Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat den Konflikt mit Deutschland mit scharfer Kriegsrhetorik weiter verschärft. Er bezeichnete die deutsche Reaktion auf den Drohnenangriff am Flughafen Leipzig/Halle als „Beginn eines echten Krieges“ und warf Bundeskanzler Friedrich Merz vor, Russland faktisch den Krieg zu erklären.

Auslöser ist ein Vorfall in der Nacht vom 4. auf den 5. August 2026. Am Flughafen Leipzig/Halle wurde eine mit Sprengstoff bestückte Drohne sichergestellt. Der Flugbetrieb musste nach Angaben der Bundesregierung für etwa zwei Stunden eingestellt werden. Die zuständigen Behörden leiteten umfangreiche Ermittlungen ein.

Lawrow wirft Merz eine Kriegserklärung vor

Lawrow äußerte sich in einem Interview mit dem russischen Staatsfernsehen. Die Anschuldigungen gegen Moskau und die daraufhin beschlossenen Maßnahmen seien „im Großen und Ganzen der Beginn eines echten Krieges“, erklärte der Außenminister.

Seine schärfste Attacke richtete sich gegen Friedrich Merz. Die Ankündigung des Bundeskanzlers, Deutschland wieder zu einer führenden Militärmacht Europas zu machen, werde nun umgesetzt. Merz erkläre Russland faktisch den Krieg, behauptete Lawrow.

Belege dafür, dass Deutschland einen Krieg gegen Russland vorbereitet, legte der Außenminister nicht vor. Die Bundesrepublik hat Russland nicht den Krieg erklärt. Berlin begründet sein Vorgehen mit dem Schutz vor hybriden Angriffen, der Unterstützung der Ukraine und der Stärkung der eigenen Verteidigungsfähigkeit.

Bundesregierung macht Russland verantwortlich

Am 7. August trat der Nationale Sicherheitsrat unter dem Vorsitz von Merz zusammen. Nach weiteren Untersuchungen erklärte die Bundesregierung am 1. September, Russland trage die Verantwortung für den Anschlagsversuch am Flughafen Leipzig/Halle.

Nach Angaben des Bundespresseamtes stützt sich die Zuordnung auf drei Bereiche. Dazu gehören das Tatmuster und die eingesetzten Materialien, die Ergebnisse der polizeilichen Ermittlungen sowie nachrichtendienstliche Erkenntnisse. Jeder dieser Bereiche hätte nach Darstellung der Bundesregierung für eine Zuordnung zu Russland ausgereicht.

Konkrete Beweismittel wurden bislang nicht öffentlich vorgelegt. Regierungssprecher begründeten dies mit den laufenden strafrechtlichen Ermittlungen und dem Schutz nachrichtendienstlicher Erkenntnisse. Die juristische Aufarbeitung des Vorfalls ist noch nicht abgeschlossen.

Berlin schließt russische Einrichtungen

Als Reaktion auf den Anschlagsversuch lässt die Bundesregierung das russische Generalkonsulat in Bonn zum 18. September schließen. Die dort beschäftigten Konsularbeamten müssen Deutschland verlassen. Zudem wird der Vertrag über das Russische Haus in Berlin gekündigt.

Außenminister Johann Wadephul ließ den russischen Botschafter einbestellen. Deutschland will außerdem strengere Einreisekontrollen für russische Staatsangehörige durchsetzen und den Druck auf die russische Schattenflotte erhöhen. Auf europäischer Ebene sollen weitere Personen im Zusammenhang mit hybriden Angriffen mit Sanktionen belegt werden.

Die Bundesregierung kündigte auch zusätzliche Maßnahmen im nachrichtendienstlichen Bereich an. Ihre zivile und militärische Unterstützung für die Ukraine werde fortgesetzt. Gleichzeitig soll die Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Union und der NATO ausgebaut werden.

Bundesregierung weist Kriegsrhetorik zurück

Das Auswärtige Amt wollte Lawrows Äußerungen bei der Regierungspressekonferenz vom 7. September nicht im Einzelnen kommentieren. Ein Sprecher erklärte jedoch, Deutschland habe auf den Russland zugerechneten hybriden Angriff konsequent und besonnen reagiert.

Das Verteidigungsministerium verwies auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und auf hybride Attacken gegen europäische Staaten. Lawrows Darstellung kehrt aus Sicht der Bundesregierung die Verantwortlichkeiten um: Russland werde nicht von Deutschland angegriffen, sondern müsse sich für den mutmaßlichen Anschlagsversuch in Leipzig verantworten.

Der russische Außenminister bestritt die Vorwürfe gegen sein Land. Ein Dementi allein widerlege die Ergebnisse der deutschen Sicherheitsbehörden jedoch nicht, erklärte das Auswärtige Amt. Gerade bei hybriden Angriffen gehöre die Leugnung der Verantwortung zum Vorgehen der beteiligten Akteure.

Leipzig wird zum Schauplatz des Konflikts

Der Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle besitzt eine weit über Sachsen hinausreichende Bedeutung. Die Bundesregierung spricht von einer neuen Qualität hybrider Bedrohungen und hat die Gefährdungslage von „abstrakt“ auf „hoch“ angehoben. Eine konkrete Gefahr für die Bevölkerung bestehe nach derzeitigem Stand jedoch nicht.

Bund und Länder bauen ihre Drohnenabwehr bereits aus. Eine gemeinsame Abwehreinheit soll mit zunächst 130 Beschäftigten arbeiten. Für Technik und Ausstattung stellt der Bund 100 Millionen Euro bereit. Ein neues Drohnenabwehrzentrum soll zudem ein bundesweites Lagebild erstellen und Risiken gemeinsam mit der Bundeswehr bewerten.

Lawrows Wortwahl zeigt, wie stark sich das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland verschlechtert hat. Aus dem Sprengstoff-Drohnenfund in Leipzig ist eine offene diplomatische Konfrontation entstanden, die inzwischen von ausdrücklicher Kriegsrhetorik begleitet wird.

Quelle: Bundesregierung, Regierungspressekonferenz vom 5. August 2026; Auswärtiges Amt, Erklärung von Außenminister Johann Wadephul zur russischen Urheberschaft beim Anschlagsversuch in Leipzig vom 1. September 2026; Bundesregierung, Regierungspressekonferenzen vom 2. und 7. September 2026; Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Informationen zu hybriden Angriffen und Drohnenvorfällen