Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein wollen auch bei schweren Personal- oder IT-Ausfällen handlungsfähig bleiben. Eine neue Verwaltungsvereinbarung erlaubt es dem Partnerland, im Notfall Kredite im Namen des betroffenen Landes aufzunehmen. Beide Finanzministerien beschlossen die Zusammenarbeit am Donnerstag, 10. September 2026, in Berlin.

Die Vereinbarung greift, wenn eines der beiden Kreditreferate vorübergehend oder längerfristig nicht arbeitsfähig ist. Als mögliche Ursachen nennt das Finanzministerium Mecklenburg-Vorpommern großflächige Personalausfälle und erhebliche Störungen der technischen Infrastruktur.

Kreditreferate sichern Zahlungsfähigkeit der Länder

Die Kreditreferate beschaffen benötigte Mittel am Kapitalmarkt und stellen damit die Liquidität der Länder sicher. Dazu benötigen sie erfahrene Mitarbeiter, funktionsfähige IT-Systeme und eine ständige Verbindung zu Banken und anderen Kapitalmarktteilnehmern.

Fallen diese Strukturen aus, könnte ein Land benötigte Kredite nicht mehr wie vorgesehen aufnehmen. Das könnte seine finanzielle Handlungsfähigkeit beeinträchtigen. Die neue Vereinbarung legt deshalb Zuständigkeiten und Verfahren fest, bevor eine solche Notsituation eintritt.

Mecklenburg-Vorpommerns Finanzminister Heiko Geue erklärte, das Land müsse auch in Krisen finanziell handlungsfähig bleiben. Mit der Vereinbarung werde für den Fall vorgesorgt, dass personelle oder technische Ausfälle die regulären Abläufe behindern.

Partnerland kann Kreditaufnahme übernehmen

Kann Mecklenburg-Vorpommern zeitweise keine Kreditmarktmittel beschaffen, darf Schleswig-Holstein unterstützend tätig werden. Im umgekehrten Fall kann Mecklenburg-Vorpommern die Kreditaufnahme für Schleswig-Holstein übernehmen.

Die Kredite werden dabei im Namen des betroffenen Landes aufgenommen. Die Vereinbarung schafft somit eine organisatorische Absicherung für außergewöhnliche Situationen. Sie ist kein allgemeines gemeinsames Kreditprogramm der beiden Länder.

Schleswig-Holsteins Finanzministerin Silke Schneider sieht darin eine länderübergreifende Strategie, um Risiken mit erheblichen Auswirkungen zu begrenzen.

Hamburg und Bremen nutzen ähnliches Modell

Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein arbeiten bereits in mehreren Verwaltungsbereichen zusammen. Mit der neuen Vereinbarung wollen sie insbesondere die digitale und staatliche Widerstandsfähigkeit erhöhen.

Ein vergleichbares Modell besteht bereits zwischen Hamburg und Bremen. Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein übertragen diesen Ansatz nun auf ihre Kreditreferate.

Quelle: Ministerium für Finanzen und Digitalisierung Mecklenburg-Vorpommern, Pressemitteilung 71-26 vom 10. September 2026