Das ZDF strahlte 2025 insgesamt 138 Ausgaben von „Markus Lanz“ aus. Eine im März 2026 veröffentlichte Untersuchung wertete davon 26 Sendungen mit wirtschaftspolitischem Schwerpunkt aus. Unter 34 Auftritten von Politikern entfielen 13 auf CDU und CSU, neun auf die SPD, sieben auf die Grünen, drei auf die Linke und einer auf die FDP. Hinzu kam ein parteiloser Politiker. Vertreter der AfD, des BSW und der Freien Wähler wurden in keiner dieser 26 Sendungen eingeladen. Die Zahlen beziehen sich allerdings nur auf wirtschaftspolitische Ausgaben und nicht auf das gesamte Programm.

Markus Lanz sendet häufiger als andere Polittalks

„Markus Lanz“ läuft in der Regel dienstags, mittwochs und donnerstags im ZDF. Die Sendung behandelt politische, gesellschaftliche, wissenschaftliche und persönliche Themen. Mit 138 Ausgaben war sie 2025 das mit Abstand umfangreichste der fünf großen untersuchten Talkformate.

Zum Vergleich: Viele klassische Sonntagabend- oder Wochentalks kommen aufgrund ihres festen wöchentlichen Sendeplatzes auf deutlich weniger Ausgaben. Die hohe Frequenz verschafft „Markus Lanz“ einen besonderen Einfluss auf die politische Debatte, erschwert aber zugleich einfache Vergleiche mit anderen Formaten.

Das ZDF beschreibt die Sendung als journalistisch fundierten Talk über aktuelle und gesellschaftlich relevante Themen.

So verteilen sich die Politikerauftritte

Die von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft in Auftrag gegebene Untersuchung betrachtete ausschließlich Sendungen, deren Inhalt zu mindestens der Hälfte einen wirtschaftspolitischen Bezug hatte.

In diesen 26 Ausgaben wurden 90 Gästeauftritte gezählt. Davon entfielen 34 auf Politiker. Die Verteilung nach Parteien:

CDU und CSU: 13 Auftritte

SPD: neun Auftritte

Bündnis 90/Die Grünen: sieben Auftritte

Die Linke: drei Auftritte

FDP: ein Auftritt

Parteilose Politiker: ein Auftritt

AfD: kein Auftritt

BSW: kein Auftritt

Freie Wähler: kein Auftritt

Damit waren fünf Parteien sowie ein Parteiloser vertreten. CDU und CSU stellten zusammen rund 38 Prozent aller gezählten Politikerauftritte. Auf die SPD entfielen rund 26 Prozent, auf die Grünen knapp 21 Prozent und auf die Linke knapp neun Prozent.

AfD blieb bei Wirtschaftsthemen vollständig außen vor

Besonders auffällig ist die vollständige Abwesenheit der AfD. Die Partei war nach der Bundestagswahl 2025 die zweitstärkste Kraft im Deutschen Bundestag. Dennoch wurde in keiner der untersuchten wirtschaftspolitischen Ausgaben ein AfD-Politiker eingeladen.

Auch Vertreter des BSW und der Freien Wähler kamen nicht vor. Die Freien Wähler waren allerdings nicht im Bundestag vertreten. Das BSW scheiterte bei der Bundestagswahl am Einzug.

Die fehlende AfD-Präsenz ist deshalb politisch besonders relevant, weil die Partei mit mehr als einem Fünftel der Stimmen eine erhebliche Zahl von Wählern vertritt. Daraus entsteht jedoch noch kein automatischer rechtlicher Anspruch auf einen Sitz in einer bestimmten Talkshow.

Redaktionen können Gäste nach Thema, politischer Verantwortung, Fachkompetenz und Aktualität auswählen. Eine Opposition muss nicht in jeder einzelnen Sendung vertreten sein. Über einen längeren Zeitraum stellt sich dennoch die Frage, ob ein bedeutender Teil des politischen Spektrums angemessen abgebildet wird.

Die Studie untersucht nicht das gesamte Jahr vollständig

Die Zahlen dürfen nicht als vollständige Parteibilanz aller 138 Sendungen missverstanden werden. Untersucht wurden nur die 26 Ausgaben mit einem wirtschaftspolitischen Schwerpunkt.

