Magdeburg, 6. September 2026. Die AfD steht vor einem historischen Wahlsieg in Sachsen-Anhalt. Die CDU muss mit ihrem schwächsten Ergebnis im Land rechnen, während eine regierungsfähige Mehrheit zunächst nicht erkennbar ist.
Nach der um 18 Uhr veröffentlichten Prognose von Infratest dimap erreicht die AfD bei der Landtagswahl 44,5 Prozent. Die bislang regierende CDU kommt demnach nur noch auf 18,5 Prozent. Zwischen beiden Parteien liegen damit 26 Prozentpunkte.
Die Linke erreicht laut Prognose 9,5 Prozent. Die Grünen kommen auf 9,0 Prozent und die SPD auf 8,0 Prozent. Das BSW liegt mit 5,0 Prozent genau an der entscheidenden Hürde. Die FDP fällt auf 2,0 Prozent und würde damit aus dem Landtag ausscheiden. Die Freien Wähler erreichen 1,0 Prozent, weitere Parteien zusammen 2,5 Prozent.
Bei den Zahlen handelt es sich noch nicht um ein amtliches Wahlergebnis. Die Prognose beruht auf Befragungen von Menschen nach dem Verlassen ausgewählter Wahllokale. Im Laufe des Abends folgen Hochrechnungen, in die bereits ausgezählte Stimmen einfließen.
AfD verdoppelt ihr Ergebnis
Für die AfD zeichnet sich ein Ergebnis ab, das die bisherigen Kräfteverhältnisse in Sachsen-Anhalt grundlegend verändert. Bei der Landtagswahl 2021 hatte die Partei 20,8 Prozent erreicht. Nach der ersten Prognose würde sie nun um 23,7 Prozentpunkte zulegen und ihren damaligen Stimmenanteil mehr als verdoppeln.
Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hatte im Wahlkampf eine Alleinregierung als Ziel ausgegeben. Obwohl die AfD deutlich vor allen anderen Parteien liegt, reicht die erste Prognose zunächst nicht für eine absolute Mehrheit der Sitze. Die endgültige Sitzverteilung hängt jedoch davon ab, welche Parteien die Fünf-Prozent-Hürde überwinden und wie die Direktmandate verteilt werden.
Unabhängig davon dürfte die AfD im neuen Landtag über eine Sperrminorität verfügen. Damit könnte sie bei Entscheidungen, für die eine Zweidrittelmehrheit erforderlich ist, nicht ohne Weiteres übergangen werden.
CDU verliert mehr als die Hälfte
Für die CDU zeichnet sich eine historische Niederlage ab. Die Partei hatte die Landtagswahl 2021 mit 37,1 Prozent deutlich gewonnen. Nach der aktuellen Prognose verliert sie 18,6 Prozentpunkte und damit mehr als die Hälfte ihres damaligen Stimmenanteils.
Ministerpräsident Sven Schulze hatte die Regierung erst Anfang 2026 von Reiner Haseloff übernommen. Die erhoffte Aufholjagd im Wahlkampf blieb nach der ersten Prognose aus. Die CDU liegt nicht nur weit hinter der AfD, sondern erreicht nicht einmal mehr 20 Prozent.
Auch die bisherige Regierungskoalition aus CDU, SPD und FDP ist abgewählt. Zusammen erreichen die drei Parteien in der Prognose nur 28,5 Prozent. Da die FDP voraussichtlich nicht mehr im Landtag vertreten sein wird, kann das bisherige Bündnis nicht fortgesetzt werden.
BSW entscheidet über Mehrheiten
Besonders große Bedeutung bekommt das Ergebnis des BSW. Mit genau 5,0 Prozent liegt die Partei in der ARD-Prognose unmittelbar auf der Mandatsschwelle. Schon geringe Veränderungen in den folgenden Hochrechnungen könnten darüber entscheiden, ob das BSW in den Landtag einzieht.
Der Einzug oder das Ausscheiden der Partei verändert die Sitzverteilung erheblich. Stimmen für Parteien unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde werden bei der Verteilung der Mandate grundsätzlich nicht berücksichtigt. Dadurch steigt der rechnerische Anteil der im Parlament vertretenen Parteien.
Nach den Zahlen der ersten Prognose ist weder eine AfD-Alleinregierung noch eine politisch naheliegende Mehrheit der bisherigen Regierungsparteien erkennbar. CDU, SPD und Grüne kämen zusammen lediglich auf 35,5 Prozent. Selbst unter Beteiligung des BSW würde dieses Bündnis deutlich hinter der AfD bleiben.
Eine Mehrheit gegen die AfD könnte deshalb von einer Zusammenarbeit mehrerer Parteien einschließlich der Linken abhängen. Eine solche Konstellation wäre politisch äußerst schwierig, weil die CDU bislang sowohl eine Koalition mit der AfD als auch mit der Linken ausgeschlossen hat. Denkbar wären dadurch langwierige Verhandlungen oder eine Minderheitsregierung.
FDP fliegt aus dem Landtag
Zu den größten Verlierern gehört neben der CDU die FDP. Die Liberalen waren seit 2021 an der Landesregierung beteiligt und hatten damals 6,4 Prozent erreicht. Mit den nun prognostizierten 2,0 Prozent würden sie den Wiedereinzug deutlich verfehlen.
SPD und Linke verlieren gegenüber 2021 leicht. Die Grünen könnten dagegen von 5,9 auf 9,0 Prozent zulegen und damit ihr Ergebnis deutlich verbessern. Für die Regierungsbildung reicht dieser Zugewinn allein jedoch nicht aus.
Der neue Landtag muss spätestens am 6. Oktober 2026 zu seiner konstituierenden Sitzung zusammentreten. Bis ein neuer Ministerpräsident gewählt und eine Regierung gebildet ist, bleibt die bisherige Landesregierung geschäftsführend im Amt.
Wahlbeteiligung steigt deutlich
Schon vor Schließung der Wahllokale zeichnete sich eine außergewöhnlich hohe Wahlbeteiligung ab. Bis 16 Uhr hatten nach Angaben der Landeswahlleiterin 65,3 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Briefwahlstimmen waren in dieser Erhebung noch nicht berücksichtigt.
Damit lag die Beteiligung bereits zwei Stunden vor Ende der Wahl über dem Gesamtwert von 2021. Damals hatten sich 60,3 Prozent der Wahlberechtigten an der Landtagswahl beteiligt.
Die Auszählung in den 41 Wahlkreisen läuft seit 18 Uhr. Im Laufe des Abends werden erste Hochrechnungen und amtliche Zwischenergebnisse erwartet. Mit dem vorläufigen Landesergebnis rechnet die Landeswahlleitung in der Nacht oder am frühen Montagmorgen.
Quelle: Landeswahlleiterin Sachsen-Anhalt; Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt