Die AfD geht als klare Favoritin in die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die CDU liegt deutlich abgeschlagen auf dem zweiten Platz, während mehrere kleinere Parteien um den Einzug in den Landtag kämpfen.

AfD liegt bis zu 21 Punkte vor der CDU

Die letzten Umfragen vor der Wahl am 6. September 2026 zeigen einen außergewöhnlich großen Abstand zwischen AfD und CDU. In der Vorwahlumfrage von Infratest dimap erreicht die AfD 42 Prozent, während die CDU auf 22 Prozent kommt. Das ZDF-Politbarometer sieht die AfD bei 40 und die CDU bei 23 Prozent.

Eine weitere INSA-Umfrage kommt sogar auf 43 Prozent für die AfD und 22 Prozent für die CDU. Die Linke erreicht darin zwölf Prozent, die SPD sieben und die Grünen fünf Prozent. BSW und FDP würden den Einzug in den Landtag verpassen. Wahlumfragen sind allerdings Momentaufnahmen und keine Vorhersagen des endgültigen Ergebnisses.

Im Vergleich zur Landtagswahl 2021 zeichnet sich dennoch eine grundlegende Verschiebung ab. Damals gewann die CDU mit 37,1 Prozent deutlich vor der AfD, die auf 20,8 Prozent kam. Innerhalb von fünf Jahren könnten sich die Kräfteverhältnisse damit vollständig umkehren.

Ulrich Siegmund setzt auf die Alleinregierung

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hat angekündigt, nur mit einer absoluten Mehrheit Ministerpräsident werden zu wollen. Eine Minderheitsregierung unter seiner Führung lehnt er ab, weil sich die zentralen Wahlversprechen der Partei nach seiner Auffassung nur mit einer eigenen Mehrheit umsetzen ließen.

Ob die AfD tatsächlich mehr als die Hälfte der Sitze erhält, hängt nicht allein von ihrem Stimmenanteil ab. Entscheidend ist auch, wie viele kleinere Parteien an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Stimmen für Parteien, die nicht in den Landtag einziehen, werden bei der Sitzverteilung nicht berücksichtigt. Deshalb kann eine absolute Mandatsmehrheit auch mit weniger als 50 Prozent der Zweitstimmen entstehen.

Nach den derzeitigen Umfragen reicht es für eine sichere Alleinregierung noch nicht. Bereits geringe Verschiebungen bei AfD, Grünen, BSW oder FDP könnten jedoch darüber entscheiden, ob Siegmund eine eigene Mehrheit erhält.

CDU steht vor einer schwierigen Regierungsbildung

Der amtierende Ministerpräsident Sven Schulze schließt Koalitionen mit der AfD und der Linken aus. Er wolle Sachsen-Anhalt weiterhin „aus der Mitte heraus“ führen. Die bisherigen Partner SPD und FDP sind nach den aktuellen Umfragen jedoch zu schwach, um gemeinsam mit der CDU eine Mehrheit zu bilden.

Sollte die AfD stärkste Kraft werden, aber die absolute Mehrheit verfehlen, könnte eine von der CDU geführte Minderheitsregierung zum wahrscheinlichsten Szenario werden. Sie wäre bei Gesetzen und beim Landeshaushalt regelmäßig auf Stimmen aus der Opposition angewiesen. Eine stabile Mehrheitsregierung ohne AfD oder Linke erscheint nach dem derzeitigen Stand kaum möglich.

Auch ein Wahlsieg allein bringt der AfD daher noch keine Regierungsverantwortung. Ohne absolute Mehrheit oder einen Koalitionspartner könnte sie trotz eines deutlichen Vorsprungs erneut in der Opposition bleiben.

Unzufriedenheit treibt den politischen Wechsel

Hinter dem Erstarken der AfD steht eine tiefgreifende Unzufriedenheit im Land. In einer repräsentativen Erhebung bewerteten 62 Prozent der Befragten die Arbeit der Landesregierung negativ. Nur 16 Prozent hatten großes Vertrauen darauf, dass der Staat seine Aufgaben zuverlässig erfüllt.

Als wichtige Probleme nannten die Befragten vor allem Migration, Bildung und die wirtschaftliche Entwicklung. Hinzu kommen Sorgen um Arbeitsplätze, steigende Lebenshaltungskosten, die medizinische Versorgung und die Zukunft ländlicher Regionen.

Die Wahl besitzt deshalb eine weit über Sachsen-Anhalt hinausreichende Bedeutung. Ein Sieg der AfD wäre der erste Erfolg der Partei bei einer Landtagswahl. Eine absolute Mehrheit würde erstmals den Weg zu einer AfD-Alleinregierung in einem Bundesland eröffnen. Das endgültige Ergebnis entscheidet jedoch allein der Wahlabend.

Quelle: Infratest dimap, Forschungsgruppe Wahlen, INSA, Landtag Sachsen-Anhalt