- Sind diese Stellen dauerhaft oder befristet?
- Wird das Ziel von 350 Beschäftigten weiterhin verfolgt?
- Wo sollen weitere Mitarbeiter untergebracht werden?
- Gibt es Ersatz für den aufgegebenen Neubau?
- Wann wird ein verbindlicher Personalplan veröffentlicht?
Bislang ist vor allem der Erhalt des gegenwärtigen Bestands zugesichert. Eine konkrete Rückkehr zum ursprünglichen Stellenziel ist öffentlich nicht erkennbar.
Ein großer Arbeitgeber mit besonderer Bedeutung
Für eine Stadt wie Weißwasser sind 240 qualifizierte Verwaltungsarbeitsplätze erheblich. Die Behörde bietet Tätigkeiten, die nicht unmittelbar von Industrieproduktion, Energiepreisen oder regionaler Nachfrage abhängen.
Sie schafft außerdem indirekte Effekte:
- Beschäftigte nutzen Handel und Gastronomie,
- Wohnungen werden nachgefragt,
- Familien bleiben in der Region oder ziehen zu,
- Dienstleister erhalten zusätzliche Aufträge,
- Weißwasser gewinnt als Verwaltungsstandort an Bedeutung.
Der Wert des BAFA lässt sich deshalb nicht allein an der Zahl der Schreibtische messen. Gerade nach Jahrzehnten des Bevölkerungs- und Arbeitsplatzverlustes ist eine Bundesbehörde ein wichtiges Stabilitätssignal.
Strukturwandel braucht verlässliche Zusagen
Die Bundesregierung hatte zugesagt, bis 2029 insgesamt 5.000 zusätzliche Arbeitsplätze in Bundesbehörden und anderen Bundeseinrichtungen in den Kohleregionen zu schaffen. Der Standort Weißwasser ist Teil dieses Programms.
Für den sächsischen Teil der Lausitz sind bis 2028 nach politischen Angaben 860 neue und zusätzliche Arbeitsplätze vorgesehen.
Entscheidend ist dabei die Bedeutung des Wortes „zusätzlich“. Wenn befristete Stellen auslaufen oder ursprünglich angekündigte Stellen dauerhaft unbesetzt bleiben, darf der bloße Erhalt vorhandener Beschäftigung nicht als vollständige Erfüllung des Strukturwandelversprechens dargestellt werden.
Erfolg und Enttäuschung liegen nah beieinander
Die BAFA-Ansiedlung ist trotz aller Kritik ein Erfolg. Innerhalb weniger Jahre entstand in Weißwasser einer der größten neuen Arbeitgeber der Region. Der Standort bleibt bestehen und erhält zusätzliche Aufgaben. Das schützt Arbeitsplätze und schafft Planungssicherheit.
Gleichzeitig bleiben zwei zentrale Punkte offen:
- Die zugesagten 350 Stellen sind nicht erreicht.
- Der angekündigte Neubau wird nicht umgesetzt.
Beides war Teil der Erwartung, die der Bund bei Stadt, Landkreis und Einwohnern geweckt hatte.
Der Bund muss einen verbindlichen Plan vorlegen
Für Weißwasser reicht deshalb ein allgemeines Bekenntnis zum Standort nicht aus. Die Bundesregierung sollte nachvollziehbar darlegen:
- wie viele Stellen dauerhaft finanziert sind,
- wie viele zusätzliche Stellen noch entstehen,
- bis wann das Ziel erreicht werden soll,
- welche Aufgaben langfristig in Weißwasser bleiben,
- wie die räumliche Unterbringung gelöst wird,
- welche Investitionen den gestrichenen Neubau ersetzen.
Die 240 vorhandenen Arbeitsplätze sind für Weißwasser ein Gewinn. Sie dürfen aber nicht zum neuen Endpunkt erklärt werden, solange ein größeres Versprechen im Raum steht.
Der BAFA-Standort ist gesichert. Ob damit auch das Vertrauen in den Strukturwandel gesichert ist, hängt davon ab, ob der Bund künftig nicht nur vorhandene Stellen schützt, sondern seine ursprünglichen Zusagen nachvollziehbar erfüllt.
Quellen
- Stadt Weißwasser und BAFA: Gemeinsame Erklärung zum dauerhaften Verbleib der Außenstelle und zum aktuellen Personalstand vom 13. März 2026.
- Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Neue Aufgaben für den BAFA-Standort Weißwasser, darunter E-Auto-Förderung und Energieeffizienz-Hotline.
- Landkreis Görlitz und Bundestagsabgeordneter Florian Oest: Angaben zur Zusage von 350 Stellen, zur Beschäftigtenentwicklung und zur Absage des Neubaus.