Politiker können in anderen Sendungen zu Außenpolitik, Migration, Sicherheit, Wahlen oder gesellschaftlichen Fragen eingeladen worden sein. Eine vollständige, öffentlich zugängliche ZDF-Statistik, die sämtliche Gäste des Jahres nach Parteizugehörigkeit aufschlüsselt, liegt nicht vor.

Die aktuelle Analyse beantwortet daher eine engere Frage: Welche Parteien kamen in den als wirtschaftspolitisch eingestuften Sendungen vor?

Sie beweist weder eine generelle Ausgrenzung über das gesamte Programm noch eine vollständige politische Ausgewogenheit.

Zwei Unternehmer bei 90 Gästeauftritten

Die Untersuchung betrachtet nicht nur Parteipolitiker. Sie zeigt auch, welche gesellschaftlichen Gruppen wirtschaftspolitische Debatten bei „Markus Lanz“ prägen.

Von den 90 gezählten Gästeauftritten entfielen 34 auf Politiker und 29 auf Journalisten. Damit stellten diese beiden Gruppen zusammen 70 Prozent der Gäste.

Ökonomen kamen auf 13 Auftritte. Weitere Wissenschaftler waren achtmal vertreten. Aus der praktischen Wirtschaft wurden dagegen nur zwei Unternehmer eingeladen. Vertreter von Arbeitgeber- oder Wirtschaftsverbänden kamen überhaupt nicht vor.

Damit diskutierte das Format häufig über Unternehmen, Arbeitsplätze, Energie oder staatliche Wirtschaftspolitik, ohne Unternehmer oder Verbandsvertreter direkt einzubeziehen.

Fast jede zweite Wirtschaftssendung ohne Wirtschaftsexperten

Von den 26 wirtschaftspolitischen Sendungen kamen zwölf vollständig ohne Unternehmer, Wirtschaftsverbandsvertreter oder Ökonomen aus. Das entspricht 46,2 Prozent.

Die Studie kritisiert deshalb, dass bei „Markus Lanz“ vergleichsweise häufig über wirtschaftliche Themen gesprochen wurde, ohne Vertreter aus der Wirtschaft oder Wirtschaftswissenschaft einzuladen.

Allerdings muss auch hier unterschieden werden: Journalisten oder Politiker können über wirtschaftliche Zusammenhänge informiert sein. Dennoch liefern Unternehmensvertreter, Beschäftigte oder Selbstständige andere praktische Erfahrungen als Berufspolitiker und Medienvertreter.

Gerade bei Themen wie Energiepreisen, Bürokratie, Unternehmenssteuern oder Fachkräftemangel kann die geringe Zahl praktischer Wirtschaftsvertreter die Perspektivenvielfalt einschränken.

Häufigster Gast war ein ZDF-Journalist

Auch der Blick auf die gesamte Saison 2025/26 zeigt die starke Rolle von Journalisten. Nach Angaben des ZDF war der Leiter des Washingtoner Studios, Elmar Theveßen, mit 18 Auftritten der häufigste Gast.

Auf jeweils elf Auftritte kamen die Journalistinnen Eva Quadbeck und Kerstin Münstermann. Der CDU-Politiker Roderich Kiesewetter war siebenmal eingeladen. Je fünf Auftritte absolvierten unter anderem der SPD-Politiker Karl Lauterbach und der CSU-Politiker Manfred Weber.

Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch wurde in dieser Saison zweimal eingeladen. Sahra Wagenknecht vom BSW und CSU-Chef Markus Söder kamen jeweils einmal. Diese Zahlen zeigen, dass die AfD nicht grundsätzlich aus dem Gesamtformat ausgeschlossen war, in den untersuchten Wirtschaftssendungen jedoch fehlte.

Journalisten erklären häufig die Politik anderer Länder

Die häufigen Einladungen des ZDF-Korrespondenten Elmar Theveßen wurden vom Sender mit der Vielzahl internationaler Ereignisse begründet. Er sei oft nur für einen Teil der Sendung zugeschaltet worden, um Entwicklungen in den USA einzuordnen.

