Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit einem gewaltigen Vorsprung gewonnen. CDU, SPD und ein Teil der deutschen Medien sollten dieses Ergebnis endlich als politische Abrechnung verstehen, weil Warnungen und Etiketten die Lebenswirklichkeit der Wähler nicht verändert haben.

Dieser Wahlsieg ist kein Versehen

Nach der ersten Hochrechnung erreicht die AfD rund 44,5 Prozent. Die CDU stürzt auf 18,5 Prozent ab, während die SPD nur noch auf einen einstelligen Wert kommt. Die AfD hat ihr Ergebnis von 2021 mehr als verdoppelt und liegt bei Männern und Frauen sowie bei jüngeren und älteren Wählern vorn.

Nach Zahlen der Forschungsgruppe Wahlen hatten 42 Prozent der heutigen AfD-Wähler 2021 nicht gewählt. Weitere 15 Prozent kamen von der CDU. Das ist keine kleine Protestgruppe, sondern eine breite Mobilisierung von Menschen, die den etablierten Parteien nicht mehr zutrauen, ihre Probleme zu lösen.

59 Prozent der von Infratest dimap Befragten erklärten, die Bundesregierung habe bei dieser Wahl einen Denkzettel verdient. 70 Prozent sorgten sich, ihre Rechnungen künftig nicht mehr bezahlen zu können. Soziale Sicherheit war das am häufigsten genannte wahlentscheidende Motiv.

Wer dieses Ergebnis trotzdem vor allem mit Radikalisierung, Desinformation oder mangelndem Demokratieverständnis erklärt, beleidigt die Urteilskraft eines erheblichen Teils der Bevölkerung.

Klingbeil erkennt die Zäsur zu spät

SPD-Chef Lars Klingbeil bezeichnete das Ergebnis als „eine Zäsur“ und als „Signal an Berlin“. Es gebe viele Menschen, die nun Angst hätten. Zudem kündigte er an, über den Reformkurs der Bundesregierung nachzudenken.

Das Eingeständnis kommt spät. Nachdenken reicht nicht, wenn die eigene Partei trotz Regierungsbeteiligung kaum noch jeden elften Wähler erreicht. Die entscheidende Frage lautet nicht, warum Menschen Angst vor der AfD haben, sondern warum frühere SPD- und CDU-Wähler diesen Parteien den Rücken kehren.

Kanzleramtsministerin Nina Warken erklärte, die Bundesregierung erreiche die Menschen nicht ausreichend. Auch das klingt nach der alten Behauptung, die Politik sei im Grunde richtig und werde lediglich schlecht vermittelt. Die Menschen haben die Politik jedoch verstanden. Sie bewerten nur deren Ergebnisse anders als das Berliner Regierungsviertel.

Merz unterbietet sogar Scholz

Olaf Scholz galt vielen Bürgern als Totalausfall im Kanzleramt: führungsschwach, wortkarg und unfähig, seiner zerstrittenen Regierung eine erkennbare Richtung zu geben. Friedrich Merz trat mit dem Versprechen an, genau das zu ändern.

Nun gelingt Merz das Kunststück, Scholz bei den Zustimmungswerten noch zu unterbieten. Im ARD-DeutschlandTrend vom Mai 2026 waren lediglich 16 Prozent mit seiner Arbeit zufrieden, 83 Prozent zeigten sich unzufrieden. Das war der niedrigste jemals in dieser Erhebung gemessene Wert für einen Bundeskanzler. Selbst Scholz’ schlechtester Wert hatte bei 18 Prozent gelegen.

Nur 25 Prozent hielten Merz für dem Amt gewachsen. 69 Prozent widersprachen. In Sachsen-Anhalt bewerteten vor der Wahl gerade einmal neun Prozent den Kanzler positiv.

Scholz stand für Stillstand. Merz steht zusätzlich für enttäuschte Erwartungen. Er wollte den Bürgern einen politischen Neubeginn verkaufen, regiert nun aber gemeinsam mit der SPD und verliert innerhalb kürzester Zeit das Vertrauen der eigenen Wähler. Für die CDU ist das Ergebnis deshalb nicht nur eine Niederlage in Magdeburg, sondern eine Abrechnung mit der Politik ihres Bundesvorsitzenden.

Öffentlich-rechtliche Schieflage

Auch ARD und ZDF müssen sich fragen, ob ihr Umgang mit der AfD noch dem tatsächlichen politischen Gewicht der Partei entspricht. Eine Auswertung von 287 Sendungen der fünf großen öffentlich-rechtlichen Talkformate im Jahr 2025 erfasste insgesamt 1.284 Gastauftritte.

Unter den parteipolitischen Auftritten kam die Union auf 38,2 Prozent, obwohl sie bei der Bundestagswahl 28,5 Prozent erreicht hatte. Die SPD erhielt bei einem Wahlergebnis von 16,4 Prozent einen Auftrittsanteil von 23,9 Prozent. Die AfD hatte 20,8 Prozent der Stimmen gewonnen, stellte aber nur 2,6 Prozent der politischen Talkgäste. Bei „Maybrit Illner“ lag ihr Anteil sogar bei null Prozent.

Das ist eine messbare Schieflage. Die stärkste Oppositionspartei kann nicht ständig Gegenstand der Diskussion sein, während ihre Vertreter kaum am Tisch sitzen. Über eine Partei zu sprechen ist nicht dasselbe, wie mit ihr zu sprechen.

Hinzu kommt der Stil mancher Interviews. AfD-Politiker werden mit Recht kritisch befragt. Kritische Fragen gehören zum Journalismus, ebenso Nachfragen bei Ausflüchten oder falschen Behauptungen. Doch der Eindruck einer unfairen Behandlung entsteht, wenn Antworten fortlaufend unterbrochen und Gespräche zur moralischen Anklage umgebaut werden. Eine belastbare senderübergreifende Statistik zu solchen Unterbrechungen existiert allerdings nicht; erfundene Zahlen würden genau jene unsaubere Arbeitsweise wiederholen, die den Medien vorgeworfen wird.

Unbestreitbar ist dagegen das ARD-Sommerinterview mit Alice Weidel vom Juli 2025. Organisierte Proteste waren so laut, dass Interviewer und Gesprächspartnerin einander zeitweise kaum verstanden. Die ARD wiederholte das Gespräch dennoch nicht. Wer faire Bedingungen für politische Interviews beansprucht, muss sie auch einer ungeliebten Opposition garantieren.

Eine wissenschaftliche Analyse von fast 10.000 Nachrichtenbeiträgen fand zwar keine Belege für eine pauschal besonders einseitige Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Sie stellte aber fest, dass in sieben von neun untersuchten Formaten liberal-progressive Perspektiven gegenüber konservativen Positionen überwogen. Außerdem berichteten die öffentlich-rechtlichen Formate weniger negativ über Regierungsparteien als private Vergleichsmedien.

Von einer zentral gesteuerten Propaganda kann damit nicht seriös gesprochen werden. Ein strukturelles Problem bei Themenauswahl, Gästebesetzung und Perspektivenvielfalt lässt sich jedoch ebenso wenig wegreden.

Der Spiegel und die SPD-Medien

Der Spiegel machte Ulrich Siegmund vor der Wahl zum „gefährlichsten Mann Deutschlands“. Damit wurde aus einem Spitzenkandidaten eine politische Bedrohungsfigur. Eine solche Zuspitzung mag Magazine verkaufen, ersetzt aber keine nüchterne Auseinandersetzung mit Programm, Personal und Wählermotiven. Das Ergebnis zeigt, dass moralische Alarmtitel die AfD nicht geschwächt haben.

Dabei muss korrekt bleiben: Der Spiegel gehört nicht der SPD. Anders verhält es sich bei der Deutschen Druck- und Verlagsgesellschaft, der Medienholding der Sozialdemokraten. Sie hält nach eigenen Angaben 23,1 Prozent an der Madsack Mediengruppe, 100 Prozent an der Neuen Westfälischen und 30 Prozent an der Suhler Verlagsgesellschaft.

Diese Beteiligungen beweisen keine politischen Anweisungen an Redaktionen. Wer das behauptet, müsste Belege vorlegen. Dennoch entsteht ein Glaubwürdigkeitsproblem, wenn eine Regierungspartei wirtschaftlich an Medienunternehmen beteiligt ist, während deren Zeitungen über politische Konkurrenten und Wahlkämpfe berichten. Transparenz und erkennbare redaktionelle Unabhängigkeit sind deshalb unverzichtbar.

Der Begriff „Altparteien“ ist polemisch. Nach diesem Wahlabend beschreibt er jedoch ein politisches Milieu, das sich stärker mit Abgrenzungsritualen als mit den Ursachen seines Vertrauensverlustes beschäftigt.

Darum ausdrücklich: Herzlichen Glückwunsch an die AfD Sachsen-Anhalt und Ulrich Siegmund zu diesem klaren Wahlsieg. Der Erfolg ist kein Freibrief, denn nun muss die Partei realistische, finanzierbare und rechtsstaatlich umsetzbare Politik vorlegen.

Die größere Pflicht liegt heute trotzdem bei den Verlierern. CDU, SPD und die meinungsprägenden Redaktionen sollten aufhören, Wähler zu erziehen. Sie sollten endlich damit beginnen, ihnen zuzuhören.

Quellen

ARD/Infratest dimap, Forschungsgruppe Wahlen, Landeswahlleiterin Sachsen-Anhalt, WDR-Presselounge, Redaktionsnetzwerk Deutschland, Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Deutschlandfunk, MDR Medien360G, ARD-Sommerinterview vom 20. Juli 2025; Stand: 6. September 2026