Der politische Konflikt zwischen Berlin und Moskau spitzt sich weiter zu. Russlands Staatsmedien verschärfen ihren Ton, nachdem Deutschland Moskau für den Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich gemacht hat.
Solowjow fordert Wiederherstellung der DDR
Der russische Fernsehmoderator Wladimir Solowjow stellte in seiner Sendung auf dem staatlichen Kanal Rossija 1 die deutsche Wiedervereinigung infrage. Russland solle die Anerkennung des vereinigten Deutschlands zurücknehmen und die Wiederherstellung der DDR verlangen.
Zudem forderte Solowjow den Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Das heutige Deutschland bezeichnete er als nicht mehr existierenden beziehungsweise nicht legitimen Staat.
Die verbreitete Formulierung „einfach die DDR wiederherstellen“ gibt seine Aussage allerdings nur verkürzt wieder. Wörtlich verlangte Solowjow die „Wiederherstellung der DDR“ und anschließend die vollständige Beendigung der diplomatischen Beziehungen.
Zwei-plus-Vier-Vertrag im Visier
Solowjow bezog sich auf den Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990. Das Abkommen wurde von der Bundesrepublik, der DDR, Frankreich, Großbritannien, den USA und der Sowjetunion unterzeichnet.
Der Vertrag regelte die außenpolitischen Voraussetzungen der deutschen Einheit und beendete die verbliebenen Rechte der vier Siegermächte. Deutschland erhielt damit seine volle staatliche Souveränität.
Eine Forderung im russischen Staatsfernsehen besitzt keine rechtliche Wirkung. Russland könnte die deutsche Einheit auch nicht durch eine einseitige Erklärung rückgängig machen oder die DDR als Staat wiederherstellen.
Lawrow greift Merz scharf an
Auch der russische Außenminister Sergej Lawrow richtete persönliche Angriffe gegen Friedrich Merz. Er kritisierte dessen Ziel, die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Armee Europas auszubauen.
Lawrow deutete das Wort „wieder“ als Anspielung auf die militärische Vergangenheit Deutschlands. Merz hatte jedoch von der Bundeswehr innerhalb des heutigen europäischen Verteidigungsbündnisses gesprochen.
Die Bundesregierung verfolgt dieses Ziel vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und der gestiegenen Anforderungen der NATO. Die erste deutsche Militärstrategie nennt 2039 als Zieljahr.
Kremlsprecher Dmitri Peskow warf Merz zusätzlich innenpolitische Misserfolge vor. Der Bundeskanzler versuche daraus mit einer härteren Russlandpolitik Kapital zu schlagen und gehe dabei „äußerst ungeschickt“ vor.
Streit begann nach Leipziger Drohnenfund
Deutschland macht Russland für den mutmaßlichen Anschlagsversuch mit einer Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich. Die Bundesregierung beruft sich auf polizeiliche Ermittlungen, nachrichtendienstliche Erkenntnisse und das festgestellte Tatmuster.
Konkrete Beweise wurden bislang nicht vollständig veröffentlicht. Regierungssprecher Steffen Meyer erklärte jedoch, jede der drei untersuchten Ebenen habe ausgereicht, um den Vorgang Russland zuzuordnen.
Berlin reagierte unter anderem mit der angekündigten Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn und dem Vorgehen gegen das Russische Haus in Berlin. Moskau kündigte daraufhin die Schließung der Goethe-Institute in Moskau, Sankt Petersburg und Jekaterinburg an.
Die Bundesregierung bezeichnete die russischen Drohungen als „Sprache der Eskalation“. Zugleich trennte sie zwischen offiziellen Erklärungen des Kremls und den weitergehenden Forderungen im russischen Staatsfernsehen.
Quelle
Bundesregierung, Regierungspressekonferenz vom 2. September 2026; Bundesministerium der Verteidigung, Gesamtkonzeption für die militärische Verteidigung; russisches Außenministerium und staatliche Nachrichtenagentur TASS; Sendung „Abend mit Wladimir Solowjow“ auf Rossija 1; Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland vom 12. September 1990