Eine häufige Präsenz eines Korrespondenten ist daher nicht unmittelbar mit einem Politikerauftritt vergleichbar. Sie zeigt dennoch, wie stark öffentlich-rechtliche Journalisten selbst als Gesprächspartner in politischen Talkshows auftreten.

Das kann sachlich begründet sein, birgt aber ein strukturelles Problem: Redaktionen laden teilweise Journalisten aus dem eigenen oder aus anderen Medien ein, um gesellschaftliche Entwicklungen zu bewerten, während direkt betroffene Bürger, Unternehmer oder Fachpraktiker seltener zu Wort kommen.

Was der Medienstaatsvertrag verlangt

Der Medienstaatsvertrag verpflichtet den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zur freien individuellen und öffentlichen Meinungsbildung. ARD, ZDF und Deutschlandradio sollen die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit achten sowie eine möglichst breite Themen- und Meinungsvielfalt ausgewogen darstellen.

Das bedeutet nicht, dass jede einzelne Talkrunde exakt nach dem Ergebnis der Bundestagswahl besetzt werden muss. Auch eine mathematisch gleiche Zahl an Einladungen für alle Parteien ist nicht vorgeschrieben.

Der Auftrag bezieht sich grundsätzlich auf das Gesamtangebot des Senders. Das ZDF kann daher in einer Sendung nur Regierungsvertreter und in einer anderen ausschließlich Opposition, Wissenschaftler oder Betroffene einladen.

Über einen längeren Zeitraum muss das Programm jedoch unterschiedliche gesellschaftliche und politische Sichtweisen erkennbar berücksichtigen.

Neutralität bedeutet nicht politische Gleichgültigkeit

Der Medienstaatsvertrag verwendet vor allem die Begriffe Objektivität, Unparteilichkeit, Meinungsvielfalt und Ausgewogenheit. Ein allgemeines Gebot, wonach Moderatoren zu jeder Aussage völlig neutral bleiben müssten, besteht nicht.

Markus Lanz darf Aussagen hinterfragen, Widersprüche offenlegen und Gäste mit Gegenargumenten konfrontieren. Journalismus wäre kaum möglich, wenn der Moderator lediglich nacheinander vorbereitete Stellungnahmen abfragen dürfte.

Unparteilichkeit verlangt jedoch vergleichbare Maßstäbe. Politiker verschiedener Parteien sollten bei vergleichbaren Aussagen ähnlich kritisch befragt werden. Fehler, Ausweichmanöver und unbelegte Behauptungen müssen unabhängig von der Parteizugehörigkeit geprüft werden.

Allein aus einem scharfen Interview lässt sich deshalb keine Parteilichkeit ableiten. Eine politische Schlagseite müsste anhand einer größeren Zahl von Sendungen, Fragen, Redezeiten und Unterbrechungen belegt werden.

Parteistärke ist nur ein Auswahlkriterium

Bei der Gästeauswahl dürfen mehrere Faktoren berücksichtigt werden:

Ein Bundesminister trägt unmittelbare Verantwortung für die Politik seines Ressorts. Ein Oppositionsführer repräsentiert eine parlamentarische Alternative. Ein Fachpolitiker kann wegen besonderer Kenntnisse eingeladen werden. Auch Aktualität, persönliche Beteiligung und journalistische Relevanz spielen eine Rolle.

Deshalb wäre es zu einfach, die Gästezahlen eins zu eins mit Bundestagswahlergebnissen zu vergleichen. Regierungsparteien sind aufgrund ihrer Entscheidungen häufig Gegenstand der Berichterstattung und werden regelmäßig mit Kritik konfrontiert.

Gleichzeitig darf dieser Hinweis nicht dazu führen, dass eine große Oppositionspartei dauerhaft kaum vorkommt. Gerade öffentlich-rechtliche Angebote müssen auch Positionen sichtbar machen, die den Redaktionen oder einem Teil des Publikums politisch fernstehen.

Die ZDF-Staatsverträge sichern Staatsferne

Das ZDF beruht auf einem Staatsvertrag der Länder. Der Begriff bedeutet nicht, dass Landesregierungen einzelne Sendungen oder Gästelisten bestimmen dürfen.

