Nach dem deutlichen Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt nimmt das BSW als einzige weitere Landtagspartei das Gesprächsangebot der AfD an. Der BSW-Landesvorstand beschloss einstimmig, über Energieversorgung, Bildung und Friedenspolitik zu sprechen. Eine Koalition beider Parteien ist damit allerdings noch nicht vereinbart.

Die AfD hatte nach der Wahl alle im neuen Landtag vertretenen Parteien zu zeitnahen Sondierungsgesprächen eingeladen. CDU, SPD, Grüne und Linke lehnten das Angebot ab. Das BSW erklärte dagegen, Gespräche dürften nicht grundsätzlich verweigert werden.

BSW-Landeschef Thomas Schulze bezeichnete die Absagen der übrigen Parteien als schlechten politischen Umgang. Seine Partei sei grundsätzlich bereit, mit allen demokratisch gewählten Kräften zu sprechen.

AfD gewinnt mit 43,8 Prozent

Die AfD erreichte bei der Landtagswahl 43,8 Prozent der Zweitstimmen. Gegenüber 2021 legte sie um 23 Prozentpunkte zu. Die CDU stürzte auf 17,2 Prozent ab und verlor 19,9 Punkte.

Die Grünen kamen auf 8,9 Prozent, die SPD auf 9,3 Prozent und die Linke auf 8,6 Prozent. Das BSW zog mit 5,3 Prozent erstmals in den Landtag von Sachsen-Anhalt ein. Die Wahlbeteiligung stieg deutlich auf 77,8 Prozent.

Obwohl die AfD die absolute Mehrheit knapp verfehlte, reklamiert Spitzenkandidat Ulrich Siegmund den Regierungsauftrag für seine Partei. Ohne Unterstützung weiterer Abgeordneter oder einer anderen Fraktion kann die AfD jedoch keine stabile eigene Mehrheit bilden.

BSW lehnt feste Koalition weiterhin ab

Das BSW hatte bereits vor der Wahl eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen. An dieser Position hat sich nach den bislang veröffentlichten Aussagen nichts geändert.

Möglich wäre jedoch eine Zusammenarbeit bei einzelnen politischen Vorhaben. Auch eine vom BSW geduldete Minderheitsregierung der AfD wird diskutiert. Eine entsprechende Vereinbarung besteht bislang nicht.

BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht brachte zudem einen überparteilichen Ministerpräsidenten ins Gespräch, der über Parteigrenzen hinweg Unterstützung erhalten könnte. Ob sich dafür eine Mehrheit finden lässt, ist offen.

Energie, Bildung und Friedenspolitik auf der Tagesordnung

Bei dem geplanten Treffen wollen AfD und BSW zunächst drei Themenbereiche besprechen. Dazu gehören die Energieversorgung, die Bildungspolitik und die sogenannte Friedenspolitik.

In diesen Feldern gibt es teilweise Überschneidungen, aber auch erhebliche Unterschiede. Beide Parteien kritisieren Teile der bisherigen Energie- und Russlandpolitik. Bei anderen Fragen, darunter Wirtschafts-, Sozial- und Gesellschaftspolitik, bestehen unterschiedliche Positionen.

Ort und Zeitpunkt des Gesprächs wurden zunächst nicht bekannt gegeben. Ebenso offen ist, ob nach dem ersten Treffen weitere Sondierungen folgen.

Für Sachsen-Anhalt beginnt damit eine schwierige Phase der Regierungsbildung. Die AfD hat die Wahl mit großem Abstand gewonnen, bleibt aber bei der Suche nach verlässlichen Mehrheiten auf Unterstützung außerhalb der eigenen Fraktion angewiesen.

Quelle: BSW Sachsen-Anhalt, Erklärung des Landesvorstandes; Landeswahlleiter Sachsen-Anhalt, vorläufiges Wahlergebnis; Deutschlandfunk, Meldung vom 10. September 2026