Die Länder legen den gesetzlichen Rahmen, den Auftrag und die Aufsichtsstruktur fest. Das Programm selbst muss staatsfern organisiert werden. Regierungsvertreter dürfen die zuständigen Kontrollgremien nicht beherrschen.

Der ZDF-Fernsehrat überwacht die Einhaltung des Programmauftrags. In ihm sitzen Vertreter verschiedener gesellschaftlicher Gruppen. Zuschauer können sich mit Programmbeschwerden an das ZDF und seine Gremien wenden.

Eine Regierung darf dem Moderator jedoch nicht vorschreiben, wen er einzuladen oder welche Fragen er zu stellen hat. Das wäre mit der Rundfunkfreiheit nicht vereinbar.

Keine Partei hat Anspruch auf einen festen Stuhl

Parteien besitzen grundsätzlich keinen Anspruch, in einer bestimmten Ausgabe von „Markus Lanz“ eingeladen zu werden.

Strengere Anforderungen gelten insbesondere bei offiziellen Wahlformaten, Wahlduellen und der Verteilung von Wahlwerbezeiten. Dort ist die abgestufte Chancengleichheit der Parteien zu beachten.

Eine redaktionell gestaltete Talkshow besitzt dagegen größere Freiheit. Sie darf Themen zuspitzen, ungewöhnliche Gesprächspartner zusammenbringen und auf eine vollständige Abbildung aller Bundestagsfraktionen verzichten.

Die Grenze wäre erreicht, wenn ein Sender seine redaktionelle Freiheit systematisch dazu nutzen würde, eine Partei zu fördern oder eine politisch relevante Partei ohne sachlichen Grund aus dem Gesamtangebot zu verdrängen.

Belegen die Zahlen eine politische Schlagseite?

Die Untersuchung belegt mehrere deutliche Unterschiede:

CDU und CSU waren in den wirtschaftspolitischen Ausgaben am häufigsten vertreten. Die SPD und die Grünen folgten mit Abstand. FDP und Linke kamen nur vereinzelt vor. Die AfD fehlte vollständig.

Zudem dominierten Politiker und Journalisten, während Unternehmer kaum eingeladen wurden. Fast jede zweite wirtschaftspolitische Ausgabe kam ohne Unternehmer, Verbandsvertreter oder Ökonomen aus.

Daraus lässt sich jedoch nicht zweifelsfrei ableiten, dass „Markus Lanz“ insgesamt gegen den Medienstaatsvertrag verstößt. Dafür müsste das vollständige Programm untersucht werden. Notwendig wären Daten zu allen Themen, Gästen, Redezeiten, Fragen, Unterbrechungen und journalistischen Bewertungen.

Die Zahlen liefern aber einen nachvollziehbaren Anlass, die Gästeauswahl und die tatsächliche Breite der Perspektiven kritisch zu hinterfragen.

Mehr Transparenz wäre im Interesse des ZDF

Das ZDF könnte Vertrauen schaffen, indem es jährlich eine vollständige Gästestatistik seiner politischen Formate veröffentlicht.

Diese könnte Politiker nach Partei und Funktion, Journalisten nach Medium sowie Vertreter von Wirtschaft, Wissenschaft, Gewerkschaften, Verbänden und Zivilgesellschaft getrennt ausweisen.

Eine solche Veröffentlichung müsste keinen starren Proporz auslösen. Sie würde jedoch nachvollziehbar machen, ob wichtige gesellschaftliche Gruppen über längere Zeit kaum vorkommen.

Gerade bei einem beitragsfinanzierten Angebot reicht es nicht, Ausgewogenheit nur zu behaupten. Die Sender könnten anhand ihrer eigenen Daten zeigen, wie breit ihre Themen und Gäste tatsächlich aufgestellt sind.

Quellen

ZDF, Sendungsseite und Programminformationen zu „Markus Lanz“, fortlaufend aktualisiert

ZDF, Angaben zu den häufigsten Gästen und zur Zahl der Sendungen in der Saison 2025/26, veröffentlicht im Juli 2026

Die Medienanstalten, Medienstaatsvertrag in der geltenden Fassung, insbesondere Präambel und Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

Bundeszentrale für politische Bildung, Informationen zur Staatsferne und Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks